Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1895)
- Date
- 1895-02-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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190 und*begierig zu folgen und die Menge wird nehmen von seinen Lippen und den Lippen seiner Schüler die Wahrheit, die ihm so lange entzogen worden ist. _H. H- Vermischtes ly Ntkolsbur-. so. Januar. Die slavischen Blätter unserer Provinz erzäylen folgenden Vorfall: DaS Domcapitel in Brünn besitzt im Dorfe Prizrenicz einen Meierhof, der schon seit Jahren an einen Juden verpachtet ist. Bor Kurzem ging nun der Pachtvertrag zu Ende, und da beeilte sich der Gemeinderath des benannten Dorfes, sich dem Domcapitel als Pachter des Meierhofes anzubieten und versprach er zugleich, um vierhundert Gulden mehr Pachtzins zu zahlen al» der Jude. Das Domcapitel erklärte jedoch, daß es mit seinem jüd. Pächter vollkommen zufrieden sei und daher gar nicht daran denke, ihn von dem Meierhose zu entfernen. Zyerrttletoa. *^5 Hur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. 17.) (Alle Rechte Vorbehalten. Anny erhob fich und machte eine Verbeugung vor der Dame, deren Namen sie noch nicht kannte. Sie sah ihr in das schöne Antlitz und ihr Blick blieb au ihren Augen haften. Einer Sekunde nur bedurfte es und fie wußte, daß sie eine Feindin vor stch habe, mit der sie um den Besitz des Bruders ringen und kämpfen müsse. „Wie ist Ihr werther Name," fragte Anny jetzt, „Willy vergaß ihn mir zu nennen." „Mein Name ist Greta von Toussaint," antwortete diese stolz und auch fie maß Anny, die ebenso schön war wie sie, mit stolzen, herausfordern, den Blicken. Sie kam ihr höchst ungelegen und fie beschloß, die Geschwister so rasch wie möglich zu entzweien. „Sind Sie geschäftlich hier?" fragte Greta jetzt in verletzendem Tone. „Wie man es nehmen will," erwiederte Anny; „mein Geschäft" — fie legte denselben Ton wie Greta auf dies Wort — „habe ich mit meinem Bruder allein abzumachen und es duldet nicht, daß ein Fremder dabei ist." „Ich bin keine Fremde für Willy." sagte Greta wichtig; „die Dame, die einst seinen Namen tragen wird als sein ehelich Gemahl darf auch wohl hören, waS er mit seiner — hahaha — Pflegeschwester zu verhandeln hat." Aunh stieg die Röthe des Zornes über dieses ftivole, beleidigende Lachen in’£ Antlitz; sie durchschaute ihre Gegnerin und bot ihr die Spitze. „Diese Dame," sagte fie, „dürfte alles hören, aber sicher find Sie diese Dame nicht!" „Ich bin es, nicht wahr, mein Willy," sagte sie stolz stch an diesen wendend. „Sage diesem Fräulein, daß ich Deine Braut bin." Willy schwieg; er nickte nur mit dem Kopfe. Gretas Benehmen erschien ihm unfein, widerlich. Der Schmerz in seinem Herzen fand keinen Wiederhall in ihrer Brust, und das empörte ihn. Anny jedoch merkte diese momentane Abneigung und fie wollte Nutzen daraus ziehen. „Er wird schon die richtige Antwort finden, wie er auch den richtigen Weg gefunden hat. —" „Lasset den Streit," unterbrach sie Willy; „die Verstorbene hat, obschon sie nicht meine Mutter war, wie eine solche an mir gehandelt und ich habe ihr mit Undank gelohnt-Echs ist nicht meine Schuld. Hätte ich Nachricht bekommen. —" „— Du hast vor der Operation einen Brief bekommen." „Ja, aber ich dachte und man redete es mir ein" — auf Greta blickend — „es sei nicht so gefährlich." „— Und nach dem Verscheiden der seligen Mutter gab Fanny ein Telegramm an Dich auf." „Das habe ich niemals erhalten. Oder," er wandte stch an Greta, „hast Du ein solches Telegramm während meiner Abwesenheit erhalten und vergessen, mir abzugebeu?" Greta wurde über und über roth. Sie stotterte: „Ja, — nein — ich weiß nicht mehr, — es kann — es kann nicht sein." Jetzt wurde Willy ernstlich böse. „Was," rief er, „ein solches Telegramm kann gekommen sein und Du hattest es mir nicht gegeben, hättest es einfach unterschlagen?" Der Ton. in dem er jetzt mit Greta sprach, reizte diese noch mehr. Trotzig warf sie ihr Köpfchen zurück und sagte: „Wäge Deine Worte, Willy und denke mit wem Du sprichst. Ja, ein solches Telegramm, ich entsinne mich dessen ganz genau, habe ich für Dich in Empfang genommen und Dir vorenthalten. Wozu hätte ich es Dir geben sollen? Nach Deiner Aussage verband Dich nichts mehr mit diesen Leuten, selbst Deine Religion, welche auch die ihrige war, gabst Du auf und tratest, um durch Nichts an die Vergangenheit erinnert zu werden, in Egydis Gemeinde des vereinigten Christenthums. Wozu wolltest Du die Depesche haben? Dir unnütze Aufregung zu bereiten? Ich wollte fie Dir ersparen und habe die Depesche verbrannt." „Und damit einen Sohn fern gehalten, seine Mutter zu Grabe zu ttagen, sie zu betrauern, ihr die letzte Ehre zu erweisen," sagte Anny vorwurfsvoll. „Fräulein von Toussaint, Sie haben Unrecht gethan." „Ob ich Recht oder Unrecht gethau," erwiederte