Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1895)
- Date
- 1895-01-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Ceittral-Organ für das orthodoxe Judenthum. 17. Ja«. 18»5.] If [9tt. 1. Literarische Berichte. Heinr. Sachse. Antisemitismus und Zionismus. Eine zeitgemäße Betrachtung. Berlin s. a. H. Schildberger. 22 S. 8. Der Berf. will die „Judenfrage" durch den Zionismus. Unter Judenfrage versteht er nämlich die gleichartigen Vorwürfe, die in den verschiedensten Ländern gegen Juden vorgebracht werden, unter Zionismus den neuerwachenden Idealismus nach einer Periode kraffesten MaterialismusseS und das Gefühl der Solidarität, das den deutschen Juden sich freuen läßt, wenn Colonel Goldsmid in London Oberst wird. — Wir bestreiten demgegenüber das Vorhandensein einer Judenfrage, die für uns nichts Anderes ist als eine Nebenform der socialpolitischen Gährungen der Gegenwart, und erwarten deren Heilung nur durch eine Milderung dieser Gährungen im Verfolge der Erziehung der Gesellschaftsklassen zu besserer Selbstzucht. Für das Gefühl der Zusammengehörigkeit, besten Symptome, wie oben, in die Erscheinung treten, haben wir wenig Verständniß und unS läßt sogar die Thalsache, daß Prof. Lazarus Geh. Regierungsrath wurde, ungemein kühl, geschweige das höhere Commando Ottolengi'S. — Erfreulich an der Brochüre ist ihre klare, verständige Art, die wohlthuend von dem sonstigen Gefasel der Zionisten absticht. Aber Uebertreibungen, wie daß der Zionismus alle anderen Partheien im Judenthum an Bedeutung übertrifft (7. 3.), daß die antisemitischen Blätter „mit der ängstlichsten Aufmerksamkeit alle Lebenszeichen des Zionismus verfolgen" (S. 19) hätten fortbleiben sollen. „Daß Einer für Alle, Alle für Einen stehen mästen" lehrt schon unsere Thora und die ist immerhin alter als Jung-Jsrael. Unklar ist auch, was Berf. unter religiöser Toleranz (S. 15) versteht; soll also auch eine Minderheit beanspruchen dürfen, daß ihr Concessionrn gemacht werden, welche die Majorität al» gesetzwidrig verweist? S. 13 lies Chovewe statt Chovevl. Frhr. v. Hodenberg. Die Stellung der deutschen Reichspariei zum Antisemitismus. Bortrag gehalten am 3. Oktober 1894 zu Frankfurt a. M. auf dem II. Congreß der deutschen Reichspartei: Leipzig 1894. E. M. Faber. 37 S. 8. ConfuS wie das ganze Programm der deutschen Reichspartei, ist nach diesen Auslastungen auch ihre Stellung zum Antisemitismus. Im Grunde seines Herzens, aus dem er auch keine Mörderhöhle macht, ist Herr v. H. genau so ein Antisemit wie seine ostelbifchen Slandesgenosten; aber er mag sich dazu nicht bekennen, weil Bismark den Antisemitismus in Deutschland großgezogen hat und den haßt Herr v. H. noch glühender als die Juden. Man wird darnach den gelegentlichen guten Haaren, die er an uns läßt, nicht zuviel Werth beimesten dürfen und von den wohlgemeinten Raths»iEn, die er uns giebt» nur sagen dürfen: Gott beschütze «r solchen Freunden. 8. Sefr£ Snta, d. i. eig. Setre Warner! (in 2. Rrcension) zum ersten Male herausgegeben von Dr. B. KoenigSberger I. Lieferung. Frankfurt a. M. Verlag: I. Kau ff mann. P. Von Zeit zu Zeit tauchen auf dem Büchermarkt Erscheinungen auf, welche die oft vernommene Befürchtung zerstreuen, als wäre die Wistenschafl des jüdischen Schrift- IhumS im bedenklichen Niedergang begriffen; dazu zählt mit voller Berechtigung die Edition des 8itrS Suta, welche Herr Rabbiner Dr. KoenigSberger soeben beginnt. In Anlehnung an bedeutende Monographien auf dem Gebiete deS halachischen Midrasch versucht es der Verfaffer, unter Zugrundelegung eines Msc. der Berliner kgl. Bibliothek, des Midrasch hagadol, ferner des Jalkut und des Midr. rab. den Text des S. S. herzustellen; das vorliegende Heft enthält die I. und den größten Theil der II. Periope von Numeri. In den zahlreichen und reichhaltigen Anmerkungen textkritischer Art, bewundern wir die Belesenheit des Verfaffers in allen einschlägigen Schriften ältesten und neuesten Datum-; auch sind manche Widersprüche von Parallellstellen mit Glück entdeckt und gelöst, sowie auch Beiträge zur Bibelerklärung gegeben. Wie behalten un» die Besprechung von Einzelnheilen vor, bis das ganze Werk vorliegt; für heute, — um Eines hervorzuheben, — mag es genügen, auf die durch eine Notiz des Verfaffers im „Israelit" schon bekannte und vielfach ventilierte Erklärung von rW3 yn* hinzuweisen. Ueberhaupt ist der ganze Abschnitt, der von dem Nasiräer handelt, als der halachisch Interessanteste auch am Vollkommensten mit Anmerkungen auSgestatlet. WünschenSwerth wäre noch eine Erklärung der Abbreviaturen, von denen einige, wie z. B. Tnpn - «mn mpn n"mo - psnn «mo nur demjenigen lesbar sind, denen die früheren Arbeiten des Verfaffers auf diesem Gebiete bekannt sind. Wir hoffen zuversichtlich, daß eS dem rührigen und kundigen Verfaffer gelingen wird» durch die Edition des S. S. den Antheil der Schule des R. Akiba an den regen Geistesarbeiten, welche in der Midrasch Litteratur uns vorliegt, zu klären und damit eine Ehrenpflicht der Wissenschaft gegen unsere Vergangenheit zu genügen. Daß es andererseits Ehrenpflicht für den mit Interesse für das jüdische Schriftthum begabten Leser ist, sich mit dem Streben des Verfaffers vertraut zu machen, bedarf wohl nur dieses kurzen Hinweises. Leitfaden der israelitischen Religionslehre für de« Unterricht in Volks- «nd Mittelschule«. Bearbeitet von Dr. Herm. Deutsch, Distrikts-Rabbiner rc. zu Burgpreppach. Würzburg 1895. Zu beziehen durch die Israelitische Waisenanstalt in Fürth. Die Besprechung eineneuerschienenen Lehrbuches der israelitischen Religion beginnt naturgemäß mit dem zu einem Gemeinplatz gewordenen Ausspruch, daß unsere Zeit an derartigen Werken keinen Mangel leidet. Diese oft gehörte und gelesene Aeußrrung — mit welcher die Autoren