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Der Israelit · 1895-01-17 · Heft 5 (17.1.1895) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 5 (17.1.1895)
Date
1895-01-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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86 runter sich 150 christliche befinden. Nun sollte man meinen, daß dieses humane Vorgehen bei allen unseren christlichen Mitbürgern Anerkennung gefunden und dazu beigetragen hat, die gegen uns hier zu Lande herrschenden Vorurtheile theilweise zu bannen. Aber wie sich jetzt zeigt, war diese Hoffnung ein schwerer Jrrthum. Neben jenem jüdischen WohlthättgkeitskomitL besteht auch ein christliches städtisches „Komi14 für hungrige Kinder« unter der Leitung der Gr. Antonija Wodzicka. In dem Berichte, den dieses Komitä dem Vorstande des Vereins in der Sitzung vom 21. Dezember v. I. erstattet hat, findet sich folgender Passus: „Bevor man zu den eigentlichen Berathungen schritt, betonte der Rector Canonikus Sptß ' (der Vizepräsident besagten Comites), daß ein anonymer Korrespondent es gewagt habe, in den polnischen Blättern das Komitv anzugreifen. Welchen Schaden dieser Angriff den armen Kindern verursacht habe, sei daraus zu entnehmen, daß 150 christliche Kinder, deren Eltern im jüdischen Rayon am Kazmierz wohnen, von dem „israelitischen Wohlthätigkeitskomitö" „etngefangeu" wurden." Das ist der Dank dafür, daß 150 christliche Kinder mit nahrhafter Kost gekräftigt wurden! Unter den Beschlüssen, welche das „Komile für hungrige Kinder" in Folge jener Auseinandersetzung des Herrn Canonikus Spiß gefaßt hat, prangt als Punkt I: „ES soll getrachtet werden, die 150 armen christlichen Kinder sofort aus der israelitischen Küche zu befreien und sie behufs Beköstigung in der Küche der Barmherzigen Schwestern unterzubringen." Das Groteskeste bei dieser Affaire ist, wie der „Jüd. Presse" geschrieben wird, daß das Komito, welches diesen judenfeindlichen Beschluß gefaßt hat, sich an die hiesigen Juden mit der Aufforderung zum Beitritt gewendet und den betreffenden Einladungen den Bericht, welcher jenen Beschluß enthält, beigefügt hat! Wie verlautet, beabsichtigt einer unserer jüdischen Gemeinderäthe in der Rathsversammlung das Präsidium über das Vorgehen des Komi! 6s, das vom Gemeinderath subventionirt wird, zu interpelliren. Palästina. Jerusalem? Der türk. Ministerpräsident hat an die Paschas von Beiruth und Jerusalem Erlässe gerichtet, in welchen er sie aufmerksam macht, daß die Juden mit allen Völkern, die unter dem Schutze des Sultans stehen, gleichberechtigt sind, und fügt hinzu, es sei der ausdrückliche Wunsch des Sultans, daß die Juden gleiche Rechte mit allen Andern genießen. Dieser Befehl, der auch die Aufhebung aller bisher bestehenden Beschränkungen in den kommerzMrn Rechten per Jaden tooMrt, ist den Bemühungen de8 Landrabbiners Mose Halewi sowie des jüdischen Generals Elias Pascha zu verdanken. Gegenwärtig wird von derselben Seite darauf hingearbeitet, die bis jetzt gegen die Juden gerichteten Elnwanderungsverbote nach Palästina zu beheben. Es wäre zu wünschen, daß die Bemühungen der Genannten bald mit Erfolg gekrönt sein mögen. > Vermischtes. < Strelitz, lO. Januar. Bei dem Feuer in der Nacht vom 7. aus den 8. d. M. im Hause Schloßstraße 88 ist unter vielen anderen unersetzlichen Kostbarkeiten auch die große Bibliothek des Ober- und LandeSrabbiners Dr. I. Hamburger total vernichtet worden; eine Biichersammlung von 40 Jahren, über 5000 Bände stark. Außerdem befand sich in demselben Zimmer noch die neuste Auflage seines kürzlich vollendeten Riesenwerkes : Realencyklopadie für Bibel und Talmud, Abtheilung I. und Abtheilung II., nebst drei Supplementen, jedes 1000 Exemplare, die der Verfasser selbst drucken ließ. Der Schaden beträgt mehr als 20 000 M. Ferner beklagt der Verfasser den Verlust einer großen Anzahl Manuskripte werthvollen Inhaltes, deren Schaden unersetzlich ist. Die Versicherungssumme ersetzt leider noch nicht den zehnten Theil des Schadens. Brom berg» 10. Januar. Frau N ahida Remy hielt dahier im Schützenhause einen Vortrag über das Thrma: „Die Nächstenliebe im alten Testament," wobei sie vielen Beifall erntete. Es waren ungefähr 800—900 Personen anwesend. Das Sigflsche „Vaterland" in München macht aus dem Hypnotiseur Czynski einen „polnischen Juden." Der Mann war Katholik, der aber aus OpportunitälSgrüuden Protestant geworden ist. Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaetion dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) Wiesbaden, 14. Januar. Geehrter Herr Redacteur! In der ersten Beilage zu Nr. 3 des „Israelit" ist in dem leitenden Artikel u. A. die Mtttheilung enthalten, die Militärverwaltung habe Herrn Dr. Kahn mit den Vorbereitungen zum Diensteide der jüdischen Rekruten betraut. Da diese Angabe nicht den Thatsachen entspricht, so bitte ich Sie im Interesse der Wahrheit dieselbe dahin zu berichtigen, daß der Unterzeichnete seitens des Commandos mit den Vorbereitungen zum Diensteide der jüdischen Rekruten betraut ist, und daß Herr Dr. Kahn meines Wissens einmal, und zwar irrthümlicher Weise um Vollziehung dieser Function angegangen wurde, wie sich auch das hiesige Commando s. Z. dieserhalb bei mir entschuldigte. Hochachtungsvoll Dr. M. Silberstein, Stadt- und Bezirks-Rabbiner. (Herr Dr. Kahn hat diese Funktionen mehr Äs sechsmal unseres W'lssens voAzogen uno zwar einige Mal vor und einige Mal während der Amtszeit des Herrn Dr. Stlberstein. Red.)

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