Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1895)
- Date
- 1895-01-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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165 land" die Streiche der Birnbaumer Antisemiten in Schutz nimmt, darf übrigens nicht Wunder nehmen; erheiternd ist nur folgende Schlutzwendung des Antisemitenblattes; es heißt da: „Dem Herrn thut eine „Belehrung" noth über das Verhalten, das stch für einen städtischen Beamten in dem Verkehr mit den Bürgern ziemt. Eine solche „Belehrung" wird auf eine Beschwerde, die der Verein bei der Vorgesetzten Behörde eingebracht hat oder einbrtngen wird, sicherlich nicht ausbleiben." Sollten sich die Birnbaumer Gesinnungsgenossen des Dr. Förster, Ahlwardt und Böckcl wirklich zu einer Beschwerde versteigen. so wird allerdings eine „Belehrung" nicht ausbleiben, die die arroganten Beschwerdeführer nicht hinter den Spiegel stecken werden. M. Schildberg, 24. Jan. Durch die Auflösung der tsr. Elementarschule in Kosten ist der Lehrer Herr Singermann an die hiesige isr. Elementarschule versetzt worden. Diese Versetzung war für Herrn Singermann sehr unliebsamer Natur, da er hierdurch in seinem Einkommen bedeutend herabgesetzt wurde — in Kosten war er auch Cantor und Religionslehrer, — während wir alle Ursache haben uns mit der Versetzung des Herrn Stngermann zu freuen, da wir nicht allein einen tüchtigen Lehrer, sondern auch einen guten '-nw für die Erziehung unsrer Jugend gewonnen haben. Auf Veranlassung des Herrzi Rabbiners Dr. Bamberger wurde ihm auch ein Thetl des Religionsunterrichtes übertragen, dessen ungeachtet, erreicht sein hiesiges Einkommen noch nicht das zu Kosten. Vielleicht gelingt es dem Schulvorstande das Gehalt des Herrn Singermann aus der Schulkaffe mit Genehmigung der kgl. Regierung zu erhöhen. Chemnitz i. S., Eine der jüngsten Nummern des „Israelit", Ihres geschätzten Blattes, enthält eine Correspondenz aus Chemnitz in Sachsen. Eingangs des Artikels, in welchem besonders über Dresdener Verhältnisse gesprochen wird, ist auch unserer Chemnitzer Gemeinde ein scharfer Hieb zuertheilt. Im Interesse der Wahrheit und Aufklärung gestatte mir ergebenst von Folgendem in Ihrem geschätzten Blatte, welches auch hier in mehreren Exemplaren gelesen wird, gütigst Notiz nehmen zu wollen. „Mit dem Minjan ist es hierorts nicht so schlimm bestellt, jedenfalls nicht derart, daß ein Gemeindemitglied nach außerhalb reisen müßte, um seinen Jahrzeits-Kaddisch sagen zu können. Wir haben zwar kein ständiges Minjan an den Wochentagen, — es fehlen hier die vom Einsender anderen Orts gefundenen bezahlten Minjanleute, auch ist die Anzahl der Gemeindebeamten für ein pis nicht ausreichend, doch für seine Jähheit hat noch jedes Mitglied, selbst bei geringstem Interesse seinerseits stets pw gehabt. Schon seit mehreren Jahren findet in unserer Gemeinde an fast allen wichtigen Tagen Gottesdienst statt, so z. B. an nn two, D"nn, sämmtlichen mnHo- und mirn Tagen und war besonders an den letztgenannten Tagen stets ausreichend vorhanden. Der Einsender hätte also mehr mxo gethan, unser pw zu unterstützen, als durch seine, sich selbst nn«6 anrechnende, Reise man p meo zu sein! Wie die Verhältnisse im allgemeinen in neu entstandenen Gemeinden, in welchen die Mitglieder aus allen Gegenden und mit den verschiedensten religiösen Anschauungen sich zusammenfinden, sein werden, so ist es auch bei uns. Trotzdem aber ist ein weitgehendes Interesse für die religiösen Dtuge in unserer Gemeinde nicht zu verkennen. Unser Gottesdienst vollzieht sich vollkommen nach altem Ritus, ohne Orgel rc., so daß auch unseren orthodoxen Glaubensgenossen Rechnung getragen ist. Auch die Betheiligung beim Gottesdienste ist mindest eine befriedigende zu nennen. Bei der Stellung der Juden im Königreich Sachsen wird es uns wahrlich nicht leicht gemacht, als cbttivr zu leben und das Judenthum zu bethätigen! ES wäre aber nur zu wünschen, daß alle Gemeinden der Diaspora, bei ihnen auferlegten Prüfungen, stch die Treue zum Judenthume so bewahrten, wie es bet uns G. s. D. noch der Fall ist. Trotz des Verbotes der Turrw zählen wir noch eine große Anzahl Familien, die unter den schwierigsten Umständen und den größten Kosten einen rituellen Haushalt führen." Barme«, 23. Januar. Im großen Saale des Centralhotels hatten stch gestern Abend die Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde nahezu vollzählig zu einer größeren Festlichkeit vereinigt, deren Arrangement ein Damevcomltß übernommen hatte. Das Fest hatte den Zweck, neben lustiger Unterhaltung einen möglichst großen Ueberschuß zum Besten der Ausschmückung der zu erbauenden Synagoge zu erbringen, und so war denn dafür gesorgt worden, daß man sein Geld möglichst leicht los werden konnte, denn den jungen Damen und Kindern, die in Nationaltrachten der verschiedensten deutschen und orientalischen Volksstämme allerlei zierliche Sächelchen ausbotev, konnte man nicht gut einen Korb geben. Für die Unterhaltung der Festthetlnehmer war bestens gesorgt. Wie Herr Rabbiner Dr. Koch in seiner Ansprache bemerkte, dürfte das Fest einen glänzenden finanziellen Erfolg habe«, wozu wesentlich der Ertrag aus der von dem Damencomitö arrangirten Berloosung beigettagen hat. Mtt einem Hoch auf das Festcomilö insbesondere Frau Dr. Ollendorff, die in hervorragendster Weise