Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1895)
- Date
- 1895-02-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWW8 XXXTL Jahrgang. Erste Beilage ju M 11 -es „Israelit". Leitender Artikel. MMonldrs Bis MWnW Autorität. Von Vr. I Münz. (Fortsetzung.) Interessant und bemerkenswerth sind die pathologischen Erscheinungen, die unser Arzt in dem 24. Abschnitte seines Werkes mittheilt. Eine Frau, — so erzählt er im Namen Galens — die an einem Magenübel litt, konnte keine weitere Nahrung zu sich nehmen und ihre Kräfte nahmen derart ab, daß sie nahe daran war, ihren Geist aufzugeben. Die ärztliche Hilfe, die sie in Anspruch nahm, blieb ohne Erfolg. Da verschrieb ich der Kranken ein Heilmittel und kaum hatte sie es genommen, so fühlte sich die Frau gestärkt und ihr Appetit kehrte wieder zurück. Er (Galen) habe einmal den merkwürdigen Fall beobachtet, wie ein junger Mann sich an der äußeren Haut des Gehirnes eine Verletzung zuzog und mit Hilfe Gottes doch beim Leben erhalten blieb. An einer anderen Stelle empfiehlt Maimuni zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit auch vergnügte Unterhaltungen, wie Jagd und Spiel. „Ein frohes Temperament, sagte er, verscheucht viele Krankheiten. Eine freudige Erregung der Seele ist für die Gesundheit bcffer, als die Bewegung des Körpers." Hier hat unser Arzt seine arabischen Leser im Auge und folgt seiner Quelle Galenus, da im Talmud vor dem Jagdvergnügen gewarnt wird.^) Einen höchst beachtenswerthen Beitrag zur Charakteristik unseres Weisen bildet der Passus in dieser Abhandlung, der auch ob seiner Wichtigkeit in der Sammlung der Gutachten und Briefe Matmunis mitgetheilt ist und schon zur Zeit des berühmten Salomo ben Aderoth die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat. Maimonides unterzieht dort eine theologische Aeußerung des Galenus gegen die jüdische Religion einer scharfen, vernichtenden Kritik und findet nicht Worte genug, die Begriffsverwirrung und Verkehrtheit dieses „philosophirenden Menschen" zu brandmarken. Je mehr er die medicinischen Kenntnisse dieses berühmten Mannes schätzt und bewundert, eine desto geringere Meinung hat er von seinem philosophischen und theologischen Wissen. Ist er dort ein unübertroffener Meister, so ist er hier ein elender Stümper. Es ist der Ausspruch der Philosophen bekannt — so beginnt Maimonides seine £1) Abida"Sowa^18d.ZRaschi' daselbst. geistvolle und strenge Kritik — daß, wie der Körper, so auch die Seele ihre Vorzüge und Krankheiten hat. So gibt es eine Art von geistiger Krankheit, in Folge deren jemand nur für sein Fach schwärmerisch eingenommen ist, alle anderen Kentniffe aber geringschätzt und für nutzlos hält, oder über Dinge, die er gar nicht oder nur zur Hälfte versteht, leichtfertig und selbstgefällig aburtheilt, als ob sie auch zu seinem Wissensgebiete gehören würden. Ist dieser Mann nun auf einem Gebiete eine unbestrittene Autorität, deffen Worte ohne Widerrede wie Orakelsprüche htngenommen werden, so nimmt diese gelehrte Monomanie immer bedenklichere Dimensionen an und steigert sich oft biS zu dem Wahne, über alles und jegliches nach Belieben zu entscheiden. Ein solcher Kranker an der Seele ist auch der berühmte Arzt GalenuS. Er dringt auf Speculatton, auf klare, logische Beweisführung als eine der Grundlagen der Medicin und macht den Mangel derselben seinen ärztlichen Zeitgenossen zum Vorwurfe. Aber er selbst Handel: in Widerspruch zu seiner eigenen Theorie. Galenus erhebt sich nämlich in seinem Gelehrtendünkel zu der Stufe der Propheten und will nächtlicher Visionen theilhaftig geworden sein. Ja noch mehr. Er wagt es sogar, die Lehren Mosis anzugreifen und sie mit überlegener Miene des Unverstandes zu zeihen. Galenus behandele nämlich die Frage über die eigenthümliche, aber doch zweckmäßige Beschaffenheit der Haare an den Wimpern und Augenbraunen. B.'t dieser Gelegenheit bemerke er nun, daß nach der Lehre Mosis, die eine Weltschöpfung annimmt, diese Erscheinung theologisch als eine Bestimmung Gottes aufzufaffen wäre, der ja auch den Naturgesetzen zuwider zu handeln vermag, so z. B. plötzlich aus dem Staube ein lebendes Wesen entstehen lassen könne. Er verwerfe nun diese als mosaisch bezetchnete Ansicht und behaupte, daß Gott, selbst wenn er „lausend Mal will", den natürlichen Gang der Naturkräfte nicht abzuändern imstande sei. „Ich will nun" — fährt Maimunt in seiner Abhandlung fort — „die Worte Galens anführen und sodann Nachweisen, daß nicht unfern Lehrer Mosis, sondern ihn selbst der Vorwurf des Unverstandes trifft. Ich werde gerechter Weise bei meiner Darstellung so zu W:rke gehen, als ob ich zwischen zwei gelehrten Männern, von denen der eine größer als der andere ist, zu entscheiden hätte und den großen Unterschied außer Acht lasse, daß der erste ein großer Prophet und der zweite ein menschlicher Arzt ist."