Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-01-24 · Heft 7 (24.1.1895) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 7 (24.1.1895)
Date
1895-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448567--40072-2488968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mp M y!' -^y^BiÄ^p ■ ** ■ '• *■' &' »■«****?**!? 125 In Gwiuemüude hat der Geflügelzucht- und Thierfchutzverein einen Juden zum Vorsitzenden erwählt. Darob große Entrüstung unter den Antisemiten! „Bet der Stellung", schreibt ein antisemitisches Blatt, „die die Thierfchutzvereine in der Schächtfrage einnehmen und der Hartnäckigkeit, mit der die Juden an dieser Thierquäleret festhalten, ist es doch geradezu der reine Hohn, einen Juden zum Vorsitzenden eines Thierschutzvereins zu wählen." — Daß eine große Anzahl namhafter Gelehrter und Fachmänner das Schächten im Gegentheil für die humanste Todesart erklärt haben, wird von den Antisemiten grundsätzlich ignorirt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg. Am 6. d. M. fand hier die Wahl der 30 Wahlmänner behufs der vorzunehmenden definitiven Anstellung des Rabbiners und Predigers Dr. I. Caro statt. Von 300 stimmberechtigten Tempelfltzinhabern haben sich für diese hochwichtige Angelegenheit blos 36 interessirt und ihre Stimmen abgegeben. Wenn man die 30 Stimmen der nominirten Herren Wahlmänner, der 18 Herren Cultusvorsteher und Cultusräthe, der 5 Herren Tempel. Verwalter summirt, die in erster Reihe verpflichtet waren ihre Stimmen abzugeben, resultirt gar keine Privatbetheiligung. da dieses Z rhlenverhältnis beweist, daß sich auch viele der oberwähnten Herren absenttrt haben. Ob eine solche Abstimmung überhaupt als ein botirtes Vertrauen für die Herren Wahlmänner betrachtet werden kann, überlaffe ich dem Ehr- und Taktgefühle der gewählten Herren. So was Außerordentliches und Abnormes ist in unserer Großgemeinde noch nicht vorgekommen, und es gibt über deren Ursache viel zu denken Anlaß. Für jeden Fall, schreibt der „Lemb. Israelit", zeigt dieser tn Lethargie ausgeartcte Jndifferentismus, daß bei uns sehr traurige und ungesunde Zustände herrschen, denn eine solche eminent wichtige Frage, wie die eines geistlichen Oberhauptes, die sowohl für die Zukunft unserer Gemeinde als auch für die Gesammtjugend eine hohe Bedeutung hat, muß mit der größten Aufmerksamkeit und regsten Theilnahme aufs Gewissenhafteste behandelt werden. Rumänien. Bukarest. Die rumän. Grammatik des Dr. Tiktin tn Jassy ist — trotz der im Allgemeinen abholden Gesinnung des rumän. Staates für alle und jede geistige Thättgkeit der Juden — obligatorisch in allen rumänischen Schulen eingeführt worden. Dem Verfasser derselben wurde aber auch im Sommer vorigen Jahres vom rumänischen Unterrichtsministerium der ehrenvolle und für einen Juden und Fremden besonders schmeichelhafte Auftrag erthetlt, ein rumänisches Wörterbuch zu verfassen, welches auf Staatskosten herausgegeben werden soll, und hat Dr. Tiktin dieser Aufgabe sich unterzogen. Derselbe ist heute überhaupt der hervorragendste wissenschaftliche Kenner der rumänischen Sprache, welche er in Wort und Schrift, gleich seiner Muttersprache beherrscht und hat entschieden die berechtigte Anwartschaft auf einen Lehrstuhl dieser Sprache an einer Universität. Tiktin ist ein Bahnbrecher auf dem Gebiete der vergleichenden Sprachkunde in Beziehung auf romanische Sprachen und speziell die rumänische und hat durch seine in der Zeitschrift für rumänische Philologie und anderweitig veröffentlichten Abhandlungen und namentlich durch seine im Jahre 1884 bei Breitkopf und Härtel, Leipzig, erschienenen „Studien zur rumänischen Philologie" sich einen Ruf in der wissenschaftlichen Welt verschafft. Ueber den Lebenslauf des gedachten Gelehrten erfahren wir, daß derselbe in jungen Jahren von Breslau, seinem Hetmatsorte, nach Jassy gekommen ist und sich dort aus besonderer Vorliebe und mit eisernem Fleiße auf das Studium der rumänischen Sprache verlegt hat, welche er — der Deutsche — nunmehr derartig beherrscht, daß ihm kein Einziger der Autochthonen darin gleichkommt. Tiktin, welcher niemals eine Universität besucht, sondern sich durch Selbststudium zum Philologen herangebildet hat, wurde vor Jahresfrist als 42jähriger Mann von der Universität Leipzig in Folge seiner wissenschaftlichen Leistungen zum vr. philos. ernannt. Dr. Tiktin ist ein guter, warmfühlender Jude, also auch tn dieser Hinsicht ein würdiger Träger seines in der Geschichte des Judenthums wohlbekannten NamenS. Rußland. Petersburg, 16. Jan. Bet der Entscheidung einer Klagesache hat, den „Birfh. Wed." zufolge, der Dirigirende Senat in diesen Tagen eine für die Judenfrage wichtige Entscheidung gefällt. Die Gouvernements-Regierung von Bessarabien hatte zweien Juden, die einen weniger als 50 Werst von der Grenze entfernten Wald erworben hatten, das Recht abgesprochen, dieses ihr Besttzthum täglich, weil dieser Wald außerhalb eines städtischen Bezirkes läge, zu besuchen. Die Juden wurden klagbar und der Senat hat in Anbetracht dessen, daß den Juden unter gewissen Bedingungen sogar der ständige Aufenthalt innerhalb des Grenz-Rayons von 50 Werst gestattet ist und kein Gesetz ihnen den temporären Aufenthalt dort verbietet, die Verfügung der Gouvernements-Regierung für unrechtmäßig erkannt und kasstrt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.