Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1895)
- Date
- 1895-02-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Krauten Heilung bringen. Mir ist es heute am 22._ Januar möglich ohne jeden Uebermantel meine Spaziergänge kzu machen. Seit Mitte vor. Jahres ist hier unter Protection einiger hervorragender Londoner Glaubensgenossen ein jüd. Boardinghouse eröffnet worden, das selbst hochgestellten relig. Ansprüchen genügen kann. Die Zimmer sind geräumig, bequem und hochelegant. — Die Kost vorzüglich zubereitet und reichlich. Das Fleisch wird von den unter dem ^Chief Rabbi stehenden Londoner Fleischern täglich frisch bezogen. — Das Hau« selbst bietet jederlei BequemlichkeitI und Luxus. Die Wirthe find sehr entgegenkommend und aufmerksam^ und last-not |least die Preise sindH mäßig, was umsomehr Anziehungspunkt sein dürfte. Als Beweis dafür, datz eS auch hochgestellten Ansprüchen genügen kann, dürfte dienen, daß sich eine vornehme jüd. strengrel. deutsche Familie während deS ganzen Winters hier aufhalt und das HauS sehr lobt. U Aus Vorstehendem werden Sie, geehrter Herr Redacteur, ersehen, datz es wirklich empfehlenSwerth ist ein derartiges jüd. Etablissement bekannt zu machen. DielVerbindung vom Continent ist sehr bequem, da man sowohl die Londoner Routen als auch die Dampferlinien via Southhampton benutzen kann. — s« Ich hoffe Ihnen'; demnächst Hochbeiniges Jntressante über englisch-jüdischeZVerhältnisse mittheilen zu^können- > Vermischtes. *3- Dem Stadtrabbiner Dr. Adolf Lewin in Ffreibnrg ist vom Großh.? Overraths derLJSraeliten aus Idem Vermächtnisse der Michel Weil'schen Eheleute in Stratzburg in Würdigung seiner geschichtlichen und apologetischen Schriften ein Preis von 320 Mark zuerkannt worden. H Die in Frage stehenden Schriften sind folgende: .Juden in Freiburg" (1891); .daS^Judenthum und die Nichtjuden. Eine Darstellung der Entwickelung und des LehrinhalteS des JudenthumS in seiner universellen sBedeutung" - (1891):' „bet ewige Jude. Von Alwin Dolfe" (l. und 2. ÄUst. 1891); .Geschichte, Geographie und Reiselitteratur" (in Winter und Wünsche'- Jüd. LitteraturZseit Abschluß deS Kanons, 1893). Sämmtlich im Verlag von ’ Qiqmunb Mayer in Trier erschienen und seiner Zeit ausführlich im .Israelit" besprochen. * 1 Burgpreppach.H Nur mit Wehmurh und aufrichtigem Bedauern können wir die Vorbereitungen zum Abzüge unseres hochverehrten Herrn Rabbiners Dr. H. ^Deutsch verfolgen. Während^einer achtjährigen segensreichen Thätig» feit, gleich ersprießlich für den ganzen Bezirk und geradezu aufopfernd für die seiner Aufsicht und Führung unterstellten Präparanden-Schule (Talmud Thora) hat er es verstanden, die Herzen Aller zu gewinnen; auch bei der Vorgesetzten Behörde und einer hohen kgl. Regierung erfreute sich Herr Dr. D. großer Gunst und seltener Anerkennung. Allezeit bereit mit Rath und Thal beizustehen war er unS ein echter Seelenhirte, der mit der WeiSheitTauch^den nöthigen Takt zu verbinden wußte, dessen geistreichen beredten Borträgen man nur mit Vergnügen lauschte. Möge dem edlen Manne auch.»in seinem neuen Wirkungskreis recht viel Glück beschieden sein. Wir werden ihm stets ein treues Gedenken bewahren. Sigmund Bl- Rakel, 23. Januar. Herr P. Barwald ist zum Stadtverordneten-Vorsteher gewählt^ worden. Altona, 29. Januar. Der Versicherungs-Direktor Karl Wolff, einer der Führer der hiesigen Antisemiten, ist wegen zahlreicher EautionS-Schwindeleien zu vier ^Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. StaniSlaa, 24. Januar. Unser Glaubensgenosse Herr Dr. A. Nimhin ist nahezu einstimmig zum hiesigen Bürgermeister gewählt worden. Auchtz der ^Vice-Bürgermeister ist Jude. Galouichi. Das ital. Ministerium deS Auswärtigen hat sich veranlaßt gesehen, dem hies. Rabd. Ottleng hi, der zugleich auch Director unserer Talmud-Thoraschule ist, für seine Bemühungen um die Förderung deS italienischen Sprachunterrichtes in der von ihm geleiteten Anstalt, seinen Dank in einem besonderen Decrete ausdrücken zu lassen. . ftettilleton. 4^5 Hur eine Tochter. A» Erzählung von H. Berger. 18.) (Alle Rechte Vorbehalten. „O, daß ich unwissendes Mädchen. Dir. dem Gelehrten predigen muß, Dir Sachen ins Gedächtnitz zurückrufen muß. die jedes Kind in Israel weiß, da sie unsere Weisen oft genug ausgesprochen haben. Wann erkennt man die wahre Gestalt, den wirklichen Charakter eines Menschen? Ir der Erregung, wenn die Leidenschaft die Maske der Vorsicht und Verstellung hinwegreibt, d. i. im Zorn und beim Spiel und wenn die Geisteskraft dieselbe nicht mehr Vorhalten kann, d. i. beim Wein. Jene besitzt weder die rechte Liebe zu Dir, noch har sie den Edelmuth, den wir bei den guten Menschen in jedem Reltgionsbekenntniß voraussetzen dürfen. Ich will sie nicht schmähen. Schön ist sie; sie mag auch geistreich und gebildet sein, aber gut ist sie nicht; sie hat kein gutes Herz und würde den Mann, dem sie ihre Hand reicht, unglücklich machen, selbst wenn er kein Jude wäre. Du aber bist Jude, Dir verbietet das Religionsgesetz die Ehe mit einer Nichtjüdin und ich hoffe, Du setzest Dich G. b. nicht so über unsere Reltqionsgesetze hinweg. —" „Ich beachte sie seit Jahren nicht mehr; sie hindern uns überall; wer heute zu Etwas kommen will, der muß diese alten eisernen Fesseln, die ihn in jeder freien Bewegung hindern, abstreifen." „O, sei still. Willy, laß mich die elende Phrase von der freien Bewegung nicht als Entschuldigung für Charakterlosigkeit hören. Der böse Trieb tst's, der in Dir geweckt wurde und dem Du Dich überlassen hast. Auf welchen Abgrund hat er Dich geführt, mein armer Willy!" Thränen des Mitleids erglänzten in ihren Augen. Jetzt erst wußte sie, was ihren Bruder so lange von der Heimath fern gehalten hatte, jetzt erst erkannte sie, daß es nicht leicht sein werde, den Verirrten auf den richtigen Weg zurückzubringen. Aber mit der Erkenntniß der großen Schwierigkeit wuchs auch ihr Muth und sie beschloß, alles daran zu setzen, um das ihrer seligen Mutter gegebene Versprechen zu halten. Willy war diese Wendung des Gesprächs unangenehm und er versuchte ein anderes Thema heranzuziehen.