Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1895)
- Date
- 1895-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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244 der Commissionen stattfinden dürfte, und daß insbesondere die staatliche Aufsichtsbehörde selbst den das Einkommen der einzelnen Censiten, bezw. ihre Veranlagung zu den Staatsfteuern erheblicher außer Acht lassenden Einschätzungen die Vollstreckbarkeits- Erklärung nicht versagen könne. Diese Meinung hatte vor einiger Zeit eine Beschwerde des Vorstandes einer Synagogengemeinde weger versagter Vollstreckbarkeits-Erklärung zur Folge gehabt, auf welche seitens des Herrn Oberprästdenten der nachstehende Bescheid ertheilt worden ist, der unzweifelhaft über den vorliegenden Fall hinaus von prinzipieller Wichtigkeit ist: „Die von dem Vorstande bei mir angebrachte Beschwerde vermag ich in ihrer prinzipiellen Auffassung bezüglich der Stellung der Einschätzungs-Commission gegenüber der staatlichen Ausstchtsbehörde als begründet nicht anzuerkennen. Wenn die^letztere die ihr vorgelegte Heberolle ohne Weiteres für^ vollstreckbar zu erklären verpflichtet sein sollte, so würde das Recht der Vollstreckbarkeits-Erklärung ohne jeden materiellen Inhalt sein. Dieser Inhalt besteht eben darin, daß die Aufsichts- Behörde auch ihrerseits prüft, ob die Feststellungen der EtnschätzungS-Commission eine gleichmäßige und den Vermögensverhältntffen der einzelnen Veranlagten entsprechende Heranziehung darstellten. Wenn sie hierbei von ^der Veranlagung zu den Stassteuern auSgeht, so wird dagegen ein begründeter Etnwand nicht erhoben und ihr ferner auch nicht verwehrt werden können,^ wo die ihrWorgelegte Einschätzung erheblichere Abweichungen ^gegenüber einer nach Maßgabe der Staatssteuern" berechneten Vertheilung aufweist, eine Aufklärung dieser Differenzen und bezw. eine höhere Heranziehung einzelner Mitglieder zu verlangen. Z Der Thätigkeit der Einschätzungs-Commission } bleibts immerhin ein noch Wetter Spielraum." Breslarr.Z jDtenstag, den^5. d. M.,^ verschied nach langem, schmerzvollen Leiden die hier wohlbeliebte, vortreffliche Frau Auguste Falk, die Gattin des verstorbenen, weil. Rabbinatsasfessors F. Falk zu Breslau, im ehrenvollen Alter von 87 Jahren. Vor der tags darauf unter stattlicher Betheiligung erfolgten Beerdigung gab zunächst im Trauerhause ein Schwiegersohn der Dahtngeschiedenen, Herr W. Wrefchner, in dessen Heim sie seit dem Ableben ihres Gatten weilte, dem Schmerze und der Verehrung als nvt* unter treffender Deutung des Liedes vom „wackeren Weibe" (Spr. 31) hinreißenden Ausdruck. In ergreifenden, geistvollen und trostreichen Worten hielt darauf Herr Rabbiner Dr. Rosenthal in der Leichenhalle einen warmen Nachruf zu Ehren der verdienstvollen Frau und deren durch Frömmigkeit und Bildung ausgezeichneten Familie. Tiefgerührt betrat schließlich Herr Rabbiner Dr. Wreschner, Samter, ein Enkelsohn der Verstorbenen, die Trauerkanzel, um der durch ihr kindlich reines Gemüth, ihr schlichtes, bescheidenes Wesen ausgezeichneten Tochter ihres großen Vaters, R. Lippmaun Rawlc; (zu Lrfsa Tato), der durch Sanftmuth, echte Frömmigkeit und emsiges Streben hervorragenden Ga ttin eines verehrungswürdigen Thorajüngers und dem hochverdienten und tiefverehrten Familienhaupte namens der Hinterbliebenen den Abschiedsgruß zu entbieten unter der begeisterten Versicherung, Kindern und Kindeskindern die Ideale jüdischer Weiblichkeit in der Heimgegangenen stets nahe zu halten. Unter schmerzlicher Thetlnahme wurden alsdann die sterblichen Reste der edlen Frau der Erde übergeben. ra"«n. Stratzbrrrg i E, 8. Febr. Während dem Justizministerium in Paris nicht weniger als 44 Gesuche um Aenderung des Namens Dreyfuß vorliegen, ladet die Abtheilung Straßburg der deutschen Gesellschaft für ethische Cultur für Montag den 11. Februar, 84/a Uhr zu einem Vortrage in den kleinen Saal des Civilcasinos ein, den Herr Dr. N. Dreyfuß über „die Gründung von Volksheilstätten für Lungenkranke" halten wird. — Seit einigen Monaten ging eine Anzahl Studenten der hiesigen Kaiser-Wtlhelm-Universttät mit dem Plane um, eine socialwtffenschaftiche Vereinigung zu gründen, worüber in akademischen Kreisen verschiedene Meinungen hörbar wurden. Zur allgemeinen Ueberraschung aber berichtet die letzre Nummer der „Akademischen Blätter," das Organ der „deutschen Studenten." die Gründung einer „sozialwiffenschaftlichen Vereinigung" sei gescheitert, weil der dafür zu gewinnende Profossor die Befürchtung hegte, der Verein könnte eine parteiische, z. B. antisemitische Färbung bekommen. Wenn auch, wie ich Ihnen vor Kurzem bereits mttgetheilt habe, in der Mitte der Studentenschaft der hiesigen Kaiser- Wilhelm Universität von einer antisemitischen Bewegung nicht die geringste Spur vorhanden ist, so hat dennoch der betreffende akademische Lehrer nach dem bekannten Sprichwort: „Vorsicht ist die Mutter der Weisheit" den Beweis geliefert, daß er ein in die Zukunft schauendes weises, geistiges Auge besitzt, daß er ein ojn, ein Weiser in der wahrsten Bedeutung des Wortes ist, ein von im Sinne der „Sprüche der Väter" Tun nt» rwnn dan mw „Wer ist weise? Der in die Zukunft schaut." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Aus Böhme«. (Die Rückkehr zum gesetzestreuen Judenthum.) Naturforscher machten die Erfahrung, daß es in der Entwicklungs-