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Der Israelit · 1895-01-24 · Heft 7 (24.1.1895) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 7 (24.1.1895)
Date
1895-01-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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124 schlusse an die Durchnahme der Synagoga magna die Synode erwähnt, nicht aber von deren Berathungsobjekten gesprochen habe. Im Jntereffe der Sache freue ich mich den Jrrthum einräumen zu dürfen. E. B. Karlsruhe i. B., 23. Januar. Die Wahlen der weltlichen Abgeordneten zur Synode sind, wie das soeben ausgegebene „Verordnungsblatt des Gr. Oberraths der Israeliten" mittheilt, auf F r e tt ag den 2 2. Februar d. I. festgesetzt. Zu wählen sind 20 Abgeordnete und doppelt soviel Ersatz, männer, deren Mandat für 3 Jahre gilt. Die Wahl ist geheim und direkt. — Gleichzeitig geht den Gemeinden auch der zur Vorlage an die Synode bestimmte Voranschlag des Etats der allgemeinen Bedürfniffe der israelitischen Religionsgemeinschaft für die Jahre 1895 bis 1898 zu, der gemäß Artikel 20 G. v. 18. Juni 1892 in den Gemeinden durch einen vollen Monat öffentlich auszuliegen hat. Nürnberg, im Januar. Herrn Ludwig Metzger, Inhaber der Firma S. Guldmann, Metallgroßhandlung dahier, wurde vom Prinzregenten von Bayern der Titel Commerzienrath verliehen. Wir gratuliren dem Herrn Metzger zu dieser Ehre, insbesondere, da derselbe gleichzeitig in den Vorstand der israelitischen Gemeinde gewählt wurde. — Endlich ist auch der Stadt Nürnberg die „große Ehre" zu Theil geworden, dcn „hervorragenden und berühmten Volksmann," den Rector a. D. und Antisemiten-Vertreter Ahlwardt in seinen Mauern zu beherbergen. Am 14. ds. entwickelte Ahlwardt in einer hiesigen Volksversammlung von etwa 2000 Personen sein Programm. Die in feinem Vortrage geäußerten Ansichten waren derartige, daß wohl bei den meisten Zuhörern der Zweifel aufstieg. ob man es hier mit einem normal denkenden Menschen zu thun habe. Der erste Theil seiner Rede war so gestaltet, daß derselbe einem „Umstürzler" in des Wortes schlimmster Bedeutung alle Ehre gemacht hätte. — Daß Ahlwardt sein social-revolutionäres Programm in den Vordergrund stellte, war schlau überlegt; wußte er doch, daß der größte Theil der in dieser antisemitischen Versammlung Anwesenden aus Socialdemokraten bestand, die er durch Vertheidigung und sogar Ueberbietung deren politischen Ansichten zu ködern und für sich einzunehmen suchte; doch war sein Liebesmühen vergebens. — Die Socialdemokraten protestirten mit aller Macht gegen einen derartigen Gesinnungsgenossen. Der zweite Theil der „bedeutsamen" Rede betraf natürlich die „Jndensrage." In diesem Thetle der Rede stellt Ahlwardt Behauptungen, die schon 1000 mal als lügenhaftes Geschwätz nachgewiesen sind, mit frecher Stirne von neuem auf. und es gkebt Leute, die ihm ohne Rücksicht darauf, ob das, was er behauptet, Lüge und gemeine Verleumdung ist, zujubeln. Nach Ahlwardt trat außer einem socialdemocratischen Redner, der die Behauptung Ahlwardt's, daß ein Unterschied zwischen jüdischem und christlichem Capital zu machen sei. als lächerlich nach- Wies, — ein Herr B. Münz auf, welcher mit einigen wuchtigen Keulenschlägen das baufällige Gebäude des Antisemitismus zertrümmerte. „Ein Mann, der stets auf sein Deutschthum pocht und imstande ist, den deutschen Richterstand in der schmählichsten Weise in den Schmutz zu ziehen, der imstande ist, die deutsche Reichsbank, das mustergilttgste Bank-Institut der Welt, an dessen Spitze nur christliche Beamte stehen, htnzustellen, als ob das eine Rotte von Betrügern wäre, ein solcher Mann dürfe nicht ernst genommen werden" rief der Redner aus Grund der von Ahlwardt in seinem Vortrage ausgestellten Behauptungen diesem zu. — Dem Ausspruch des Reformators Martin Luther, der sich in witziger Weise über die Juden ergeht, und den Ahlwardt als Beweis für die Verderbtheit der Juden anführte, stellte Herr Münz einen andern Ausspruch von Martin Luther entgegen, in welchem letzterer in Hinweis auf das Hetzen und Beschimpfen gegen die Juden, erklärte, daß er es einem Juden nicht verdenken könnte, wenn derselbe vor die Wahl gestellt, ein gewisses sich im Kothe wälzendes Thier oder solch ein hetzerischer Christ zu werden, es vorziehen würde, das elftere zu werden. — In derselben scharfen Weise unterzog Redner noch einige andere absurde Behauptungen Ahlwardt's einer scharfen, geißelnden Kritik. — Doch als den Antisemiten das Gewissen, soweit sie noch ein solches besitzen, gar zu heftig zu schlagen begann, erhoben sie ein wüstes Geschrei, so daß Herr Münz durch polizeiliche Auflösung der Versammlung am Wettersprechen leider verhindert wurde. — Es war ein schmähliches Fiasko, das Ahlwardt und die Nürnberger Antisemiten erlitten haben. — Nürnberg wird nie und nimmermehr ein geeigneter Nährboden für die Ahlwardt'sche Giftpflanze sein und niemals dazu beitragen, daß die Schmach dieses Jahrhunderts vergrößert werde. Welch einen schädlichen Einfluß der Antisemitismus auf den Charakter und das Gemüth feiner Anhänger ausübt, wird man sich bewußt, wenn man einmal Besucher einer antisemitischen Versammlung gewesen ist.

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