Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1895)
- Date
- 1895-01-31
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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178 Cornill wörtlich — daß durch die ganze Gesetzgebung Israels, durch seine Thora, ein Zug der Humanität geht, der ganz hervorstechend und für fie recht eigentlich charakteristisch ist. Die prophetischen Schriften werden vom Redner etwas kürzer behandelt, weil bei den Propheten speciell das Dringen auf praetische Frömmigkeit und Menschenliebe bekannt und zugestanden ist, wieder Vortragende dies in seiner soeben erschienenen Schrift „der israelitische Prophettsmus" (welche wir demnächst in diesen Spalten näher besprechen wollen) ausführlich beleuchtete. In den poetischen Schriften weist nun der Herr Redner hin auf eine ganze Reihe von Kernsprüchen aus dem Buche der Svrüche und der Psalmen, welche immer und immer wieder die allgemeine Menschenliebe behandeln und als das höchste im Leben htnstellen. Und vor allem nennt und führt der Vortragende das Capitel 31 aus Hiob in seinem ganzen Wortlaute uns vor, welches er als das wahre „Hohelied der Humanität" bezeichnet und in welchem auch die Sklaverei schon im Prinzip völlig überwunden ist. Nach diesem Befunde der Bücher des alten Testaments, ergab sich als Resultat, daß die Humanität dem alten Testament in seiner Religion nicht nur nicht fremd ist, sondern daß vielmehr das alte Testament erst die wahre Humanität der Menschheit gebracht hat, da sich bei keinem andern Volke des Alterthums ähnliche herrliche Aussprüche und in ähnlicher Zahl Nachweisen lassen wie bei Israel in seinem A. T. und da wir bei der religiösen Bedingtheit der Humanität die wahre Humanität auch nur auf dem Boden der wahren Religion finden und zu finden erwarten dürfen. Die Zuhörerschaft — reichlich 800—900 Damen und Herren aus den besten Kreisen unserer Stadt und den verschiedenen Confesstonen zugehörig — folgte mit gespanntem Interesse und sichtlicher Befriedigung den, eine volle Stunde währenden Ausführungen des Herrn Professors und belohnte dieselben am Schluffe durch einmüthigen rauschenden Beifall. Der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Königsberg" hat demnach allen Grund mit dem Erfolge dieses feines Abends zufrieden zu sein: einen hervorragenden christlichen Theologen und in heutiger Zeit in dieser Weise von unserer heiligen Religion öffentllich sprechen zu hören — das ist ein wahrer Kiddusch Haschem! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 23. Januar. (Eine Broschüre des Abg. Dr. Bloch.) Abg. Dr. Bloch sendet uns eine in italienischer Sprache abgefaßte Broschüre, in welcher er sich an die Mitglieder der italienischen Deputirtenkammer wendet, um denselben das Schicksal der rumänischen Juden an's Herz zu legen. Im italienischen Parlamente haben nämlich im Dezember vorigen Jahres 250 Mitglieder der Kammer eine Motion eingebracht, welche den die Unabhängigkeit der gemeinsamen lateinischen Nationalität verthetdigenden Rumänen die Sympathien der italienischen Kammer ausspricht. Abg. Dr. Bloch verweist aus die Verfolgungen, denen die Juden in Rumänien ausgesetzi sind, er reproducirt das Promemorta, welches die Juden in Rumänien im März 1894 dem König Carol von Rumänien überreicht haben, und erhebt Namens der Menschlichkeit und Gerechtigkeit die Bitte an die parlamentarischen Vertreter des italienischen Volkes, der Noth und Bedrängnitz der rumänischen Juden nicht zu vergessen und an den Ausdruck ihrer Sympathien für die rumänische Nation die Forderung zu knüpfen, daß sich diese Nation der eigenen Unabhängigkeit würdig erweise, indem sie vorerst den eingeborenen Rumänen jüdischen Bekenntnisses Schutz und Recht widerfahren lasse. Vermischtes. Am 7. Januar d. I. feierte der Kantor Herr Bischofswerder mit seiner Ehegattin in Lissa die goldene Hochzeit. Der Jubilar hat mehr als 33 Jahre in dieser Gemeinde gewirkt. Am 1. Juli 1891 trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Landrath von Hellmann überreichte dem Paare nebst einem huldvollen Glückwunsch-Schreiben aus dem kaiserlichen Kabinet die Ehejubiläums-Medaille. Die städtischen Behörden entsandten die Herren Oberbürgermeister Herrmann und Stadtrath Jabubowski zur Beglückwünschung. Eine Deputation der Synagogen-Gemeinde überbrachte einen Becher mit angemessener Widmung. Möge dem greisen Paare ein freundlicher Lebensabend beschieden sein'. Anzeigen Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. S'lOAvkfywiÄ a. 9IL iyt. 3BS9BB3S lg. i*adf% od»c Nr. 9, S. 179/180 folgt erst hinter S. 184