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Der Israelit · 1895-01-17 · Heft 5 (17.1.1895) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 5 (17.1.1895)
Date
1895-01-17
Page
– (sequence 20)
Language
German
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iöä gewöhnlich ihre Vorrede beginnen, um mit einem bedeutsamen „aber" u. s. w. fortzufahren — kommt einem unwillkührlich in den Sinn, wenn man ein neues Religionsbuch in die Hand nimmt. In der That, wenn die Kenntnitz unserer h. Religion und die Beobachtung ihrer Vorschriften mit der steigenden Zunahme der Religionsbücher gleichen Schritt halten würde, das gegenwärtige Geschlecht müßte rin njn "in und zugleich ein ’fOT üDE' "in fein. Die bedauerliche Wahrnehmung, daß dem nicht so ist, daß eher noch beide Erscheinungen im umgekehrten Verhältniß zu einander stehen, darf uns jedoch nicht abhalten, jede neue Erscheinung auf diesem Gebiete einer gewissenhaften Beurtheilung zu unterziehen und auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen. Für die Jugend ist eben das Beste gut genug und wer wollte behaupten, daß 'dieses „Beste" unter den im praktischen Gebrauch befindlichen Religionsbüchern bereits vorhanden seil Der Autor des vorliegenden „Leitfaden der israelitischen Religion" ist gewiß weit davon entfernt zu glauben, er h,be diese-„Beste" geleistet, aber sein Merkchen hat seine Daseinsberechtigung genügend dargethan, wenn es nur als Fortschritt gegenüber ähnlichen Erscheinungen zu bezeichnen ist. Und oas Letztere können wir mit gutem Gewissen behaupten. Die Sprache ist klar und faßlich, der Aufbau systematisch; von den Grundlehren des Judenthums ausgehend hebt es das Wesentliche aller Gebote der Religion hervor. Der Verfasier steht auf streng religiösem Standpunkt u. seine Darstellung fußt auf der absoluten Verbindlichkeit der überlieferten Lehre des JudenthumS. In diesem Geiste find auch die Erläuterungen und Begründungen der einzelnen Gebote gehalten. Bei einem Schulbuche ist auch das Aeußerliche nicht unwesentlich und auch in dieser Beziehung hat das Werkchen Vorzüge, die es von seinen Mitkonkurrenten vortheilhaft unterscheiden Das Papier ist gut, der Druck deutlich und klar, nicht eng zusammengedrängt; die Orthographie ist die behördlich für Schulbücher vorgeschriebene und der Preis 30 Pf., ein sehr mäßiger zu nennen. Nehmen wir noch dazu, daß der Verfasser sich auch in der Beschränkung als Meister zeigt und die in solchen Büchern, wie z. B. in dem weitverbreiteten Herxheimer'schen. breit ausgesponnenen Darlegungen über das Wesen und die Eigenschaften Gottes, die nur das Gedächtniß des Kindes belasten, ohne daß sie in ihrer Tiefe recht begriffen werden, auf das Nothwendigste beschränkt und daS Notwendige mit klaren, faßlichen Worten sagt, so können wir diesem Büchlein, dessen Brauchbarkeit und Nützlichkeit jeder praktische Schulmann bald herauSstnden wird, ein günstiges Prognostikon stellen. X Lese« und Rede«, von Prof. Dr. C. H i l t y, Professor deS Staatsrechts an der Universität Bern. Frauenfeld, I. HuberS Verlag. Leipzig, I. L. Himehs'sche Buchhandlung. Der geniale Autor ist den Lesern dieses Blattes bereits seit einer Reihe von Jahren durch seine geistvollen Schriften bekannt, die wir an dieser Stelle besprachen. Sie streifen vielfach Juden und Judenthum betreffende Anliegen, für welche der Verfasser immer und überall mit einer sympatlschen Wärme einlritt, welche in heutiger Zeit doppelt «ohlthuend berührt. Die Schrift zerfällt in zwei Theile: „Ueber das Lesen" und »Offene Geheimnisse der Redekunst" und reiht sich würdig den trefflichsten Produktionen an, die wir von diesem Autor besitzen. Die V rtuosität des Verfassers alltägliche, jedem geläufige Dinge von einem höheren GestchtSpnnkte aus zu betrachten und