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Der Israelit · 1895-01-27 · Heft 8 (27.1.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 8 (27.1.1895)
Date
1895-01-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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151 früher mit seiner Frau, so unterhielt er stch in den Musestunden mit seiner Tochter und theilte ihr die Dinge mit, die ihn besonders erregten und beschäftigten. Von Willy war oftmals die Rede zwischen ihnen und der Anwalt hätte stch längst von ihm losgesagt und ihm seine Unterstützung entzogen, wenn Anny stch nicht stets für ihn verwendet hätte. Von dem jungen Manne, dem sie Auftrag gegeben, stch nach Willy zu erkundigen, hatte ste alles erfahren und auch gehört, daß Willy mit einem hohen Preise von der Fakultät für eine Arbeit ausgezeichnet worden sei, die schon seit Jahren gestellt, aber nie einen Bearbeiter gefunden hatte. Ste war glücklich damit und beschloß, da ihr Vater sich Vorwürfe machte, nicht selbst versucht zu haben, Willy auf den richtigen Weg zurückzubringen, nach Berlin zu reisen, um dort ihr Heil bet Willy zu versuchen. Aber immer und immer fand sich ein Hiaderniß, daß die Reise verschoben wurde und so ging die Zeit dahin und entfremdete ihr den Bruder, ohne daß ste es dachte. Die Zeit des Studiums war für Willy bald vorüber; er hatte sie gut angewendet und war der Stolz seiner Lehrer. Den Doktor donoris 6LU8L hatte ihm die juristische Fakultät mit seltener Einstimmigkeit für seine Arbeit verliehen, welche die Regierung auf den jungen Mann aufmerksam machte. Im Aufträge der Regierung theilte ihm sein Lehrer, als er auch fein Staatsexamen glänzend bestanden hatte, mit, daß er Aussicht hätte, eine glänzende Carriere zu machen, wenn er mit den Traditionen des alten Glaubens brechen und sich taufen lassen wolle. „Ich habe nicht nöthig, Ihnen zu sagen," sprach der Professor, „daß in keiner Weise ein Gewissenszwang auf Sie ausgeübt werden soll, aber ich meine, daß ein Mann von Ihrem Geiste und Ihren Fähigkeiten über dem Niveau der Alltäglichkeit steht, welcher man einen Reltgionswechsel als Cbaracterlosigkett auslegt." „Ich bin längst mit meinem Innern fertig," sagte Willy „und stehe auf dem Standpunkte, den Herr Egydi in seinem Vereinigten Christenthum einnimmt. Wir bedürfen weder der Taufe noch der Circumciston, um unsere Angehörigkeit zur ncuttt Gemeinde darzuthun. Wer nach dem Geiste des Herrn Egydi lebt, der gehört zu uns ohne Weiteres, und, Herr Professor, ich bin schon seit vier Jahren Mitglied dieser Gemeinde." Der Professor wiegte sein graues Haupt bedächtig hin und her, dann sagte er: „Ich habe davon gehört von diesem Sozialisten auf religiösem Gebiete, aber wenn ich aufrichtig sein soll, ist^mir ein orthodoxer Jude lieber als ein .solcher Muchrist. Er ist nichts Halbes und nichts Ganzes, denn niemals, das ist sicher, kann die Ethik an Stelle der Relgion treten. Damit haben Sie nichts gewonnen, höchstens vielleicht, daß Ihnen der letzte entscheidende Schritt erleichtert wird. „Es eilt ja nicht so sehr, aber wenn Sie sich dazu entschlossen haben und diesen Akt außerhalb Deutschlands vollziehen wollen, so theilen Sie es mir mit, ich glaube berechtigt zu sein, Ihnen die Stelle eines Legationssekretärs bei unserer Gesandtschaft in L. heute schon versprechen zu können." „Ich glaube nicht, Herr Professor," erwiederte Willy, „daß ich mich je dazu entschließen könnte, und wenn die Herren meinen Eintritt in die politische Laufbahn von der Taufe abhängig machen, werde ich derselben wohl fern bleiben." „Ste haben ja Zeit, stch die Sache zu überlegen," sprach der Professor stch erhebend; „ich würde mich freuen, wenn eine solche Kraft wie Ste ihre Dienste dem Staate und dem Vaterland weihen würde." Er reichte Willy die Hand und entließ denselben sehr freundlich. Als Willy nach Hause kam, erwartete ihn Greta von Toussaint schon an der Thüre. Sie war ein bildhübsches Mädchen und wußte sich auch so zu tragen und zu kleiden, daß ihre Schönheit stets zur Geltung kam. „Nun, mein Schatz, wie ist es Dir ergangen, was hat man von Dir gewollt?" Mit dieser Frage empfing ste ihn. „Man will mich Dir rauben," entgeguete er scherzend, „aber ich habe von vornherein abgesagt." „Wieso? Erzähle doch!" drängte Greta neugierig, und Wrlly that, wie sie verlangte. Greta sprang vor Freude im Zimmer umher uvd Mte: „Nun sind wir geborgen. Wenn ich Dich auch eine Z?tt lang entbehren muß, so ist doch &<& Bewußsetn für mich ein Trost, daß Du die erste Stufe der Leiter erklommen hast, die zur Höhe führt. Selbstverständlich hast Du in Alles eingewWgt und wirst Deinen Uebertritt zu uus und Ww Christenthum, sowie Deine Taufe so rasch wie möglich 'betreiben." „— Du irrst, Greta," entgegnete Willy, „ich habe mich dessen geweigert." „Ge—wei—gert?" Greta blieb mit offenem Munde vor ihm stehen und blickte ihn verständnißlos an. „So ein Narr wirst Du dvch nicht.^gewesen sein? Wenn man Dir den Weg zu Ruhm und Ehren öffnen und ebnen will, wirst Du Dir 'doch nicht selbst ein unüberwindliches Hindernis in den Weg fegen! Das wäre Wahnsinn, Tollheit. Gehörst Dü nicht schon Jahre lang zu uns? Warum

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