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Der Israelit · 1895-01-27 · Heft 8 (27.1.1895) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 8 (27.1.1895)
Date
1895-01-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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m guten Absichten zurück. Nach seiner Ansicht müßten wir stillschweigend' Schmutz auf unsere heil. Bücher werfen lassen, wir müßten uns den Satz gefallen lassen: Die Bibel gehört nicht in unser Culturleben! Ein Psalm durfte mit einem ho.azischen Gedicht überhaupt nicht verglichen werden, ein biblischer Charakter nicht mit einem geschichtlichen. Man dürfte diese außenliegenden Gegenstände gar nicht in den Bereich dieser Erwägungen ziehen, selbst wenn dadurch der höchste Lichtglanz auf die Bibel fällt und ihre Angreifer widerlegt werden; selbst wenn die Blbel nicht einen ihrer Gedanken verliert, höchstens die außenltegenden Gegenstände in ihrem Verhältnisse zur Schrift als ein Schatten, ein matter Abglanz des göttlichen Wortes erscheinen. Und daß dem so ist, habe ich in meinem Vortrage wörtlich ausgesprochen. Mein gcsammtes Wirken für das gesetzlStreue Judenthum, für die Belebung des Talmudstudiums, für die Erhaltung der Jugend überhrbt mich jeder Nothwendigkeit, hier etwas zu rechtfertigen; ich muß nur dem entgegentreten, was ich als verhängnißvollen Jrrthum ansehen muß und was uns in's Verderben führen müßte. Ich sagte Kohelet und Faust — das ist noch lange nicht „Thora und Aristoteles": denn letztere Zusammenstellung ist verhängnißvoll. Dennoch hat Maimonides sie thatsächlich vollzogen. Mein Gegenüber schreibt allerdings ganz harmlos, „ein solcher Vergleich würde im More Ncbuchim wohl nicht zu finden sein." Nun, daraufhin frage ich: Kennt er den Brief des R. Jebuda Alfachar? monpn ivvlevjnnn piro ,'vvirH nna nsto rrty nhdj DiSD nnwna rtvya tnpo K»snn^ rpn, und dazu halte er. wenn ihm dies nicht genügt, etwa More Nebuchim II. Th., Abschn. 25. Was heißt daS anderes, als daß der philosophische Beweis, dem Maimonides für die Deutung solcher Schrift- Verse maßgebend wäre, auf denen nach seinem eigenen Geständniß (ib. Kap. 27) die Grundlage des Judenthums beruht? Da bleibe ich lieber bei Kohelet und beim Kusari stehen, wo menschliches Grübeln als machtlos dem Gottesplane gegenüber und als unvereinbar mit dem Offenbarungsgedanken hingestellt wird. Maimonides hat bei Ihnen Recht, weil er Maimonides heißt? Nun, dann behalte ich doppelt und dreifach Recht, wenn ich auch nur Rosenthal heiße. Nun zur Unzulänglichkeit des Vergleichs. Wenn mir Herr N. N. im Hamlet Zweifel an dem Dasein eines Gottes zeigen will, so setze ich einen Preis darauf. Gott wird bei Shakespeare vorausgesetzt. Er zweifelt auch nicht einmal in to be or not to be im tiQtnen Namen an einem Jenseits; aber an der Welt und der Trefflichkeit des Menschen, wie des Menschenwirkens, an der Möglichkeit, Gedeihliches zu schaffen, zweifelt er, weil er einseitig grübelt und die Grübelei liebt. Und Faust hat die entschiedene Neigung, die Sehnsucht nach einem Glauben, hat Augenblicke, wo er davon überfallen wird — aber er verkennt sein Glück und seine Regung und kehrt wieder zum bloßen Vernünfteln zurück und dadurch findet er seine Befriedigung. In dieser Sehnsucht, die ihn zu Zeiten zu seinen Glaubensguellen zurückkehren läßt, ist, ob es Göthe wollte oder nicht, ob es sonst Jemand gemerkt hat oder nicht, der Werth und die Nothwend gkeit des Gottesgedankens, des Gottesglaubens und des Gotteswirkens ausgesprochen. Uid gerade der Gottgläubige müßte mir für diese Folgerung dankbar sein. Mag mir Herr N. N. seine Hamlet-Faust Auffassung nur im Einzelnen mittheilen, mag er meine Auffassung des Moreh für verfehlt Nachweisen, — ich werde ihm jederzeit wissenschaftlich gern antworten. Kommt er mir aber wieder mit jenen Andeutungen, die Nichts zu sein scheinen, doch etwas sein sollen, so werde ich das mit Stillschweigen übergehen und mich auch auf Weiteres nicht einlassen. Im wahren Kampfe für die Thora an, n« Rabbiner Dr. Rosenthal, Rogasen. Heuilleto«. 4^2 Uur eine Tochter. Erzählung von H. Berger. 14.) (Alle Rechte Vorbehalten. Die Zeit geht, unbekümmert um das Wohl und Wehe der Menschen vorwärts. Der Glückliche empfindet nichts von ihrem Fluge, nur den Unglücklichen drückt ihr langsamer Flügelschlag nieder und raubt ihm die Lust und die Liebe am Dasein. Der schlimmste Fluch, der den Menscheu treffen kann, ist deßhalb der, daß er sich die Zeit vorbeiwünscht, denn nur dem größten Unglück, der Verzweiflung, der Mulhlostgkeit ist ihr Lauf zu träge, sie selbst eine Qual. Dem Glücklichen schlägt keine Stunde; für ihn ist die Zeit zu rasch entflohen, weßhalb die Glückskinder auch mehr am irdischen Dasein hängen als die Armen, die Elenden, die Unglücklichen. Anny war seit dem Tode ihrer Mutter eine andere geworden. Die Freudigkeit der Jugend war von ihr gewichen und der Ernst des Lebens hatte sie mit eiserner Hand erfaßt. Sie war trotz ihrer Jugend ei« gereiftes Weib geworden und fand ihre Lebensaufgabe darin, dem Vater Stütze zu sein, daß er die Gattin nicht entbehre. Wie

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