Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1895)
- Date
- 1895-01-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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130 Maßen vertraut ist, der weiß, daß der angegebene zweite Grund überhaupt vollkommen hinfällig ist. die Gemeinde-Institutionen derart bestellt, daß ein aufrichtig gesetzestreuer Jehudi einen Gebrauch da¬ Der mehrfach erwähnte russische Rabbi hat sich einfach dupiren lasten und leistet dadurch den hiesigen irreligiösen Zuständen den größten Vorschub. Wir haben somit die unglaubliche, aber leider nur zu wahre Thatsache, daß ein angesehener, „ultra-orthodoxer" Rabbi, auf einseitige Aussage, ohne vorherige Untersuchung oder Anhören der zweiten Partei ein Urtheil von solcher Tragweite abgegeben, ein Urtheil, das eben nichts als die unglückliche Folge der Täuschung war, besten Opfer er geworden. Die Taktik, die hier auf dem Reltgionsgcbiete geübt wird, ist aber auch so fein und schlau, daß dieselbe selbst hier an Ort und Stelle von Wenigen durchschaut wird, wie solches übrigens bei dem herrschenden Jndifferentismus auch nicht anders zu erwarten ist. Am jüngsten rcn na» erklärte der Chief-Rabbi in seiner Predigt in der Hamstead- Synagogue, „daß der Gebrauch eines musikalischen „Instrumentes in der Synagoge am Sabbat und „den Feiertagen gesetzlich unstatthaft wäre und be- „gründete dieses in eingehender Weise. Auch die „Annahme, daß eine Orgel eine Anziehungskraft „habe und einen größeren Synagogenbesuch in „Aussicht stelle, sei irrig, es dauere dies gewöhnlich „nur so lange, als dieselbe gleichsam, wie ein Neun- „tagswunder erscheine. Dagegen würde eine solche „Neuerung die Gesetzestreuen aus ihrer Mitte „verdrängen. Man brauche nur einen Blick nach „dem Continent zu richten, um wahrzunehmen, wie „es dort die unglückliche Folge von Uneinigkeit und „Trennung im Judenthum geworden; es gäbe kaum „eine Stadt in Deutschland, woselbst mit der Etn- „führung der Orgel am rcw, nicht auch die Bildung „einer separaten orthodoxen Gemeinde stattgefunden „und diese beiden Gemeinden sich wie zwei fetnd- „liche Lager gegenüber ständen."-„Glücklicher Weise sei die Wunde, die die verschiedenen Richtungen hier in England geschlagen, wieder geheilt und repräsentiren wir hier eine geeinigte Front vor der Welt."- Und so ist es; der cr-,n, der von dem früheren hiesigen Rabbinate auf die hiesige Resormgemeinde gelegt worden, ist jetzt zurückgenommen und die alte Wunde somit wieder geheilt. So leben nun die Orthodoxen und gar Frommen mir den Reformern und Neologev in bester Eintracht, obgleich die Ersteren mit offenen Augen wahrnehmen, wie ihnen von den Letzteren der jüdische Grund und Boden immer mehr unter den Füßen hinweggezogen wird. Ein jeder weiß und steht es, daß Reverends, die öffentlich nar und wer weiß, was nicht noch alles sind, einen unjüdtschen, neologen Geist in die Synagogen und Schulen tragen und daß von nicht machen kann. Aber alles dieses berührt die Leute nicht, in ihren Augen erscheint die Gemeinde orthodox; dieselbe trägt ja ihr orthodoxes Schild zur Schau; ihr rechter Flügel hat keine Orgel am nar in ihrer Synagoge, wenngleich auch ihrem linken Flügel eine solche gestattet bleibt; kurz! unsere frommen Brüder hier sind zufrieden mit dem, was sie haben, trotzdem mehr als zwanzig Gedolim aus aller Herren Länder einen solch unerhört und haarsträubenden Zustand mit den schärfsten Worten in die Acht erklärten. Die Machsike-Hadas, die sich die Aufgabe gestellt, das ge. fährdete Heiligthum und Vätererbe hier zu retten und zu erhalten, hat daher unter außergewöhnlich schwierigen Verhältnissen zu kämpfen. Die Mitglieder derselben, deren große Mehrzahl der wenig bemittelten Klaffe angehören, haben sich der größten Opfer zu unterziehen und erhalten einen rrno n«*in, die erforderlichen o*önnp und das sonst nothwendtge Personal zu Erhaltung der riv'rw.Jlistttution, sowie eine kleine Talmud-Thora Schule, nebst ihrem «man rva. Ein ebenso hochwichtiges Institut wie die erst genannten, ein rituelles Bad fehlt uns noch und auch die Mittel dazu, ein solches zu errichten, und müssen wir uns vorerst mit den hier bestehenden Privat-mmpv begnügen. Wenn nun auch Hunderte noch zaudernd zusehen, so hoffen wir doch ->nN oipoo ohi.t6 -iop' nVam nn. Doch wir halten fest an dem Grundsatz: d1«? jn yatcr mpoa p’K nrn ^nntpn. Schwierige Kaschi-Stelle. In Nr. 102 v. I. dieser gesch. Blätter gibt der verehrte Herr Prtns eine Erklärung zur Raschi Gen. 42, i. 'vin nab tww 'nyav onn» 'vm .(.T3 n"> mv tu *nei \b nom ajna Dwina Ohne uns in eine Polemik mit dem hochgesch. Verfasser jenes Artikels einzulassen, wollen wir es versuchen, den Sinn obiger Stelle darzustellen. Zwei Schwierigkeiten sind es, welche in obiger Stelle uns entgegentreten. 1. Welchen Beweis liefert xnv wn tu 'noi dafür, daß yitt6 lxinn ist? Gerade das Gegenthetl ist der Fall! 2. Gesetzt rin wäre nach Raschis Auffassung von denjenigen Wurzelstämmen, welche entgegengesetzte Bedeutung haben, (wie rfcapm aron, o’oan t.q» erklären) bliebe es schwierig, warum Rascht nicht eine näherltegende Stelle anführt, etwa: rnvv ]Vüb 'ui min oder dgl.? Doch der richtige Sinn obiger Raschi-Stelle ergibt sich uns, meiner bescheidenen Ansicht nach,