sie durch die feine, meisterhafte Art der Behandlung über das gewöhnliche Niveau zu erheben, kommt hier voll und ganz zur Geltung. Die ungewöhnliche Belesenheit des Verfassers, seine feine Beobachtungsgabe, eine reiche Lebenserfahrung und eine klare, übersichtliche Gruppirung des Stoffes, verbunden mit einer edlen, einfachen Form der Darstellung haben hier ein Ensemble geschaffen, daS zu dem Trefflichsten der neueren Literatur zählt. Der Bibel und ihrer Lektüre ist ein großer Theil gewidmet und wir waren freudig überrascht bei Aufzählung der einschlägigen Literatur auf folgenden PaffuS zu stoßen: „VonKommentaren ist für etwas gebildetere Leute „der beste (zu dem Pentateuch und den Psalmen), „der israelitische de« ehemaligen Frankfurter Rabbiners „Samfon Raphael Hirsch, der merkwürdigste die „sogenannte Berlenburger Bibel, ein Buch, das im „vorigen Jahrhundert durch einen aus Straßburg ver- „triebenen Magister, Johann Heinrich Haug, auf Ber- „anlassung des Grafen Kasimir von Wittgenstein-Berle- „burg verfaßt wurde. Es versucht in die Bibel neben „dem natürlichen, immer noch einen allegorischen Sinn „hineinzulegen, verdient aber (wie Stilling sagt) „bei „allen paradoxen Sätzen einen der besten Plätze in der „Bibliothek eines Schriftgelchr:en" „und ist, wie der „vorgenannte jüdische Kommentar, eine „wahre Fundgrube nicht alltäglicher Ge- „danken über diese bereits viel und allzuviel be- „sprochenen Dinge." Die Schrift wird besonders in ihrem zweiten Theil von Rednern und Predigern mit großem Interesse und Nutzen gelesen werden. Dieselbe ist ihrem gediegenen Inhalt entsprechend auch äußerlich elegant von der Verlagshandlung ausgestattet. _ Aus dem Sammelwerke „Die jüdische Litteratur seit Abschluß deS Kanons herausgegeben von Winter und Wünsche, liegt ein 91 S. gr. 8° starker Separatabdruck vor: „Die jüdisch-deutsche Litteratur in Deutschland, Polen und America" von M. Grünbaum; Verlag von Siegmund Mayer, Trier 1894. Der rühmlichst bekannte Verfasser der „Jüdisch-deutschen Chrestomatie", die seiner Zeit so günstig ausgenommen und auch von dem Begründer dieser Blätter?"T so beifällig besprochen wurde, bietet uns in dieser Arbeit neuerdings eine dankenSwerthe Auslese aus dem Gebiete der „jüdisch-deutschen Litteratur", die auch neben seinem größeren Werke einen selbständigen Werth beanspruchen darf. AuS allen, seltenen Druckwerken, die ehemals in keinem jüdischen Hause fehlten, und namentlich von den Frauen eifrig gelesen wurden, heute jedoch den Wenigsten mehr zugänglich sind, und ferner aus Handschriften der königlichen Staatsbibliothek in München hat der Verfasser ein lehrreiches, anschauliches und höchst charakteristisches Bild dieses Zweiges der jüdischen Litteratur hergestellt. Durch eine sachverständige und feinsinnige Auswahl läßt er uns den gemüthlich-naiven und streng sittlichen Charakter dieser heute fast verschollenen Litteratnrerzeugnisse — wie z. B. IDD; y\v y?; "w'7I 3p nne; a?n m’pri; noton ntn» und A. — erkennen und zeigt uns, daß sie sowohl vom kulturhistorischen als auch vom linguistischen Standpunkt aus der Beachtung würdig sind und den Fleiß des Forschers belohnen. „Jüdisch-deutsch" schreibt der Verfasser in der Einleitung, „kann man dieses Idiom auch schon deßhalb nennen, weil viele darin vorkommende deutsche Wörter jüdische, nur bei Juden gebräuchliche Wörter sind; es sind nämlich acht deutsche Wörter, die aus dem Sprachgebrauch verschwunden waren, bei den Juden aber sich erhalten hatten, in Folge ihrer Jsolirung und ihrer Abgeschiedenheit von der Welt und der litterarischen Strömung, mehr aber noch in Folge ihrer Pietät für das Alte und die Alten. Denn ebenso wie die gemüthlichen altdeutschen und alemannischen Verwandten-

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