Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1895)
- Date
- 1895-01-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXVI. Jahr,«,,. Erste KeUage M M 9 -es Jlsraelit“. Leiterrder Artikel. MalmLidrs als mdhlnislhe MrMt. Von Dr. I. Münz (Fortsetzung.) Dte Gewissenhaftigkeit und Meisterschaft in der Ausübung seines Berufes, gepaart mit einer nicht gewöhnliche« medicinischen Gelehrsamkeit verschafften unserem Weisen allmählich einen ausgedehnten Ruf und eine bedeutende ärztliche Praxis. Endlich wurde man auch an hoher Stelle, am egypttschen Hofe auf ihn aufmerksam. In Egypten hatte sich nämlich in politischer Beziehung ein Umschwung vollzogen, der wie für die ganze Bevölkerung des Landes, so auch für dte Juden von günstiger Wirkung war. Das alters» schwache, morsche fattmitifche Chalifat wurde gestürzt und ein großer, mächtiger edler Fürst, So lad in, ergriff dte Zügel der Herrschaft über Egypten und Syrien (1171), Ordnung und Gerechtigkeit kehrte wieder in das zcrrüttcte und in Verfall gerathene Reich ein. Soladin, der in seinem Lande keinen consesstonellen Unterschied kannte, zeigte sich auch den Juden wohlwollend und geneigt. Ein schöner Charakterzug von seinem Edelmuth wird uns berichtet. Einst näherte sich ein Jude dem Sultan und wollte ihm seine Bitte vortragen. Saladin blieb stehen und hörte die Beschwerde an. Der Jude erzählte, er habe 20 Last Wein von Alexanderien nach dem Hafen von Alko eingeführt, dte Diener des Sultans hatten ihm aber den Wein entrissen und in dte Schatzkammer gebracht. Ihn habe man mit der Behauptung beruhigt, es erfolge diese Exemtion aus Soladins Befehl. Sofort ließ der Sultan dte Untersuchung etnleiten, und als dte gemachten Angaben sich bestätigten, so befahl er, dem Juden für den vollen Ersatz Schaden zu leisten. *) — Der Wesir dieses edlen Sultan wandte nun feine edle Gunst unserm Maimonides zu, der bis dahin bescheiden im Verborgenen wirkte. Dieser kluge, ausgezeichnete Mann, namens Alfadfel, schätzte Maimonides so sehr, daß er ihm seine vertrauteste Freundschaft schenkte und eine praktische Thätigkett am Hofe Saladins anwies. 1) Vergl. Weil, Gesch. der Chalifen III. Vd. S. 427. 2) Seine Beförderung durch Alfadfel bezeugt M. selber in seinem Schreiben an Jbn Aknin, welches wir weiter anführen. Dasselbe berichtet auch Maimuni'S Zeitgenoffe, der Wesir und Schriftsteller Alkifti in f. Werke Bibliothek d. arabischen Philosophen, mitgetheilt von Castri Bibliotheca arafoioo hispana I. l. 294. Vergl. auch Grätz Bd. 6 S 329 Anmerk. Eifersucht und Neid suchten ihn bald von dieser ehrenvollen Stelle zu verdränge» und ließen ihn zu einem ruhigen Genüsse seiner Thätigkett nicht kommen. Die dichtende Sage weiß manche schau» rige, echt orientalische Geschichte von den Jntrigue« und dem Haffe der muhamedanischen Aerzte gegen unfern Maimonides zu erzählen. Eine dieser Sagen möge hier angeführt werden. Die arabischen Aerzte des Hofes ließen fich oft in Gegenwart des Sultans mit Maimonides in gelehrte Disputationen ein, um ihn in Verlegenheit zu bringen. Maimodes aber verstand es, nicht nur durch die treffendsten Antworten seine Gegner zu beschämen, sondern auch in schwierigen Krankheitsfällen seine Ueberlegenheit ihnen fühlbar zu machen. Eines Tages — so erzählt die Sage — machten die Aerzte den seltsamen Vorschlag, Maimonides möge ein von ihnen bereitetes Gift einnehmen und durch seine eigene Heilung einen Beweis von seiner so vielgepriesenen Heilkunde geben. Maimonides, der stch nicht anderaus der Schlinge dieser ehrgeizigen Männer befreien konnte, ging auf diesen Vorschlag ein, stellte es aber zur Bedingung, daß gleichzeitig mit ihm auch seine liebenswürdigen College« einen von ihm bereiteten Giftbecher leeren müßten. Der ganze Hof und viele Große deS Reiches versammelten stch, um diesem seltsamen Schauspiele beizuwohaeu. Maimunk trank den Giftbecher; aber seine GestchtSzüge blieben unverändert und seine Gesundheit litt zum Erstaunen aller nicht im geringsten. Der geschickte, kluge Mann hatte sich zuvor durch ein Gegenmittel vor der schädlichen Wirkung verwahrt. Seine böswilligen Feinde hingegen leerte« den Giftbecher und starben eines elenden Todes. *) Nach einer andern Sage soll Maimonides, um den Anfeindungen der Aerzte zu entgehen, tn einer Höhle 10 Jahre lang gelebt haben und während dieser Zeit fein großes RöltgtouSwerk, Mischne Thora verfaßt haben. Man mag über diesen Sagenkreis, mit dem die Nachwelt den Arzt Maimonides umgeben hat, denken, wie man will, so viel geht aus demselben 3) Ueber diese Sage vergl. Salschelot Kabbala. Zs« einer medicinischen Abhandlung über die Geheimnisse der Alchemie, die unserm Maimonides fälschlich zugeschrirben wird, ist am Schluffe von einem sichern Gegengifte die Aede, „Dieses Medicament", heißt es dort „habe ich auf Befehl des Herrn stets in Bereitschaft, und ich habe eS an mir selber erprobt, als die Aerzte mir Gift gaben und alS ich dies dem erhabenen Fürsten mittheilte, so war diedie Veranlassung seiner Gunst." (Steinschneider, zur Pseudepigraphischen Literatur S. 26). Man sieht, in welchem Zusammenhang dieses Falsifikat mit der angeführten Sage steht und Wik das eine aus dem andern hervorgegangen ist.