Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1895)
- Date
- 1895-02-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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208 hielt, so hatten sich die Verhältnisse doch jetzt so zugespitzt, daß sie nicht sicher war. ob Willy nicht, durch seine Schwester veranlaßt, Reue fühlen und sich dem Judenthum wieder zuwenden könne. Sie konnte sich selbst nicht begreifen, daß sie nicht schon längst Willy veranlaßt hatte, sich taufen zu lassen. WaS galt feine Erklärung, sich zur Egydischen Gemeinde zu bekennen! So lange er nicht getauft war, blieb er Jude und konnte in jedem Augenblick reuig in den Schootz des JudenthumS zurückkehren. Jetzt erst sah sie die Nothwendtgkeit der Taufe ein, und sie beschloß, einen durch seinen Bekehrungseifer bekannten Pastor mit ins Vertrauen zu ziehen, damit Willy so bearbeitet werde, daß er die Taufe nehme. Mutter und Schwester wurden von ihrem Plan verständigt und die beiden bigotten Damen waren hoch erfreut, daß Greta endlich in ihr Fahrwasser steuere und sie versprachen ihr bei diesem ftommen Werke hilfreich zur Seite zu stehen. So wurde denn von den Damen alles genau überlegt und besprochen, und als man damit zu Ende war, sagte die Mutter: „So möge der Herr uns betstehen, diese edle Seele dem Christenthum zu retten, und wenn unsere Wege auch nicht die gewöhnlichen sind, so wird der Herr uns verzeihen; ohne Opfer wird es nicht gehen, aber ich bringe gerne ein Opfer, wenn es gitt eine arme, verlorene Seele zu retten". Während so über das Heil der Seele Willys ohne dessen Wissen und Willen Beschluß gefaßt wurde, saß dieser mit Anny in einem Restaurant, woselbst rituell gekocht wurde und speiste mit Behagen von den Gerichten, die er seit seinem Austritt aus dem elterlichen Hause nicht mehr so zubereitet gegessen hatte. Wie ein Traum aus ferner Jugendzeit heimelten diese ihn an und Anny sah mit Wohlgefallen, wie gut ihm sein Mahl schmeckte. Der feurige Ungarwetn, den sie dazu tranken, belebte ihre Stimmung und Willy fühlte sich zum ersten Mal seit langer Zeit so gemüthlich und behaglich bet seiner Schwester. Die Unterhaltung drehte sich um die Heimath und Anny erzählte von der Mutter, von ihrem Leiden, von ihrem Tode, vom Vater und seiner großen Arbeitslast und wie sie hoffe, daß Willy jetzt, wo seine Studien beendet seien, heimkehre und dem Vater einen Theil der Last abnehme. Sie erzählte ihm, wie sie der Mutter auf dem Sterbebette versprochen habe, Willy wieder ins Elternhaus zurückzuführen und bat ihn so innig und rührend doch ihren Wunsch zu erfüllen, daß Willy Thränen in den Augen standen, als er sagte: „Es ist zu spät, meine Anny. Ich passe nicht mehr in Euer Haus und bin wahrlich der Liebe nicht nicht würdig, die Ihr an mich verschwendet. Ich brächte es nicht mehr fertig, nach den engen und strengen Gesetzen des Judenthums zu leben und ich will auch Euch kein Aergerntß mit meinem Leben bereiten. Lasse mich, wo ich bin; ich will versprechen, Euch hie und da zu schreiben." „Das ist mir nicht genug. Ich meine, Du hättest auch Pflichten gegen uns und nicht nur solche gegen Dich zu erfüllen." sagte jetzt Anny ernst. „Gewiß," erwtederte Willy „und ich bin sicher der Letzte, der sich diesen Verpflichtungen zu entziehen gedenkt. Aber ich habe auch hier Verpflichtungen einzulösen und ich will überlegen, wie ich beiden am besten gerecht werden kann. Ich kann mich so rasch darüber nicht entscheiden und werde Dir darüber schreiben." (Fortsetzung folgt.) Der „I - r a e l i t" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Dvchhandrl pt brztrhr» bei E. $. 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Münz (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Dortmund. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Hamburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland. — Vermischtes. — Literarisches. ) Pädagog. Beilage. Berantworüiche Redactton: Oscar Lehmann in Mainz. — Cxpeditton de« „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actten-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.