Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1895)
- Date
- 1895-01-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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155 tungen im letzten Geschäftsjahre beigefügt, aus denen wir den Beschluß zur Bildung einer ^Kommission betreffs Fürsorge für entlassene Strafgefangene jüdischen Glaubens und für die Familien Jnhaftirter "hervorheben. Den Instituten und Zwecken der Gemeinden sind Schenkungen und Vermächtniffe im Gesammtbetrage von 934,500 M. zugewendet worden, davon 5000O0 M. Seitens des Herrn Moritz Mannheimer und Gattin zur Errichtung eines „Hospitals für Steche", welches auf dem Grundstücke Oranienburgerstr. 31 errichtet werden soll. Subventionen sind bewilligt worden an den Religionsverein in Charlottenburg, an die hiesigen Vereine Ahabatb Reim, Ahabat Schalom, Beth Zion,B'ne Brtth, Ohel Jtzchak, Bcth Jakob, sowie die L'ppmann Tauß-Synagoge, ferner an die David Herzog'sche Freitischstiftung, sowie an die israelitischen Kurhospitäler zu Ems, Franzensbad, Karlsbad, Kisstngen, Köntgsdorff, Kolberg, Marienbad, Soden, Teplitz und Warmbrunn. ArrS Baden. Nach dem Voranschläge der allgemeinen kirchlichen Bedürfnisse der isr. Religionsgemeinschaft des Großherzogthums Baden für die 4 Jahre 1895/98 betragen die in Aussicht genommenen Ausgaben die Summe von jährlich 28,212 M., die durch einen Kaffenvorrath von 750 M., durch Kapitalzinse von 1900 M. und durch zu erhebende Kirchensteuer von 25,562 M. gedeckt werden sollen. Der Steuerfuß beträgt 100 M. von den Kapitalrentensteuerkapitalten 4io Pfg., von Häuser-, Gefäll- und Gewerbsteuerkapitalten */io Pfg- und von den Einkommensteueranschlägen 8 Pfg. Am 22. k. M. wird die israelitische Synode gewählt und kurz nachher zusammentreten. vermischtes. Mainz, 25. Januar. (Unlieb verspätet.) Am versoffenen Chanuka veranstaltete die hiesige RhenuS-Loge ein Fest, bei welcher sechSunddreitzig Kinder mittelloser Eltern mit Speise, guter Winterkleidung, Schuhwerk rc. versehen wurden. Der Präsident der Loge, der ob seines milden Sinnes in allen Kreisen der Bevölkerung hochgeachtete Herr Rechtsanwalt Dr Lob, hat sich um das Zustandekommen dieses Wohlthätigkeitsaktes besondere Verdienste erworben.^_ _ Am Sonntag den 13. Januar feierte das Ehepaar Hirsch.Steinberg und Frau in Berlin die goldene Hochzeit. Verdenk« d.LA. Das Begräbniß des Herrn Aaron Lehmann, des ältesten Bruders von Rabbi Meir Lehmann, gestaltete sich zu einer imposanten Feier. Spitzen der Behörden, Adel, die Schützenkompagnie in Uniform, sowie die meisten Bürger der Stadt geleiteten die Leiche des verehrten Mannes, der nach allgemeinen Urtheil „keinen Feind besaß." Am Grabe verlieh Herr Lehrer BraunSberg der Trauer beredten Ausdruck und würdigte in schönen Worten die-Berdienste des. Dahingeschiedenen. Wolbeck b. Münster, 17. Januar. Am 15. df». Mt», wurde der jüdischen Dienstmagd Therese Landau im Dienste bei Herrn E- Hoffmann, Hierselbst eine seltene Ueberraschung zu Theil- Der Amtmann überreichte ihr im Beisein ihrer Herrschaft, für eine 42jährige, treue Dienstzeit ein Geschenk Ihrer Majestät der Kaiserin. Das Geschenk besteht in einer goldenen Brosche mit der Aufschrift „Für treu geleistete