Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1895)
- Date
- 1895-01-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448567--40070-2488966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
123 Kolonisation Palästinas. Beide find sie schöne Ziele, und in letzterem haben sie Erfolge erzielt, haben vielen unserer unglücklichen russischen Glaubensbrüder geholfen, aber so segensreich diese Bestrebungen auch sind — als Mittel zu dem Zwecke sind sie zu verdammen. Hebräisch reden und Juden in Palästina ansiedeln, um als Ersatz für die Religion ein anderes Erinnerungszeichen für die ehemalige Existenz des jüd. Staates zu schaffen, ist verdammenswerth. Lasten Sie sich, mein l. Benjamin, also von dieser mit so grober Reklame in Scene gesetzten Tragödie, die in Wirklichkeit nur eine Komödie ist, nicht täuschen. Der Zionismus wird vielfach und oft grundverschieden beurtheilt, weil zwar ein Jeder in ihm den Wolf im Schafspelze wittert, ihn aber nur schwer erkennen kann. Er wird und kann keine Judenfrage lösen, weil die Juden, deren Väter spanischen Inquisitoren hohnlachten, nie ihre Religion für ein Narionalitätsgefühl etntauschen werden, well wir alle lieber Deutsche jüdischen Glaubens bleiben, die treu ihrem Glauben anhängen, als nichtjüdische Juden, die ihr Vaterland in Palästina haben, und in Deutschland volle Gleichberechtigung fordern. Der wahre Jude in Deutschland ist ein echter Deutscher,ein treuer Sohn seines deutschen Vaterlandes. aber der judenfresterische Deutsche, wie die Stammgäste von Plötzensee und des Hannoverischen Zuchthauses, ist cs nie gewesen, denn als solcher wird er für gleichberechtigte Mitbürger keine Ausnahmsgesetze beantragen, wenn sie auch, oder eben weil sie den Vorzug vor ihm haben, eine Religion zu besitzen und für sie zu fühlen. Der echte Jude, der Jahrhunderte lange in einem Lande gelebt, in ihm und für dasselbe geblutet hat, ist als sein Bürger zu stolz noch in einem langen Paragraphen zu versichern, daß er seine Bürgerpflichten erfüllen will, wir Juden bilden nur eine Reltgionsgenofsenschaft, lassen keinen Schritt breit von dieser angestammten Religion ab, sind aber im Uebrigen treue Bürger unseres Vaterlandes. Em dahin gehendes Versprechen muß nur ein Zionist abgeben, dessen Vaterland Palästina ist und der keine Religion hat. Gott allein kann aus der Religionsgemeinschaft eine andere machen; da dies aber außer dem Bereiche menschlicher Berechnung liegt, so ist und bleibt das Band aller Juden ihre Religion. Die Zionisten prahlen damit, daß sie den Antisemiten Angst einjagen, und doch ist nichts einfacher als das. Die Dummen denken, die Zionisten wären schon mit allen Juden Huckepack auf dem Wege nach Palästina und worüber soll dann die Kreuz- oder Staatsbürgerzeitung schreiben, wenn in Deutschland keine Juden mehr sind, und zu ständigen Berichterstattern in Jerusalem das Kleingeld nicht ausreicht. Die Klügeren wieder, erblicken darin einen Vorstoß gegen das Judenthum, ein Versuch zu dessen Auflösung, und worüber sollen dann die antisem. Hetzer Alarm blasen, wenn jeder Jude nur noch Gefühlsjude ist, aber sonst kein weiteres Merkmal eines solchen hat. Die Existenz der antisemitischen Blätter wie der Kanzel Ahlwardts außerhalb Plötzensee's ist auf das Vorhandensein von Juden mit jüdisch-religiösem Betenntniste gebaut, und da die Zionisten eben dies verschwinden machen wollen, so zittert diese Sippe für ihre Existenz. Aber tröstet euch, ihr undeutschen Judenfresser, noch lebt das Rationaljudenthum nur in Flugschriften und 4 Seiten — Wochenschriften; die Juden bleiben und ihr könnt drucken und schreiben, so lange, als es Narren geben wird, die das Geschreibsel lesen. Ist der Zionismus einmal durchschaut, und das ist er gottlob bereits, dann ist der Schlange der Gtftzahn ausgeriffen und ihre Bisse sind unschädlich. Nichts haben die Zionisten mit den Orthodoxen oder sonstigen reltgionStreuen Juden gemein, und auch mit den Antisemiten, die sie mit der Zionsriecherei indirekt unterstützen, nur das eine, daß sie aus der Sucht hervorzugehen, eben hervorgegangen sind. Wir Juden wollen solche Vertreter unserer d. h. ihrer eigenen Jntereffen nicht, uns ist unser Glauben heilig, den wir kennen und lieben und niemals für pal. Vaterlandsgefühle etntauschen wollen Dies sind die Gefühle aller rechtgesinnten Juden, die solch verkappten freireligiösen Bestrebungen nicht nur die Erziehung ihrer Jugend entziehen, sondern in geeigneter und verdienter Weise heimleuchten werden. Dies. l. Benjamin, sei auch Ihre Aufgabe, die sich ja Ihnen als Mensch-Jißroel selbst ergibt, spricht ja der unvergeßliche Ben-Usiel selbst in seinem 1. Briefe davon, daß „jenes frühere selbstständige Staatenleben ja auch nur Mittel zur Lösung seines geistigen Berufes war." O' möchten alle Juden in seinem Sinne das Judenthum zu schätzen wissen, dann hätte eine Zionisten-Partei zur Bekümmerniß aller Juden kaum je das Licht der Welt erblickt. Ihr Naphthali. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Karlsruhe i. B., 21. Januar. In meinem Artikel über die Badische Synode (Nr. 5) hieß es von einem Geistlichen, derselbe habe im Religionsunterricht über die Bedeutung der Synode gesprochen und als deren Verhandlungsgegenstände Reformen der Speise- und Sabbatgesetze bezeichnet. Der^betr. Herr theilt mir nunmehr mit, daß er zwar im An-