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Der Israelit · 1895-01-21 · Heft 6 (21.1.1895) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 6 (21.1.1895)
Date
1895-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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109 hat seine Aufgabe von der idealsten Seite aufgefaßt und mit unbeschreiblicher Gewissenhaftigkeit, mit wahrem Opfermuthe widmete er sich der Ausbildung seiner Schüler. Um vier Uhr Morgens begann sein Tagewerk und bis in die tiefe Nacht hinein, ein Pause am Nachmittag abgerechnet, erstreckte sich seine Lehrtätigkeit. Um 5 Uhr Morgens mußte sich schon die höhere Klaffe seiner Schüler um ihn versammeln. Da wurde aber nicht, wie es sonst üblich, alles über einen Kamm geschoren und Groß und Klein nach einer Schablone unterrichtet. Nach dem der Grundsatz nyb -p:n •cn v'dv wurde vielmehr der Eigenart der Schüler, ihren Kenntnissen und Fähigkeiten Rechnung getragen und demgemäß wurden die Jeschibajünger in verschiedene Klaffen ekngetheilt. Der Unterricht war methodisch geregelt, neben rvvi, die den Hauptunterrtchtsgegenstand bildeten, wurden auch pv rvaafci nmn, oman und allwöchentlich die Sidra vbt, mit Raschi's Commentar vorgetragen. Diese Raschivorträge werden jedem Zuhörer unvergeßlich bleiben. In ihnen zeigte sich so recht die unerreichte Meisterschaft unseres Lehrers. Seine außerordentliche Belesenheit in den klassischen Kommentaren der h. Schrift ermöglichte es ihm, eine staunenswerthe Fülle von Belehrung bet dieser Gelegenheit seinen Schülern mitmthellen. Namentlich war es der Kommentar des den er zu jedem Verse der h. Schrift mit lichtvoller Klarheit ausetnandersetzte und dem Verständuiß seiner Schüler nahebrachte. Er folgte dabei dem Beispiel und der letzwilligen Anordnung seines großen Lehrers, des Chatham Sofer bux. Sinnige mjN nan, das Beste ausgesucht aus allen möglichen Werken der Deruschliteratur, Gehörtes und S-lbstgefundenes würzten diese Vorträge und machten sie zu einem geistigen Genuß, zu einem wahren Labsal für die empfänglichen, nach Wissen durstenden Gemüther der Jugend und erweckten in ihr begeisterte Liebe zur Thora. Wie gebannt durch den Zauber seiner Rede hing alles mit athemloser Spannung an seinem Munde und mochten diese Vorträge sich auch, wie gewöhnlich, stundenlang ausdehnen, so blieb doch die Aufmerksamkeit von Anfang bis zu Ende gefesselt. Sein Verhältniß zu seinem Lehrer bedarf noch einer besonderen Erwähnung. Wer jemals mit einem Schüler des Chatham Sofer zu verkehren Gelegenheit hatte, weiß, daß dieser Heros auf dem Gebiete des Talmud von s inen Schülern beispiellos verehrt wurde, daß sie noch Jahrzehnte nach seinem Tode mit grenzenloser Liebe und Anhängkett seiner gedachten. Dennoch können wir mit Recht behauvten und meine zahlreichen Collegkn werden e8 bestätigen, daß keiner seiner Schüler sich so in das Wesen seines Lehrers versenkt und eine solch schwärmerische Liebe für ihn gehegt Hai, wie unser Heimgegangener Rabbi. Er war das hehre Ideal seines Lebens, sein Muster und Vorbild in allen Fällen, in seiner religiösen und weltlichen Führung und mit peinlichster Treue und Gewissenhaftigkeit war er bestrebt feine nu?w» im praktischen Leben durchzuführen; genau wie is sein Lehrer gethan, wie der »sma am Ende seines nby rnrna von R. Moscke ben Maimon, so mochte er von R. Mosche Sofer sagen: pv'ri n* »a^ 121 ppv Qttwi pia D\iwjn;nnx ia pvdrnv no ton vcnpi .... nia»tcrna „Schließlich: magst Du links oder rechts Dich wenden, mein Herz, halte Dich stets an das Glaubensideal, welches ausgestellt der Gaonim letzter, dem Range nach einer der Ersten, der große Lehrer Moses. . . Gelegentlich einer Volkszählung besuchte ihn der Ortspfarrer, um den Personenftatus aufzunehmen. Derselbe war nicht wenig erstaunt darüber, in seinem Orte, in dem die Kunst des Lesens und Schreibens nur bei Wenigen anzvtreffen war, etwa 50 auswärtige Schüler zu finden, die fich daselbst unterrichten lassen wollten. „Für Sie, Herr Rabbiner" äußerte er sich „ist diese Schule sicherlich eine reiche Einnahmequelle?" Unser Rabbk gab eine ausweichende Antwort und versuchte gar nicht den wahren Sachverhalt arizu;eben, theils aus Bescheidenheit, theils weil er fürchtete keinen Glauben zu finden. Wie stand es nun in Wahrheit damit? Selbstverständlich würde er es als eine Profanisation angesehen haben, für diesen Unterricht auch nur ein gelegentliches G.schenk anzunehmen und es würde auch Niemand auf den Gedanken gekommen sein, tüm ein solches anuibieten. Dagegen wissen seine Schüler gar wohl, daß er einen erheblichen Theil seines kärglichen Einkommens in der kleinen, armen Gemeinde für seine Schüler aufwendete, deren physisches und sittliches Wohl durch ihn eine wahrhaft väterliche Förderung fand. Kindersegen war ihm versagt geblieben. Aber in den Herzen hund.rter. dankbarer Schüler, denen er ein trcubesorgter Vater, ein unvergleichlicher Lehrer und Führer gewesen, hat er sich ein unvergängliches Denkmal errichtet mjaci d\dd xb. Verehrungsvoll blicken sie empor zu der nunmehr verklärten Gestalt ihres dahingegangenen Lehrers, der ihnen seine Geistesrtchtung ausg prägt und das Beispiel einer idealen von Pflichtbewußtsein getragenen Lebensauffassung gegeben. Ihnen ist das Beste zu Theil geworden, ein untadeliges Muster und Vorbild, das ihnen voranleuchtet in den Jrrgängen des Lebens. Und das ist der schönste Lohn, der ihm, in seinem Sinne, zu Theil werden kann.

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