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Der Israelit · 1895-01-31 · Heft 9 (31.1.1895) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 9 (31.1.1895)
Date
1895-01-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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163 den Prophezeiungen des Propheten Chabakuk, den Gott Unrecht und Unglück schauen, auf Raub und Gewalt allenthalben stoßen und eine Zeit erleben ließ, in welcher die Schlechten die Kronen vertheil» len, und dem Propheten den Ausruf erpreßte: y-D nixio o’ry *rino „Du, dessen Augen zu rein sind, um Schlechtes zu schauen, dessen Blick Unrecht nicht ertragen kann, warum kannst Du die Treulosen schauen und schweigen, wenn der Bösewicht denjenigen verschlingt, der besser ist als er?" (Habakuk I, 13). Die Antwort, die dem Propheten geworden, und die ihn mit solch freudiger Zuversicht erfüllte, daß seine so düster einleitenden Worte in helles Jauchzen und lauten Jubel ausklingen, ist das Geheimntß des Propheten geblieben. Sie liegt in den drei Worten, welche den Kern der Prophezeiungen dieses Propheten bilden: jvrv vuidio „Der Gerechte lebt durch sein Vertrauen," das kein äußerer Erfolg irgend welcher roh zutappenden Gewalt schwankend machen kann. Wer dieses Vertrauen, diese felsenfeste Zuversicht auf Gottes Gerechtigkeit besitzt, für den ist es so sicher, daß auch dieses Räthsel seine Lösung hat, daß er keinen quälenden Zweifel deßhalb aufkommen läßt, weil er die Lösung des Räthsels nicht kennt. Wer dieses Vertrauen nicht besitzt, den starrt ein Lebensräthsel an, das denjenigen, den es beschäftigt, die Freude am Dasein vergällen und ihm das Streben nehmen kann durch Aneignung von Lebensmitteln das Leben fortzusetzen. Und doch setzt dieser nagende Zweifel, dieses rastlose Suchen nach einer Erklärung, welche die Erscheinungen des Lebens mit Gottes gerechter Weltlenkung in Einklang bringen möchte, die Ueberzeugung von Gottes Gerechtigkeit voraus und würdigt seine seltene Hingebung den Schlüssel dieses Räthsels zu erlangen. Aber er wird auch unserm fastenden Weisen nur, weil er ein Schüler des Rabbi Chanina den Dosa ist, dessen ganzen Leben, wie selten ein anderes, von dem rückhaltlosen, hingebungsvollen Gotioerttauen getragen wurde, welches verschiedene uns erhalten gebliebene Züge in glänzender Weise bekunden. Die Lösung des Räthsels aber lautet: Die rohe Gewalt trtumphirt über Israel nur, wenn Israel es an jenem Vertrauen auf Gott fehlen läßt. Wenn aber, wie in jener BefreiungSnacht das ganze Israel in seinem Opfer den Vorsatz bekundet, lammgleich seinem Hirten zu folgen, heiter seiner Führung selbst in Wüsten und Einöden mit Weib und Kind nachzugehen bereit ist, dann reckt, jetzt wie einst, gegen alle Kinder Israels kein Hund seine Zunge. Aber selbst wo brutale Rohheit ihre Orgien feiert und Israel mit ihrem Unrath überschüttet, ist dieser Triumph der rohen Gewalt das mächtige Mittel in Gottes Hand, Israel in seiner Macht- und Wehrlosigkeit zu Gott zurückzuführen und es zu veranlassen, aufs neue die Zeichen zu ergreifen, durch die aus Gottes Liebesnähe für alle Zeiten, und für die trüben am meisten, unverlierbar verbrieft ist: Thora. Tefillin und Mesusa. Thora zeigt uns Gott als Regler unseres Lebensgesetzes, Tefillin rufen uns mit unserem Denken und Thun in den Dienst unseres einzigen Herrn und Meisters und Mesusa garantirt uns den Schutz, mit dem Gott über unsere Häuser und Hütten schirmend wacht, sich so stärker erweisend als der feindliche Anprall, der sie zu zertrümmern droht. Das ist die Macht, mit der Gott Israel tu seiner Schwäche ausgerüstet hat, das sind die Zeichen, unter welchen wir siegreich alle Kämpfe und Verfolgungen überdauert haben. — Deßhalb haben wir, was die Frage selbst betrifft, warum uns Gott ein solches Geschick beschteden. nichts anders zu thun als diesem Zeichen treu zu bleiben und alles übrige dem anheim zu stellen, der sie uns gestiftet. Nicht durch Pochen auf unser verletztes Recht, nicht durch Vordrängen auf den Plan, auf den uns unsere Menschenrechte weisen, werden wir das Unrecht gegen uns mit Erfolg bekämpfen. Auch nicht durch Betonung dieses Rechts durch Schrift und Wort, werden wir die Anerkennung, die man uns so hartnäckig versagt, erlangen. Wir würden nur Oel in den Brand schütten, und nicht auf die Wogen wie wir glauben. Wir können ruhig zurücktreten und brauchen unsererseits kein Wort über das Unrecht zu verlieren, das an uns geübt wird. Unser Versuch der Rechtfertigung würde uns nur neue Gegnerschaft bringen. Für uns lautet, wie einst noch heute die Mahnung: airoff u» ny nn um Tin . irBJ rmo w v© -»an» ZeitrmgSnachrichrerr ttnb Corresporrdeuze«. Deutschland. Berlin, 22. Jan. Das Oberverwaltungsgericht hatte sich am 19. d. M. mit einem höchst wundersamen Fall von „praktischem Antisemitismus" zu beschäftigen. Ja Maffow (Pommern) haben sich die antisemitischen Elemente zusammengeschloffen und betrachten den Gastwirth Walter, in dessen Local sie ihre Versammlungen abhalten, als ihren „Vormann." Durch eine wilde Agitation war es ihnen gelungen, Walter's Wahl zum Stadtverordnete» durchzusetzen. Am 6. Jan. v. I. sollte nun der Erkorene der Antisemiten als Stadtverordnetereingeführt werden, blteb aber ohne Entschuldigung der

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