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Der Israelit · 1895-01-17 · Heft 5 (17.1.1895) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 5 (17.1.1895)
Date
1895-01-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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91 loS zu machen, und auch um kleine und schwache Gemeinden zu berücksichtigen, die einen ordentlichen Rabbiner zu besolden nicht in der Lage find, die ihre Selbstständigkeit jedoch nicht aufgeben wollen, gestattet das Gesetz einen „Rabbiner-Stellvertreter," der mit dem „Rabbiner"3) in Bezug auf Trauung. Scheidung u. dgl. vor dem Gesetze glei ches Recht hat; sie unterscheiden sich blos durch Geist und wiffenschaftlichen Gehalt. Fürs Judenthum tst aber diese Unterscheidung von höchster Wichtigkeit und Bedeutung. Es ist daher sehr zu wünschen, daß diese Unterscheidung niemals außer Acht gelassen werde, und daß als „Rabbiner" nur vieljährig erprobte und bewährte treue Vertreter des Judenthums und seiner Wissenschaft, alle Anderen aber nur als „Rabbiner-Stellvertreter" der Behörde zur Genehmigung vorgeschlagen werden. Nur in solcher Weise kann dem Zeitbedürfnisse entsprochen und auch zugleich die Würde des Judenthums und das Ansehen des Rabbinerthum als auch der Gemeinden nach innen wie nach außen gewahrt und auch der weise Zweck des Cultusgesetzes erfüllt werden. B en Amitai. Zeitungsnachrichten und Correfpoudeuzen. Deutschland. Breslau, 13. Januar. Der am 31. v. M. plötzlich verstorbene Dr. David Rofin wurde am 21. Mai 1823 zu Rosenberg in Oberschlesien geboren, wo sein Vater, Rabbi Mendel, Lehrer im Talmud und Hebräischen war. Diesem strengen und in seiner Gemeinde allgemein verehrten Lehrer verdankte er den ersten Unterricht in jenen Disciplinen. Im 13. Jahre kam er nach Kempen zu dem Talmudgelehrten Rabbi Simon Rehfisch Vt, dessen Lteblingsschüler der fleißige und begabte Knabe bald wurde. Von da zog er zu Rabbi David Deutsch nach Myslowitz, wo er im eifrigen und angeregten Studium bis zu seinem achtzehnten Lebensjahre weilte. Hierauf siedelte er nach Prag über, wo er bei dem Altmeister der jüdischen Wissenschaft, bet dem Oberrabbiner Rappoport seinen talmudischen Studium mit solchem Erfolge oblag, daß ihm bereits nach zwei Jahren der Titel Nvrenu mnn zuerkannt wurde. Hier trat er in innige Verbindung mit Dr. Michael Sachs, damals Prediger zu Prag und 3) Jede andere, wie immer geartete Bezeichnung, z. B. „Religionslehrer und Rabbinatsbefähigung" oder Cantor mit rabbinischer Eignung u. dgl. ist gesetzwidrig und unstatthaft, da nur der Rabbiner oder dessen Stellvertreter der erste gesetzmäßige Beamte in der Gemeinde ist. — Solche Bezeichnungen in den Concursen.bezeugen nur die Schwäche und Unwürdigreit der Gemeinde. später in Berlin. Sein Aufenthalt in Prag dauerte drei Jahre (1841—44). 1846 bezog er die Universität Berlin, wo er auch seinen früheren Gönner und Lehrer, Dr. Sachs, wiederfand. Daselbst widmete er sich fast ausschließlich dem Studium der klassischen Philologie und lebte im freundschaftlichen Verkehr mit Dr. Feilchenseld, jetzt Rabbiner zu Posen und mit den seligen Dr. Joel und Dr. Zuckermann. Eine Anstellung an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin vertauschte er später (1859) mit einer Stelle an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt daselbst. 1854 eröffnete er die Religionsschule der jüdischen Gemeinde mit 71 Zöglingen, die 1866, als er Berlin verließ, bis über 300 gestiegen war. Seit jener Zeit wirkte er durch volle 28 Jahre als Lehrer an dem jüdischtheologischen Seminar zu Breslau. Von seinen wissenschaftlichen Werken sind^zu nennen: Ueber den Chinnuch des unbekannten Leviten aus Barzelona (1871), über die Ethik des Matmonides, eine überaus gründliche Erforschung der Quellen und eine klare, systematische Darstellung der maimonidischen Erhik (1876), über R. Samuel b. Meir als Schristerklärer, ein erschöpfendes und lichtvolles Charakterbild des Lebens und der Leistung des bedeutenden Exegeten, wobei ein besonderes Capitel über altfranzöstsche Uebersetzungen auch für diese romanische Philologie von Interesse ist (i880), sodann die kritische Ausgabe des Pentateuch-Kommentars Raschbam's dem eine im biblischen Tone und Stile geschriebene Einleitung zu diesem Commentar vorangeht (1881). Die letzten von ihm veröffentlichten Arbeiten galten einer kritischen Ausgabe der Gedichte Jbn Esra's, zu denen er einen vorzüglichen Commentar und auch gereimte Uebersetzungen lieferte. Noch vieles Andere soll fich handschriftlich in seinem Nachlaß finden, der hoffentlich der Wissenschaft nicht vorenthalten werden wird. Dabei find auch die Verdienste Rosin's um die Veröffentlichung der Predigten von Michael Sachs nicht zu vergessen, welche er erst in mühevoller Arbeit aus den unvollendeten Manuskripten druckfertig machte. Bei der Trauerfeier im Seminar sprachen Seminar-Rabbiner Dr. Lewy und Seminarist Fränkel, auf dem Friedhofe- Dr. Rosenthal, Professor Schwarz aus Wien und Rabbiner Dr. Guttmann. .Tarn Oesterr.-Ungar. Monarchie. J. Wien, 9. Januar. Die große Rede des Rektor Prof. Dr. Laurenz Müllner im Landtage beherrscht fortwährend das Gesprächsthema. Daß diese oratorische Leistung von den verschiedenen Preßstimmen je nach Parteifarbe kommentirt wird.

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