Dienste", darüber die königl. Krone. Pasewalk. Der hiesige konservative Verein, dessen Mitglieder mit ganz geringer Ausnahme Antisemiten waren, hat sich aufgelöst. Nach dem JahreS-Bericht de» Verein» Jeffode-ThoraS- Emes (nDN mm 'ID' mar?) zu MatterSdorf über da» Verwaltungs-Jahr 5654 hatte dieser Verein eine Ausgabe von 4128 fl., während die Einnahme 1000 fl. weniger betrug. Vor Kurzem wurde der Redakteur des polnisch-antisemitischen „Postep" in Bose« zu 20 Mark Geldstrafe verurtheilt, weil er eine Reklame von einem Bäckermeister au» Buck als „jüdischen Schwindel" bezeichnet hat. In Posen ist Justizrath Orgler wiederum einstimmig zum Stadtverordnelenvorsteher gewählt worden. Colberg. Dem einundzwanzigsten Jahresbericht über die Verwaltung des jüdischen Kurhospital» TINlEn H’3 im See-, Sool- und Moorbade Colberg im Jahre 1894 entnehmen wir: Die Einnahmen betragen 25317,04 M., die Ausgaben 110^2,48 M- Vom Ueberschutz sind 13000 M. dem Grundvermögen einverleibt. Vom 29. Mai bis 28. September dem Betriebe übergeben, haben von 648 Bittstellern 139 arme, aber würdige kranke Personen, und zwar 50 männlichen und 89 weiblichen Geschlechts, sämmtlich unentgeltlich Aufnahme gefunden und Obdach, kurgemätze Verpflegung, Bader, Arzneien und sonstige Kurmittel erhalten. Dazu gehörten £56 kränkliche, scrophulöse Kinder, deren Aufnahme zum Theil von Privatpersonen, zum überwiegend größten TheU von den Verwaltungen von Gemeinden, öffentlichen Verbänden, Vereinen,Krankenhäusern, Schulen, Ferienkolonien und Waisen- ErziehungSanstalten beantragt wurde. Die Zahl der Verpflegungstage für die Patienten betrug 4234 und für das besoldete Dienstpersonal 649, also im Ganzen 4883. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Pfleglinge des Hauses betrug etwa 30,5 Tage, bewegte sich jedoch im Einzelnen zwischen 15 und 64 Tagen. An Soolbädern wurden in der Badeanstalt des Hause» 2880, und zwar an unsere Pfleglinge 2208 und an 47 dem Hause nicht angehörige, unbemittelte Personen 672, — selbstverständlich ebenfalls unentgeltlich, — abgegeben. Außerdem wurden von unseren Pfleglingen in den städtischen Badeanstalten 766 See- und in der Herrn Tobias gehörigen Dr. Behrend'schen Badeanstalt 5 Moorbäder genommen. In den städtischtn Badeanstalten wurden für die Pfleglinge unseres Hauses sämmtliche Seebäder unentgeltlich abgegeben, wofür wir den städtischen Behörden hiermit pflichtschuldigst unfern tiefsten Dank zum Ausdruck bringen. Der zuverlässigste Gradmesser für die Kurerfolge unserer Pfleglinge ist und bleibt da» Ergebniß der Wägung, die regelmäßig beim Eintritt in die Anstalt und beim Austritt aus derselben m rgenommen wird. Im verflossenen Sommer haben von 139 Patienten 4 Personen an Körpergewicht verloren und 4 Personen haben weder zu-- noch abgenommen. Die übrigen 131 Personen haben zwischen 0,5 Kg., und 6 Kg„ durchschnittlich aber 2,349 Kilogramm an Körpergewicht zugrnommen. Mit dieser erstaunlichen Gewichtszunahme stimmt es auch überein, daß 87 Patienten vom Arzte als „geheilt", 52 als „gebessert" und kein einziger „ohne Erfolg" entlassen werden konnten. Moritz und Racheline Goldberger in Wien haben ein Kapital von sechstausend Gulden zur Prämiirung litterarischer