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Der Israelit · 1895-02-07 · Heft 11 (7.2.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 11 (7.2.1895)
Date
1895-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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207 „Wer ist eigentlich diese Fanny, derer Du schon einige Male erwähnt hast? Das ist wohl eine neue Erscheinung in Eurem Hause." „O nein," antwortete Anny. „Fanny Apolandt ist fast so lange bei uns als Du uns verlassen hast. Sie ist uns eine Stütze in schwerer Zeit gewesen; die selige Mutter hatte sie gerne und ich möchte sie wie eine liebe Freundin, wie eine Schwester betrachten. Sie ist beim Vater zu Hause und ohne sie hätte ich, da ich den Vater nicht allein lasse, die Reise zu Dir nicht unternehmen können." „So bist Du ganz allein gereist?" „Ja." UUnd wie findest Du Dich in Berlin, der fremden und großen Stadt zurecht? Wo wohnst Du?" „O, ich habe einen großen und lieben Cavalier und Führer in Herrn von Gilsa gefunden." „So, so, diesen Herrn. Ich habe ihn verschiedentlich gesehen; er ist mir nicht sehr sympathisch." „Er ist ein prächtiger Mensch, PapaS liebster Freund. Bieder und treu, offen und ehrlich und zu jedem Dienste gerne bereit. Er bedauert es, daß Du einen Verkehr mit ihm fast unmöglich gemacht hast, da er Dir jedenfalls schon'hätte nützen können." „Ich möchte ihm nicht zuZ.Dank verpflichtet sein. Doch Du hast mir noch" nicht gesagt, wo Du wohnst." „Ich habe ein Zimmer im Central-Hotel genommen, hoffe aber, lnß. ich/morgen, spätestens übermorgen in Deiner Begleitung nach Hause reisen kann, denn Papa bedarf meiner, und Willy, er bedarf auch Deiner Hilfe." „Auf mich kannst Du nicht rechnen. Ich habe Dir ja schon gesagt, ichLbtn'hier»gebunden und so leicht lassen sich meine Angelegenheiten hier nicht regeln. Außerdem paffe ich nicht mehr zu Euch und würde nur Verdruß in Euren gemüthlichen häuslichen Kreis bringen. Es ist deßhalb besser, ich bleibe hier, wir bleiben getrennt und Ihr vergesset, daß ich einst in Eurer Mitte war." „Wohin denkst Du, Willy? Dann Mite ich auch ruhig zu Hause bleiben können. Im Gegentheil, ich hoffe, es wird wieder wie früher, wie zur Zeit, als wir noch Kinder waren und Du auf Papas, ich auf dem Schooße der seligen Mutter saß, um zuzuhören, wie unsere Eltern 'fich^ über auch uns tnteressirende Dinge unterhielten. Denkst Du noch ^der Freitagabende, mein Willy? Wie glänzten unsere Augen, wie flammten unsere Wangen und wie laut ertönten ^unsere kindlichen Stimmen, wenn das. Lied gesungen wurde jaum schabbas kaudesch hu. O, Willy, Du warst lange nicht bei uns;! Versuche es nur noch einmal! Du wirst zufrieden und glücklich ^werden." Willy fuhr mit der Hand über die Augen. Vor seinem Gelfte.i.ftanden ^jene ^glücklichen Tage, die er als Kind verlebt, da er^ streng gläubig sein höchstes Glück darin sah "in der Gotteslehre zu forschen und alle ihre Gebote aufs gewiffenhafefte zu erfüllen. MSie war entschwunden, jene Zeit und ihr Glück war mit dahin. Für ihn war dreses Glück verloren/. verlorenMr immer. Wie ein thörichter Knabe hatte er selbst den Tempel seines Glückes zerstört und sich aus seinem Zauberkreise verbannt. Er war schon zu weit von dem Heiligthume entfernt, in welches Anny ihn wieder einführen wollte. Auf dem Wege, den er wandelte, gab es kein, zurück mehr und mit Grausen erkannte er, daß cs^zu spät war. Deßhalb sagte er auch: „Quäle mich >tcht,z Anny, mit Dingen, die ich längst verscherzt habe, die für mich unmöglich geworden sind. Es ist zu spät zu einer Umkehr. —" »Zulspät, zu spät! Gott^bewahre^daß es zu spät'wäre. Oder^ .solltest ^Du — Willy, i Willy, nein^ das ist nicht möglich — sag nur das eine Wort, Willy — ist es zu spät — bist Du — getauft?" „Nein, noch bin ich es nicht; aber —" „Gott sei^Dank;zso.tst esMch noch nicht^'zu spät. So lange Du den einigeinztgen Gott noch nicht verleugnet hast, gehörst Du.noch zu uns und keine Macht der Erde^soll Dich entreißen. Du bist ein Jude und sollst es auch bleiben und Du wirst im Judenthum Glück und Ehre und" alles das finden, was Dir als Apostat sicher versagt wird." Hier wurde Anny unterbrochen. Das Dienstmädchen klopfte an die Thüre, und als der junge Mann „Herein" rief, trat sie ein und sagte: „Einen Gruß von der gnädigen Frau Baronin, Herr Dr. und das Mittagessen ist servtrt." Anny sah ihren Bruder fragend an, und alS er schwieg fragte sie: „Sind denn Deine Hausleute Juden?" „Nein." "llnd doch issest Du bei denselben? Willy, Du issest trefa? Nein, komm mit mir, Willy. Wir wollen gute unserem Gesetze nach erlaubte Speisen genießen und weiter von Dir sprechen. Nicht wahr. Du issest mit mir." Willy konnte nicht anders als ja sagen. Er schellte und ließ sich durch das Mädchenz bet der Baronin entschuldigen, da er heute Mittag mit seiner Schwester speise. Greta von Toussaint war ärgerlich über sich selbst. Sie hatte die Geschwister trennen wollen, und wie es schien, hatte sie gerade das Gegentheil erreicht. Willy speiste mit derselben in einem Restaurant und sie konnte ungestört ihn ihr entfremden. Wenn ^.ste auchMtlly.für treu und charakterfest

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