Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1895)
- Date
- 1895-01-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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131 wenn wir den Wortlaut der Belegstellen in Mischle genau beachten: oj nnoi lautet derselbe. Wäre *nv ebenfalls von der Wurzel nn müßte es •TP lauten, jedenfalls mit 'n und nicht mit « geschrieben sein. Diese auffallende Wortbildung mochte wohl die Gewährsmänner Raschi's veranlaßt haben, dieses *or mit unnn als verwandt zu betrachten und beide ntm jwb zn erklären. Finden wir doch analoges im Talmud: Hzn (Nidda 17 a), wozu Nascht erklärt: -inv tihn. Die Wurzel nm bedeutet also auch: Schwäche, Magerkeit, winn nxh kann also nach Ansicht der Gewährsmänner Raschi's erklärt werden: Warum wollt ihr euch selbst mager machen, euch schwächen durch Hunger? tnv wn dj 'noi i'b nom, analog läßt sich auch erklären: Der Freigebige sättigt Andere, auch wenn er selbst schwach aus Hunger ist; auch wenn er selbst darbt, theilt er seinen Bissen mit Andern. Nascht kann also nicht 'nn ntöDjyöb anführen, weil nn mit nm nichts gemein hat, und auch in der angeführten Stelle ist sein Beweis nicht von rnnvi, sondern von: mr wn dj. — Dies scheint uns der einfache und wahre Sinn obiger Stelle zu sein. — Szilasch-B., im Tebeth 5655. Abraham Hirsch Klein, Bezirks-Rabbiner. Zeitungsnachrichten stufe Enrrespondeuzeu. Deutschland. Aus Baden. Berichte über die Resultate der im Jahre 1894 in Heidelberg vorgekommenen Leichenverbrennungcn paffen selbstverständlich nicht in eine jüdisch-religiöse Zeitung, namentlich nicht in eine solche von der Tendenz des Israelit. Wenn dieses aber dennoch geschieht, so soll nur die Wahrnehmung verzeichnet werden, in welcher bedauernswerther Stärke Juden (?) dabei betheiligt sind. Bon den 79 Verbrennungen gehören 55 der evangelischen. 16 der katholischen und achtder jüdischen Co nfes sio n an, und bilden diese also 10% der Verbrannten, während die Israeliten in Deutschland nur 1% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Diese bedauernswerthen Thatsachen haben jedenfalls vorzugsweise in der irrigen Meinung ihren Grund, diese Art der Bestattung sei eine religiös-erlaubte, welche noch dadurch verstärkt wird, daß es Geistliche giebt, welche die Leiche noch vorher einsegnen, — ja noch die rnnv als verpflichtend hinstellen. Hier wäre, wie überall bei Verirrungen, Belehrung nothwendig. Bei keiner Consession wählen Fromme diese Art der Leichenbestattung, und wir Israeliten brauchen deshalb nicht ängstlich zu sein, daß je einmal dieselbe zum Gesetze erhoben und die Beerdigung verboten wird. Auch bei deu Christen kommt das Leichenverbrennen nur bet einer verschwindenden Minderzahl vor. Ja, wenn bei den Juden allein die rmap üblich wäre, so hätte schon längst in der Schweiz eine Volksabstimmung auS sanitärem oder sonstigen Grunde die Beerdigung verboten. So aber können wir ruhig zusehen, wenn eine winzige Minorität von Menschen, aus Liebhaberei sich verbrennen läßt. L. E. Ans ©oben. In Bezug auf die bevorstehende Wahl zur Synode sind u. a. folgende Wünsche, die mit Recht vielseitig gehegt werden, besonders hervorzuheben: 1. Wir wollen das seitherige komplizierte Etnschätzungsversahren für die örtlichen Steuern aus verschiedenen Gründen beseitigt sehen, und zwar vollständig. 2. Wir wollen keine Klaffeneintheilung, denn diese ist sozusagen nur ein neuer Name für das alte System. 3. Wir wollen diesbezüglich nicht mehr und nicht weniger, als was die andern Badischen Staatsbürger haben, deren Kirchensteuer einzig und allein auf der Grundlage der staatlichen Veranlagung erhoben wird. Es ist daher wohl darauf zu achten, nur solche Männer zu wählen, welche zum Voraus versprechen, sie wollten dafür eintreten, daß diese Frage alsbald entgülttg geregelt werde. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten.) Dem eben erschienenen 53. Berichte dieses humanitären Vereines für das Veretnsjahr 1893 ist die betriibende Thatsache zu entnehmen, daß derselbe in Folge Aufhörens der Subvention des Baron Hirsch per 14.000 Gulden sich bemüßigt gesehen habe, die BereinSthättgkeit und damit auch die Aufnahme von Zöglingen namhaft zu reduciren. Der Stand der Letzteren ist demzufolge von 1198 im Vorjahre auf 795 zmückgegangen. Die wackere, um das Gedeihen des Vereines nach jeder Richtung hin bemühte Vereinsleitung richtet daher an die Glaubensgenossen einen warmen Appel um materielle Unterstützung, insbesondere apostrophirt werden die auswärtiger Cultusgemeinden, auS deren Mitte ja der allen größte Theil der Zöglinge, die in der Obhut und Verpflegung des Vereines stehen, fich recrulirt. Der Hinweis des übersichtlich gehaltenen und mit Sach- und Fachkenntniß gearbeiteten Jahresberichtes weist mit Recht auf den Umstand hin, daß der Budapester Bruderverein sich einer intensiveren und extensiveren Unterstützung und Förderung seitens der Glaubens-