Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-01-21 · Heft 6 (21.1.1895) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 6 (21.1.1895)
Date
1895-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448566--40056-2488951
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

WWWWM 110 Me er in den 47 Jahren seiner segensreichen Lehrthätigkeit kein höheres Ziel kannte, als für die Ideale seines Lebens zu wirken, die Saat der Frömmigkeit in die Herzen der Jugend zu streuen, sie mit Liebe zur Thora und mit Begeisterung für ihren Glauben zu erfüllen; so kann es für ihn in den Gefilden der Seligen keine schönere Genugthuung geben, als wenn seine Schüler noch nach seinem Tode sich an seinem Beispiele begeistern und sein Vorbild ihnen voranleuchtet. Auf ihn findet dann Anwendung das Wort der heiligen Schrift: v'22122 0'3"in ‘pnaoi V'p*in nnna mir iw tb^yb. Die Lehrer werden leuchten wie der Glanz des Firmaments und die Biele zur Frömmigkeit angeleitet, wie die Sterne immer und ewig. '"izm RSdelheim, 11. Jan. Am Mittwoch beging die Krankenkaffe lediger Israeliten die Feier ihres 75 jährigen Jubiläums. Des Nachmittags um 4 Uhr wurde in der Synagoge ein FestgotteSdienst abgehalten, wobei Herr Rechtsanwalt Dr. N. Hirsch- Frankfurt a. M. einen glänzenden Vortrag über: „DaS Vereinswesen im jüdischen Gemeindeleben" hielt. Des Abends versammelten sich die Mitglieder deS Jubel-Vereins im Saale des „Schützenhofs," wo zu Ehren des Tages ein Festmahl abgehalten wurde. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Trient, im Dezember. Unsere Stadt, in der im 16. Jahrhundert das bekannte Tridentinische Concil stattgefunden, war schon seit Jahrhunderten unseren Glaubensbrüdern verschlossen, und erst in neuerer Zeit wurde es durch die Güte unseres erhabenen Monarchen, des Kaisers Franz Josef I., den Juden gestattet, sich hier anzustedeln. Jndeß haben bis jetzt nur wenig Israeliten von dieser Erlaubniß Gebrauch gemacht und unter denselben befindet sich auch ein gewisser LeopoldMantel, dem vor einigen Tagen ein Knabe geboren wurde. Da nun die nächste jüd. Gemeinde von hier Verona in Italien ist, so ließ Herr Mantel den dortigen Vice-Rabbiner Angelo Carpi zusammen mit dem dortigen Arzte und Operateur (Mohel) Dr. P in ch e rle hierher kommen, damit sie seinen Sohn in den Bund des Erzvaters Abraham aufnehmen sollen. Sogar ein Minjan kam bei dieser Gelegenheil zusammen, worüber die Eltern des Neugeborenen ungemein erfreut waren. > Vermischtes. 4- Prestbrrrg. Wie alljährlich hielt auch am jüngst vergangenen Chanukafeste der Verein rottf mNDn der hiesigen rO’lff’ seine JahreSsitzung ab. Gewählt wurden die Herren I. Etraßer aus Tab, K. Weber aus Mako, M. Preisler auS Debresin als D'N3J| und M. Friedmann aus Gr. Tapoktschan als Schriftführer. Der Verein besteht aus den hervorragenden und ausgezeichneten Jü 'gern der hiesigen Hochschule, und der Zweck desselben ist, daß wöchentlich Samstag nach dem Minchagebete ein Mitglied in dem eben gelernten "nj/’i# eine mSHiT' n&m abhalte. Nach der Wahl folgte ein Bankelt, welches eine wahre rTOD rmj/D in des Wortes edelster Bedeutung genannt werden kann; denn die dem Vereine angehörenden Talmudjünger brachten ihre Geistespcoduüe in den verschiedensten D"^n nrjiD hervor, wobei sich ein Pilpul entspann, der mit solchem Scharfsinn und solcher Richtigkeit geführt wurde, wie er nur bei DM'tDIO D'DDn >TQ?n anzntrcffen ist. Feuilleto». Nur eine Tochter. K» Erzählung von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalte«. Willy blickte von seiner Arbeit auf; er sah in das, in diesem Augenblick wunderbar schöne Antlitz Gretas und er lächelte seiner schönen Mahnerin verlegen zu. So weit, wie dieses Mädchen die Consequenzen zog, hatte er sie noch nicht gezogen und um zu prüfen, wie hoch ihr Ehrgeiz sich verflieg, fragte er leise: „Und wie hoch will mein Gretelein, daß ich fliege?" „Zur höchsten Höhe; allmächtiger Minister und Kanzler des Reichs!" „Halt ein, mir schwindelt, wenn ich nur daran denke. Das find Lustschlösser. —" „Die reale Gestalt annehmen, sobald Du willst. Und wer seine Hand nach Greta von Toussaint ausstrecken will, der muß wollen." Willy stand auf und stellte sich bewundernd vor die Geliebte. Sie verstand es, sein Herz zu fesseln und seinen Willen in die Bahnen zu lenken, die ihr die rechten erschienen. Er strich mit seiner weißen, schmalen Hand zitternd über ihr dunkelblondes Haar und drückte einen Kuß auf ihren Scheitel. Sie aber umschlang ihn mit beiden Armen und sagte: „Du ahnst, welches Glück Dir in meiner Liebe blüht. Aber ebenso sehr wie Dich meine Liebe beglücken kann, ebenso wird mein Haß Dich verfolgen und martern, wenn Du mich täuschest, wenn Deine Energie erlahmt, bevor das Ziel erreicht ist. Strebe vorwärts, vorwärts, aufwärts!" Willy war Sklave geworden; sie befahl ihm und er mußte gehorchen. Während so Willy auf einen Weg gedrängt wurde, der ihn ins Verderben führen mußte, und den er mit geschlossenen Augen dahinwandelte, sich der Führung einer ehrgeizigen Mädchenhand Liberi lassend, härmten und sorgten seine Pflegeeltern sich über ihn und konnten nicht begreifen, auf welche Weise

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.