Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1895)
- Date
- 1895-01-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^^^'^^'^ffWWWMWW^WWWWWWWDWMWWWWWWWNWWDDD 154 dieser Zeit die Arzneikunde auS, um sich und den Setntgen den Lebensunterhalt zu verschaffen, und selbst dann, als er auf der Höhe des Ruhmes stand und zum religiösen Oberhaupte der egyptischen Juden ernannt wurde, setzte er, da er dieses Amt unentgeltlich verwaltete, seine ärztliche Praxis fort. Matmontdes war in seiner Praxis der rationellste Arzt, den es je im Mittelalter gegeben. Sein allgemeiner wissenschaftlicher Grundsatz war: man solle sich von nichts anderem, als von seiner geraden Vernunft leiten lassen; „die Augen sind vorwärts und nicht rückwärts."5) Und wie vielmehr mußte er hier auf dem Gebiete der Heilkunde, wo e8 sich um Leben und Gesundheit handelt und die strengste Gewissenhaftigkeit mit Recht gefordert wird, an diesem seinem Grundsatz festhalten. Unser Weise wich daher in seiner Heilmethode von den einheimischen arabischen Aerzten gar bedeutend ab. Wäh. rend die letzteren von astrologischen Jrrthümern sich leiten ließen und mit der Ausübung ihres Amtes eS nicht so ernst nahmen, blieb Matmonides frei von allen Borurthetlen und ging in seiner ärztlichen Praxis sehr vorsichtig und gewissenhaft zu Werke. Er verschrieb nie ein Recept, dessen Wirksamkeit er nicht zuvor selber erprobt hatte oder die er doch wenigstens durch Aussprüche von medieinischen Autoritäten belegen konnte. „Die Kunst der Medictu," sagte er einmal, „ist lang und schwierig für denjenigen, der gewissenhaft seine Pflicht erfüllen und keinen problematischen, unbegründeten Ausspruch thun will."6) Er war überhaupt ein Feind von den complicirten zusammengesetzten Medicamenten und schlug in seiner Heilmethode einen womöglich einfachen und natürlichen Weg ein. „Bet geringen Unpäßlichkeiten," das war seine medicinische Ueberzeugung, „langt die Natur schon ohne Beihilfe von Medicamenten aus, wenn man sich nur dtäiisch zweckmäßig verhält. Wo aber der Arzt eingreifcn mutz, da besteht seine eigentliche Aufgabe darin, die Kraft des Kranken zu stärken und die Natur in ihrer Wirksamkeit zu unterstützen. Die meisten Aerzte irren jedoch in der Behandlung, und, während sie die Natur zu stärken glauben, schwächen sie dieselbe und hindern sie in ihrer Thätigkeit.7 8) Viele körperliche Leiden führt unser Arzt auf sittliche und moralische Gebrechen zurück und läßt auch hier den Philosophen und Weltweisen überall durchblicken. Ethik und Diät hethtk stehen bei ihm in strengster Wechselwirkung und sind kaum von einander zu trennen?) Sehr b) Sendschreiben über Astrologie, Briefsammlung S. 26. 6) Brief an Jbn Aknin. 7) Diätetisches Sendschreiben für den Sultan Alof Dhal Tap. II. 8) Deot 4, 1. "1 omo n'ptt'i n’-d* nun firm bwn Nim snan ny’TD 121 jn> in tot upbn »n nrw ,Nin rmn. bezeichnend für (diese ideale Auffassung der Heilkunde nennt Maimonides den Lehrer der Ethik einen „Seel en a rzt." (Fortsetzung folgt.) ZeitrmgS»achrichte« und Corresporrdeuzen. Deutschland. Berit«, 20. Januar. Den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde ist soeben die „Ueberstcht des Haushaltes der jüdischen Gemeinde" zugegangen. Dieselbe balancirt in den Einnahmen und Ausgaben mit 3 630,102 MarkZ48 Pf.MDer Bestand am 30. März 1894 betrug 890.880 M., die Summe der Ueberschüsse (Ersparnisse) der verschiedenen Spezial-Verwaltungen insgesammt 105.975 M. Davon entfielen auf die Alte Synagoge 3896 M., die Neue Synagoge 2444 M., die Synagoge Lindenstratze 5866 M.. die Knabenschule 7304 M., die Mädchenschule 2579 M. die Reltgionsschule IV 1419 M., das Reichenheim'sche Waisenhaus 7515 M., das Siechenhaus 9289 M., die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches 3246 M., ldie Beerdigungsanstalt (incl. der Ueberschüsse der Friedhof-Verwaltung Schönhauser Allee) 61,773 M. Die Mitglieder Beiträge beziffern,sich auf 1,188,847 M.. hierzu kamen 33,306 M. :Effeklenzinsen, ferner 122,176 M. aus Grundstücken und der Vermiethung von Synagogenplätzen. An Kapitalien und Zinsen für Stiftungen sind 835,591 M., aus Erbbegräbnissen 363,134 M. eingegangen. Die Gehälter an Rabbiner, Vorbeter, Chordirtgenten.^Büreaubeamte und Nuntien erforderten 160,242 M., die Leistungen für humanitäre Institutionen und literarhistorische Zwecke 34,623 M. Für den ^Gottesdienst ^wurden verausgnbt: a) Alte Synagoge 32,116 M., b) Neue Synagoge 65.538 M., c) Synagoge dEKatserstraße 25,937 M. d) Synagoge Ltndenstraße 50,076 M., e) Zuschuß zu gottesdienstlichen Veranstaltungen an den hohen Feiertagen 13,676 M. Der Aufwand für die Schulen betrug: a) Knabenschule 73,702M. b) Mädchenschule 61,047 M., e) Religionsschule I 7250 M., d) Religionsschule II 7650 M., e) Religionsschule III 1233 M., t) Talmud Thora- Institut 11,250 M., g) Präparandenanstalt 6510 M. Die Ausgaben der Armenkommisston betrugen 72,425 M., die der Watsenkommtsston 37,500 M.; zu Unterstützungen an durchreisende und kranke Glaubensgenossen wurden verausgabt ll,9l2 M., für Reichenheim'sche Waisenhaus-43,425 M., für das Erziehungshaus in Pankow 44,126 M., für das Krankenhaus 64,440 M., für das Siechenhaus 31,250 M. für Speisung (Armer und Gefangener 1251 M., zu Mazzoth für Arme und Soldaten 7006 M. — Dem <Rechnungsabschluß (ist eine Chronik über die Beschlüsse der Gemeindeverwal-