Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1895)
- Date
- 1895-01-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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mit Bestimmtheit hervor, daß unser Weise von Fostat von den anderen Aerzten am Hofe hart bc drängt und angefeindet wurde. Maimuni zeigte sich aber durch Pflichttreue und Sachkenntniß des Vertrauens, welches man in ihn fetzte, im vollsten Maße würdig. Sein hoher Gönner, der Wesir Alfadfel, ließ ihn sogar in das Verzeichniß der Hofürzte aufnehmen und setzte ihm einen wahrscheinlich nicht unbedeutenden Jahresgehalt aus. Soladin. der edle, voruriheilsfreie Fürst hatte bereits früher einen jüdischen Leibarzt Rabbi Nathaniel, mit dem arabischen Namen Htbath Allah ibn Algami, an seinem Hofe. Es wird von diesem geschickten Arzte rühmend erzählt, daß er den Scheintod eines Mannes, den man eben begraben wollte, in sinnreicher Weise erkannte und ihn ins Leben zurückbrachte. MaimonideS war wohl auch mit diesem kenntnitzreichen Manne, der auch das Lehrhaus in Kairo leitete, befreundet. Wenn Soladin unfern Weisen nicht zu seinem eigentlichen Leibarzte ernannte, so mag dies seinen Grund darin haben, baß seine kriegerischen Unternehmungen nach außen und die politischen Streitigkeiten nach innen ihn am Ende seiner Regierung von seiner Residenz großentheilS fernhtelten. Sonst würde der edle Fürst sicherlich den großen Matmonides zum Nachfolger seines frühem jüdischen Leibarztes erwählt haben. Noch in einer andern Beziehung sollte unserm MaimonideS die Gunst des edlen Wesirs Alfadfel zu Statten kommen. Plötzlich und unerwartet, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, brach von neuem ein schweres Mißgeschick über Maimondes herein, derselbe Ibn Moischa, der Maimuni in Fes mit eigener Gefahr vor der Verfolgung der fanatischen Regierung in Schutz genommen und vom sicheren Lode gerettet hatte, war eines Tages (um 1187) nach Egypten gekommen. Sei es, daß in seiner religiösen Anschauung ein Umschwung sich vollzogen hatte, fei es, daß er MaimonideS in seiner Hetmath für einen muhamedanischen Gelehrten gehalten, der wegen seines Freisinns und muthtgen Auftretens für daS unterdrückte Menschenrecht der Israeliten verfolgt werde; genug seine ehemalige Güte verwandelte sich in brennenden Fanatismus, als er jetzt in Egypten MaimonideS in hervorragender Stellsng als religiöses Oberhaupt der Juden erblickte. Der muhamedantsche Theologe und Rechts- Kelehrte ttat mtt der Anklage auf, Matmonides sei dem JSlam abttünnig geworden und wegen seines Abfalles hart zu bestrafen. Diese Anklage würde für unfern Weisen die traurigsten Folgen auf sich gezogen haben, wenn nicht sein hoher Uöuurr, der Wesir Alfadfel in seiner Eigenschaft als Oberrichter die Angelegenheit selbst in Händen genommen hätte. Edel und tolerant wie seine ganze Gesinnung, war auch sein Richterspruch: die aufgezwungene Annahme einer Religion habe keine Verbindlichkeit und das Lossagen von derselben unterliege keiner Strafe.*) Fortsetzung folgt. HeitrragSirachrichtea und Correfpoudenzen Deutschland. Attenkirchen (Westerwald), 28. Jan. Bei dem heute hier stattgefundenen Bankett zu Ehren des Geburtsf.stes S. M. des deutschen Kaff.rs betheilrgten sich die dem Kriegerveretne angehöeigen zehn Israeliten. Die denselben gereichten Speisen wurden nach streng jüdischem Ritus zubereitet. Im Vorstand des hiesigen Kriegervereins befindet sich schon lange Jahre Herr Hirsch Abraham. Gtraßburg, 24. Januar. Heute haben die Studenten oer hiesigen Kaiser Wilhelms-Universität den schlagendsten Beweis geliefert, daß in ihrer Mitte von dem verderbenbringenden antisemitischen Racenhaß, der auf so vielen deutschen Universitäten zur Schande unseres neunzehnten Jahrhunderts täglich mehr und mehr um sich greift, keine Spur vorhanden ist. Heute Nachmittag um 2 x/2 Uhr veranstalteten der Studentenausschuß und die Vertreter der Corps und Verbindungen der Studentenschaft der Kaiser Wilhelms-Universität zur Huldigung des kaiserlichen Statthalters eine feierliche Auffahrt. Hierbei hielt ein jüdischer Student, der zugleich Vorsitzender des Studentenausschusses ist, Herr cand. phil. Cahn eine Ansprache, in welcher er der Huldigung der Studentenschaft und der Versicherung der Treue zu Kaiser und Reich Ausdruck gab und den kaiserlichen Statthalter bat, in gleicher Weise wie der jetzige Reichskanzler während seiner Amtsdauer der Studentenschaft der Kaiser Wilhelms- Universität sein Wohlwollen zu widmen. Der kaiserliche Statthalter dankte für die ihm dargebrachte Aufmerksamkeit und antwortete in längerer Rede zusttmmend. Der Empfang dauerte eine halbe Stunde. Mülhansen (Elsaß.) In seiner letzten Sitzung hat der hiesige Landwtrthschaftltche Kreisverein einstimmig beschlossen dem Herrn Levy-Z vt in Rixheim bei Mülhausen für seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete des Wein- und Beerenbaues ein Diplom zu stiften. 4) Alkifti am Schluffe seines Berichtes a. a. O. und mit ihm übereinstimmend berichtet Abulsaradsch Bar Hebraus (distoria ä^nastiarLum, ed. Pococke): Am Ende seines Lebens wurde er (M.) der Apostasie angeklagt und von Adfadfel freigesprochen. Orient 1846, S. 343 und '376. Bgl. auch Halberstamms hebräische Abhandlung «,im Jeschurun, 3. Jahrg., S. 29.