Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-01-24 · Heft 7 (24.1.1895) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 7 (24.1.1895)
Date
1895-01-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448567--40073-2488969
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12« 4 Vermischtes. 4 Berlin, 8. Januar. In der am 6. stattgehabten Sitzung der Repräsentanten wurde die Versammlung um ihre Zustimmung zur Annahme einer Zuwendung ersucht, die in Höhe von 70,000 Mk. von Herrn Louis Aaron und seiner Ehegattin geh. Friedheim für daS neu zu errichtende Hospital (Siechenhaus) bestimmt ist. Die Schenkungsurkunde besagt, daß die Zinsen dieses Kapitals zur Pflege armer unheilbarer Kranken Verwendung finden sollen. Der hierfür bestimmte besondere Saal soll an der Eingangsthür eine Tafel mit der Inschrift tragen: Zum Andenken an unsere unvergeßliche Mutter Julie Friedheim geb. Baum. — Die Versammlung erklärt sich für die Annahme der Zuwendung, für welche die landesherrliche Genehmigung nachgesucht werden wird. Bertt«, 16. Januar. ES ist eine Thatsache, daß außer der sozialdemokratischen keine Partei die Umsturzvorlage so .fürchtet, wie die antisemitische. Das ging aus der Rede de- Abg. Liebermann v. Sonnenberg am 11. d. deutlich hervor. Er bekannte ganz offen, daß die Bestimmungen, die die Umsturzparteien treffen sollten, ganz sicher die Antisemiten treffen müßten. Er sagte u. A.: Darin stimme ich mit dem Herrn Abgeordneten Auer überein, daß wir Antisemiten recht schlecht wegkommen könnten, wenn § l30 Gesetz würde. Wir könnten z. B., wenn wir in Preußen die Thierquälerei des SchächtenS scharf tadeln, verurtheilt werden wegen Verhöhnung oder Beschimpfung einer gottesdienstlichen Handlung der Juden. Im Königreich Sachsen würde man uns deswegen nicht anklagen. Wir wünschen aber weder in Preußen noch in Sachsen verurtheilt zu werden. Bibli«, 19. Jan. In unserer Zeit, in welcher die Pflege des Thorastudiums DDitO so sehr im Abnehmen be- §riffen ist, wo überhaupt der Jndifferentismus allem spezifisch küdischen gegenüber überhand nimmt, ist es besonders Pflicht, eine jede gegentheilige Erscheinung nicht unerwähnt zu lassen, damit dieses Beispiel Nachahmung finde. Am hiesigen Platze besteht seit einer Reihe von Jahren ein Verein, Achawa, deffen Mitglieder sich die Ausgabe gestellt haben, ihre Thorakenntnis zu vervollkommen und zu erweitern. Zweimal wöchentlich versammeln sich die Vereinsmitglieder in einem dazu bestimmten Lokale, um dortselbst unter der Leitung eines Lehrers ’"t£H und ns’p zu lernen. Möchten doch allerorts solche Vereine sich bilden zu Nutz und Frommen der betreffenden Gemeinde und zum Heile des Gesammtjudenthums. B Lille. Einer der Veteranen der Nord-Armee aus dem deutsch-französischen Krieg ist dieser Tage gestorben, nämlich Oberst Jacob, welchem die Soldaten des Generals Faidherbe den Beinamen „Oberst Stelzfuß" gaben. Gustave Leon Jacob wurde 1832 in Paris geboren; er hatte gerade die ersten Chargen erlangt, als der Krimkrieg ausbrach: bei Sebastopol verlor er ein Bein. Für seine besondere Tapferkeit vor dem Feinde erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion und eine Anstellung im Steuerdienst. Die Niederlagen, welche die französische Armee im Jahre 1370 erlitten, gingen dem alten Militär sehr nahe und veranlatzten ihn, sich trotz seiner Invalidität zur Verfügung des Generals Farre zu stellen, welcher ihn zum Officier ernannte und ihm das Commando eines Regimentes der Mobilgarde übertrug. Nachdem er wacker die Campagne im Norden mitgemacht hatte — während welcher Zeit er auf jeden Gehalt zu Gunsten der Familien der Mobtlistrten Verzicht geleistet — trat er wieder in den Civildienst zurück, wurde zum Officier der Ehrenlegion und zum Finanzeinnehmer von Dünkirchen, später zum Generalschatzmeister des Departements der Creuse ernannt. Feuilleton. Nur eine Tächter. Erzählung von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten. Möchten doch jetzt die Herren die Thüre öffnen und gratulierend zu ihr und dem lieben Vater htntreten! Was sie gewünscht, das geschieht. Die Thüre wird geöffnet und Professor B. tritt in Begleitung der Aerzte heraus und sagt: „Wir gratultren Ihnen, Herr Dr.; die Operation ist wunderbar gelungen." „Und meine Frau ist gerettet? Sie wird genesen?" „Das, mein lieber Herr Doktor, kann Ihnen keiner versprechen. Das liegt in den Händen eines Höheren, gegen den unser Wissen und unsere Kunst nur Stückwerk ist." „Und darf ich jetzt hinein zur Mutter V fragte Anuy. „Nein, mein schönes Fräulein, noch nicht, aber in einer Stunde, wenn Ihre Mama aus dem Schlummer, in den sie jetzt gefallen ist, erwacht, dürfen Sie ihr gratulieren." Der Professor verabschiedete sich nun, und als sich auch die anderen Herren entfernt hatten, da konnte sich Anny nicht mehr halten; sie fiel ihrem Vater um den Hals, schluchzte — weinte und betete: „Großer Gott! ich danke Dir, daß Du die Operation hast gelingen lassen; o, sende auch noch weiter Deine Hilfe und Deinen Segen, daß mein Mütterchen ganz genese!" „Amen!" sagte der Vater und Amen tönte es von den Appen Fannys, die gerade eintrat, um Anny und ihren Vater zu beglückwünschen. Wohl war die Operation gelungen, aber die Kranke fühlte sich so schwach und hinfällig und sah so verändert aus, daß die Freude der Angehörigen verdrängt wurde und der Sorge weichen mußte. Sie wollte außer der Pflegerin niemand um sich haben und schlummerte stets so vor sich hin. Betrübt und weinend stand der Anwalt und seine Tochter vor ihrem Lager, sie kümmerte sich nicht darum, und als nach einigen Stunden der Arzt wiederkam, fand er eine Sterbende. Ec breitete den Anwalt und seine Tochter auf den Verlust, der sie treffen sollte, vor und verließ, selbst erschüttert von dem ungeheuren Schmerze des Anwalts und seiner Tochter das Haus, und versprach halbstündlich wiederzukommen. Die Kräfte der Kranken nahmen zusehends ab und Herr Dr. Pretorius schickte einen Diener

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.