Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1895)
- Date
- 1895-02-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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248 Zeit, über den Zerfall der Wahrheit, über den Aufschwung der Lüge, über dte Herrschaft der Heuchelei, über den Uebermuth der Volksverführer und über die hochmüthige Ueberhebung der Demagogen und Hetzer, wenn König David zu dem Gotte der Wahrheit ruft: Hilf o Herr! Dte Frommen nehmen ab, die Wahrhaftigen werden weniger unter den Menschenkindern. Einer spricht mit dem Andern nur Falschheit, redet Heuchelet, mit Unaufrichtigkeit im Herzen. Der Herr möge doch ausrotten, dte heuchlerischer Lippen sind, dte Zungen, die großthuertsch und stolz sprechen, die da sprechen: Unsere Zunge führt uns zum Siege, wir haben die Sprache zu unserem Triumph; wer will uns meistern? Herr! Ueberlasse mich nicht meinen Widersachern, meinen Feinden; denn sie stellen falsche Zeugen wieder mich auf und thun mir Unrecht ohne Scheu (das. K. 12 und K. 27.) O, mögen sie doch verstummen, die falschen lügenhaften Lippen, die da gegen den Gerechten stolz und höhnisch sprechen; ihre Worte sind Unheil und Trug, sie wollen keine Vernunft annehmen sich zu bessern, sondern sie trachten und sinnen auf ihrem Lager Böses zu stiften und scheuen nichts Arges. Richte Du mich mein Gott und führe Du meinen Streit gegen das gottlose Volk, und errette mich vor den falschen und bösen Leuten; denn Du bist mein Gott, meine Stärke; warum verstoßest Du mich? Warum läßt Du mich so traurig einherwandeln, wenn der Feind mich bedrängt? Sende endlich dein Lischt und deine Wahrheit, daß sie mich leiten, und bringen zu deinem heiligen Berge, und zu Deinem erhabenen Wohnsitze, daß ich htneingehe zum Altar Gottes, zu dem Gotte, der meine Freude und Wonne ist. und Dir Gott auf der Harfe danke, o mein Gott! (das. K. 31, 36 und 43.) (Fortsetzung folgt.) Zeittmgsnachrichteir und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 12/Febr. Im Verein für jüd. Geschichte und Literatur berichtete am Mittwoch Abend Herr Dr. W. Hanauer über das im vorigen Jahre erschienene, von der Kritik sehr günstig aufgenommene Buch: „Einführung in das Studium der Sozialhygiene" von Alfred Nofstg, einem nichtjüdischen Forscher.*) Es behandelt die Gesundheitspflege bet den Chinesen, Indern, Egyptern und Persern mehr einleitend und widmet den größten Thetl seines Inhaltes dem jüdischen Volke. Der Verfasser weist nach, wie in den zehn Geboten das *) Da8 ist ein Jrrthum. Dr. Rossig ist Jude. Red. d. JSr. Gebot der Arbeit und das Gebot der Sabbatruhe, gleichwie die Elternehre und die Hetlighaltung der Ehe vom moralischen wie hygienischen Standpunkt aufzufaflen sind. Weiter enthält die Bibel Vorschriften zur Bekämpfung der Infektionskrankheiten, Speisegesetze und sexuelle Bestimmungen. Prophylaktisch wirken die Gesetze über Reinhaltung des Bodens, des Waffers, der Luft, der Wohnung und der Kleidung. Dann ist vorgeschriebe»: Anzeigepflicht, Jsolirung, Desinfektion von Person, Kleidung und Haus. Alle diese Bestimmungen sind im Talmud noch erweitert. Herr Dr. Hetneman« als Vorsitzender dankte dem Referenten für die intereffanten Ausführungen und bereicherte diese noch um einige Zusätze. Auch ein Schönsprecher hat sich Dieser Tage hier hören laffen. Er ist — sagen wir „Geistlicher", „Seelsorger", „Priester" von Beruf. Der Herr saß ein Jahrzehnt über dem Memorbuch seiner Diöcese und hat auch fleißig in „Vergangenheit und Gegenwart" gelesen. Da kann man schon, wenn man sonst das Zeug dazuZhat, und das hat der Herr in seinen äußeren Gaben, einen schönen Vortrag zusammenbringen. Der Vortrag hat offenbar gefallen und gefesselt, und der Herr hat sogar den ausgezeichneten Muth gehabt, dem großen und weitberühmten Tobten, aus besten Werken er geschöpft hat, und der bis vor wenigen Jahren in der Nachbarstadt als Rabbiner segensreich für die ganze Judenheit gewirkt hat, ein wenig anzurempeln und überhaupt die Rabbiner der VergangenhettWnk moderne Überlegenheit — sit venia verbo — fühlen zu laffen. Dafür hat er aber auch die Genealogie des Gießener Nestors der hessischen Reformhelden dargelegt! Man darf sich aber ehrlich wundern, wie der betreffende Verein, ich glaube, er dient den Zwecken der jüdischen Litteratur und hat fromme Männer an seiner Spitze, wie dieser Verein' eine Persönlichkeit zu einem Vortrag einladen kann, die durch ihre ungehörigen Bemerkungen die Mehrzahl der Zuhörer in dem verletzt, was diesen achtungswerth und verehrungswürdig dünkt. Es wird auch den Rabbinern und Gelehrten frommer Richtung, die ihre geschätzten Kräfte dem Verein schon oft zur Verfügung stellten, durchaus unerwünscht sein, mit einem Mann zusammenzuwirken, der so unziemlich die Grenze überschreitet. Auf die Mitglieder des Vereines wirkt derartiges verwirrend und verstimmend. Bresla«, 4. Februar. Ueber die Befugnisse der Einschätzungs-Commissionen für den aus dem jährlichen Etat sich ergebenden Bedarf an Synagogen-Beiträgen besteht mehrfach die irrige Meinung, daß die Einschätzung lediglich nach dem Ermessen