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Der Israelit · 1895-01-17 · Heft 5 (17.1.1895) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 5 (17.1.1895)
Date
1895-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8g zu verstärken und ließ ihm Weber Zeit noch Ruhe sich über seine Gefühle und Empfindungen klar zu werden. Liebte er eigentlich Greta von Toussaint? Ec hatte fich noch keine Rechenschaft darüber gegeben. Greta sagte, daß er ihr eine Liebeserklärung gemacht habe, der Verkehr mit ihr befriedigte ihn; fie war außerordentlich nett und aufmerksam gegen ihn und so ließ er sich einlullen und leiten und vergaß Heimath und Glauben im Umgang mit Greta. Liebte Greta ihn? Zu ihrer Ehre wollen wir annehmeu, daß dem so war. Aber jedenfalls war es nicht die richtige Liebe, die ihr Glück im Glück des Geliebten findet und selbstlos sein kann — aus Liebe. Sie liebte ihn wie der Geizige sein Geld, der Jockey sein Rennpferd liebt, als Mittel zum Zweck. Und ihr Zweck war, Carrtere zu machen, eine Stellung in der Gesellschaft einzunehmen. Dazu mußte der so sehr talentirte Jude dienen, dazu mußte er sein eigenes Ich verändern, Religion und Glauben wechseln. Zur Taufe hätte Greta ihren Willy nie überreden können, deshalb mußte vorerst das „Vereinigte Christenthum" des Herrn Egydi die Uebergangsstufe bilden, auf der fie ihn in den Glauben der strengsten Observanz hinüberschmunggelu könne, um alsdann emporzusteigen auf der Leiter des Glückes bis zu den höchsten Stellen im Staate. Deshalb suchte fie den jungen Mann auch zu veranlassen, sich mit Herrn von Gilsa, dem Freunde seines Vaters nicht zu Überwerfen, denn sie hatte erfahren, daß dieser noch Beziehungen zu den einflußreichsten Kreisen hatte, und hoffte zur richtigen Zeit Nutzen daraus zu ziehen. „Warum bist Du heute so übel gelaunt?" fragte sie ihn jetzt, indem sie ihm einen ihrer verführerischsten Blicke zuwarf. „Ich bin nicht übel gelaunt", erwiederte Wllly; „ich bin nur ernst gestimmt." „Und warum?" „Warum? Weißt Du nicht, daß sich meine Mutter heute einer lebensgefährlichen Operation unterzieht? Wer weiß, wie sie ausgeht!" „Deine Mutter? Deine Mutter? Hast Du denn noch eine Mutter? Ist denn Deine Mutter nicht längst tot? Und die fremde Frau, die Dich auferzogen hat, verdient sie wirklich den Namen einer Mutter? Ich zweifle daran. Man hat Dich ja nur deshalb erzogen und Dich der Armuth entrissen, um, im Falle man selbst keine Kinder bekommt, im Alter nicht mutterseelen allein dazustehen. An Dich hat man dabet sicher nicht gedacht und wenn Du diesen Egoismus Liebe nennen willst, so magst Du recht haben; ich kann ihn nicht als Mutter- resp. Elternliebe anerkennen." „Du kennst meine Pflegeeltern nicht, sonst würdest Du nicht so reden." „— Ei, was rede ich denn anderes als das, was Dich dazu trieb, Dich auf eigene Füße zu stellen? Die Sentimentalität, die Dich von Zeit zu Zeit erfaßt, ist nicht angebracht und wird Dich nur an Deinem Fortkommen und an der Erreichung des Dir gesteckten Zieles hindern —." „— Alles liegt mir näher als Sentimentalität. Aber ich wäre doch jeden menschlichen Gefühls bar, wenn ich — „Das menschliche Gefühl, was man so zu nennen pflegt, ist nichts für Jemand, der es im Leben zu etwas bringen will. Für Dich darf es nur eine Losung geben, und diese heißt: Vorwärts." (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, MoatagS und Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis der Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de» Kuchhaudet j» bestehen bet E. $. Kteinarker, Leipzig, Dsßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. Eine Rstcksendnng von au die Redaetto» eingesandten Mannserlpte« findet nicht statt, man bittet deshalb fich von alle« Einsendungen eine Copie znritckznbehalte». Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Die Badische Synode. — Zeitungsnachrichten u. Eorrefvondenzen: Deutschland: Schotten. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Ptten. Prag. Krakau. — Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. — Sprechsaal. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der erste» Beilage: Leitende Artikel: Zum 24. Tewes, dem ersten JahrzettStage Louis Stillmann'S. — Die religiösen Zustände in Böhmen. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: BreSlau. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. Inhalt der zweite» Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: AuS dem Großherzogthum Hessen. WormS. AuS Starkenbutg. Berlin. Dresden. — Vermischtes. Literarische Beilage. verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition de- „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen

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