Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1895)
- Date
- 1895-02-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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zu Straßburg t. E., des Herrn Dr. BuLtenwieser angeferttgt und kann also sorglos auch in solchen Haushaltungen verwendet werden, die die Satzungen unserer heil. Religion auf das Strengste beachten. Die Verkaufsstelle in Frankfurt a. M., M. M. Rapp, war so freundlich, uns einige Büchs - chen des neuen Stoffes zur Verfügung zu stellen. Wir haben damit einige Milch- und Fleischspeisen zubereiten laffen und waren mit dem damit erzielten Resultate sehr zufrieden. Monn ]b idnt bi hsd rrnD ]b Niff Berlin, 6. Febr. In zuweilen stürmisch verlaufener, zahlreich besuchter Versammlung, in der es auch zu einigen Enthüllungen kam, sprach gestern Ahlwardt über seinen Ausschluß aus der antisemitischen Fraktion. Sein Vertrauen auf die antisemitische Dankbarkeit scheint auch erschüttert zu sein. Er bestreitet. Sozialdemokrat geworden zu sein. Er wolle nur den Juden ihr Kapital nehmen und empfiehlt in sehr konfusen Redewendungen die Blldung einer neuen Partei. Liebermann und Zimmermann seien stets seine Gegner gewesen und weil er die reaktionäre Haltung Ltebermann's gegenüber der Umsturzvorlage verurthetlt habe, sei er ausgeschlossen worden. Nach seiner Rückkehr aus Bayern habe man ihm vorgeworfen, daß er die Mitglieder der Fraktion konservative Bauernfänger und Waschlappen genannt habe. Er habe dies geleugnet und auch schriftlich geben wollen, nur habe man n'cht zugelassen, daß er dieser Erklärung noch hinzufügt, das Ganze sein ein Teufelsspiel. Im Verein mit Böckel wird Ahlwardt nunmehr die erste „antisemitische Volkspartei" gründen. Nun kam Böckel mit seinem Vortrag über „deutsches Volksthum", worin er zunächst seine Verdienste um den Antisemitismus hervorhob und dann von Liebermann ein sehr wenig schmeichelhaftes Bild enthüllte. Er warf ihm sogar den schlimmsten Wucher vor, da er 1893 die Nothlage des antisemitischen Führers im Kreise Hofgeismar ausgebeutet und sich diesen Wahlkreis für 300 M. habe verkaufen lassen. Ihn selbst, der die Partei in die Höhe gebracht und sein Vermögen für die antisemitische Sache geopfert, habe man mit Undank belohnt und der Unterschlagung von Vereinsgeldern beschuldigt. Böckel freut sich jetzt, daß er aus der Fraktion ist, und will weiter kämpfen für des Volkes Freiheit und Wohl. Lebhafter Widerspruch erhob sich, als der antisemitische Redakteur Wildberg versuchte, den angriffenen Liebermann zu vertheidigen. Er erinnert daran, daß Böckel die Berliner Antisemiten früher Fatzken und Maskenball-Antisemiten genannt habe. Er meint, man könne sich nicht wundern, wenn Liebermann den Böckel vor die Pistole fordere. Nachdem noch Böckel erklärte, daß er mit seiner Kritik nur diejenigen Antisemiten habe treffen wollen, die die Wände mit Karikaturen beschmieren und die Juden verhauen, wurde eine Resolution angenommen, in der der Ausschluß Ahltvardt's und Böckel's aus der Fraktion nicht gebilligt und ihnen treue Gefolgschaft gelobt wurde. Berlin, 6. Februar. Die antisemitische Reformpatter im Reichstage veröffentlicht jetzt eine Erklärung über den Ausschluß Ahlwardts aus der Fraktion. Die Erklärung bringt über die Gründe nichts Neues. Ahlwardt hat eben seine Wahrheitsliebe an der eigenen Fraktion bethätigt. Zuletzt wird vor ihm gewarnt und gesagt: „An alle diejenigen Parteigenossen und Vereine, die auf dem Boden der Eisenacher Einigung stehen, richten wir nunmehr zur Vermeidung neuer Jrrniffe und Wirrnisse das dringende Ersuchen, von Vorträgen des Abg. Ahlwardt gänzlich abzusehen. Die Einigkeit ist ein so hohes Gut, daß wir uns dasselbe durch planmäßige unüberlegte oder unbewußte Quertreibereien einzelner Persönlichkeiten nicht verkümmern lassen dürfen. Wenn Abg. Ahlwardt in einem Briefe vom 23. v. M. an den Vorsitzenden der Fraktion die Parteitage in Düsseldorf, Eisenach rc. „als schlimme Dinge" bezeichnet, „die in ihrer Grsammtheit als nahezu bewußte verbrecherische Handlungen gegen ihn" aufgefaßt werden müßten, so ist damit der Beweis erbracht, daß Ahlwardt seine Person über die Sache stellt." Leipzig, 8. Jan. (Späte Einsicht.) Das offiziöse sächsische Blatt, die „Lpz. Ztg." die als Erste den sächsischen Antisemitismus grobgezogen hat, ist tief entrüstet über den Radicalismus, dem die Antisemiten zusteuern. In einer Besprechung der Broschüre „Mein Austritt aus der antisemitischen Partei" von Wilhelm Georg schreibt sie am 30. Januar über gewisse antisemitische Führer: „Wir kennen sie zur Genüge die verkrachten und verbummelten Existenzen, die die wirthschaftliche Noth des Volkes zu bekämpfen vorgeben; die Leute, welche jede selbstlose und unabhängige Führung der höheren Kreise verdrängen und verleumden, um die Massen in den Dienst ihres eigenen Ehrgeizes zu stellen, die Reformatoren deutscher Sitte, deren Privatleben nicht nur die Presse, sondern den Strafrichter zu scheuen hat, die christlichen Bekämpfer des Talmuds, die in der eigenen Bibel nicht Bescheid wissen, die Feinde aller Ausbeutung, welche die selbstentfachte Bewegung des Volkes zur Grundlage ihres wirthschaftltchen Daseins machen." Das Bild ist treffend, aber wir haben keine Freude an dieser verspäteten Reue. Als der Antisemitismus in die Höhe kam, hätte es Einsicht und Vornehmheit bewiesen, diese Bewegung ruhig