Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1895)
- Date
- 1895-01-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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85 abgegebene Erklärung, welche demselben in Wirklichkeit zugeganaen zu sein scheint, bin ich hinweggegangen, da dieselbe jedenfalls auf eine irrtümliche Auffassung der Sache zurückzuführen ist. Die öffentlich abgegebene Erklärung, daß die von mir vollzogene Trauung nach jüd. G setz vollzogen sei. läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und wird jedem vernünftigen Menschen genügen. Damit ist die Sache für mich erledigt. Dem H. Dr. L. scheint das Wort neue in dem Namen unserer Gemeinde viel Kummer und Sorgen zu machen; derselbe war doch sonst immer ein großer Freund des Neuen, besonders in religiösen Angelegenheiten. Auf den Namen kommt's nicht an. Die neue mosaische Gemeinde dahier ist in religiöser Beziehung eine alte, d. h. ste steht auf dem Boden des traditionellen Judenthums, während der alte Dr. L. und seine alte Gemeinde in Gießen ganz und gar neu sind. Aber auch in Gießen, ganz besonders aber in den zahlreichen Landgemeinden unserer Provinz ist noch ein alter, guter Kern vorhanden, der jetzt anfängt, sich zu regen, der im Verborgenen keimte und sproßte, aber mit Gottes Hilfe bald mächtig emporwachsen und zu den schönsten Blüten sich entfalten wird. A. Kaufmann, Lehrer. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 15. Januar. Der neue Patrsschub wird in liberalen Blättern freundlich besprochen. Die Regierung befleißigte sich bei der Auswahl der 24 lebenslänglichen Herrenhausmitglieder der größten Unparteilichkeit und bedachte alle drei Parteien des Herrenhauses vollkommen gleichmäßig. Der neuernannte Pair Baron Oppenheimer ist Jude. Er war lange Zeit Abgeordneter und gehörte der deutsch - liberalen Partei an. Ludwig Freiher v. Oppenheimer wurde im Jahre 1843 in Leipzig geboren, wo er auch an der Universität national ökonomische Studien betrieb. In der Folge wendete er sich landwirthschaftlichen Studien zu und prakticirte auf den Gütern deS Herzogs von Braunschweig. Im Herbst 1866, fast gleichzeitig mit dem Freiherrn v. Neust, mit dem er in innigen freundschaftlichen Beziehungen stand, kam Herr v. Oppenheimer nach Oesterreich; hier erwarb er die Staatsbürgerschaft und übernahm die Herrschaft Klein-Skal in Böhmen. Seit dem Jahre 1873 gehört Herr v. Oppenheimer dem böhmischen Landtage ununterbrochen und dem Abgeordnetenhause als Vertreter des Großgrundbesitzes an. In beiden Körperschaften war er ein verläßlicher Genosse der liberalen Partei. Durch sein couciliantes Wesen und seine guten Umgangsformen verstand es indeß Herr v. Oppenheimer, sich bei allen Parteien Beliebtheit und Ansehen zu erwerben. So ging er auch seit dem Jahre 1885 aus dem Wahlkreise Reichenberg des böhmischen Großgrundbesitzes immer als Kompromiß Candidat beider Parteien hervor. Wiederholt nahm Herr v. Oppenheimer auch an den Verhandlungen der Delegation theil, und hier wurde von ihm insbesondere die Frage der Verbesserung der Mannschaftskost angeregt und immer wieder in Erinnerung gebracht. Auch durch einige politische Schriften hat sich Herr v. Oppenheimer hervorgethan, insbesondere durch die Broschüre „Austriaca“ während der Aera Taaffe. Derselbe ist auch schon mehrmals im Abgeordneten- Hause warm und mit Erfolg für die Interessen seiner Glaubensgenossen eingetreten, die er ruhig und sachlich, ohne gegen Personen und Partheien zu verstoßen, gegen Angriffe vertheidigte. Freiherr v. Oppenheimer wird sich der Berfaffungspartet des Herrenhauses anschließen. Prag, 9. Januar. Heute wurde die irdische Hülle Rafael Kauders zur Erde bestattet, eines Mannes, der sich ebenso durch wahre echte Reltgtösttät als durch Menschenfreundlichkeit und Wohlthätigkeit auszeichnete. Trotz seines vorgerückten Alters, er hatte das fünfundsiebzigste Lebensjahr überschritten und trotzdem, daß er bis an sein Lebensende in seinem Geschäfte thätig war, besuchte er doch regelmäßig dreimal täglich das Gotteshaus. Er unterstützte nicht nur Arme in munificentester Weise aus seinem Eigenen, sondern er hat stch auch dadurch zahllose Bedürftige zu höchster Dankbarkeit verpflichtet, daß er seit einer langen Reihe von Jahren für arme Kranke, Wittwen, Waisen, Kurbedürftige, mittellose Personen, die sich einer kostspieligen Operation unterziehen mußten, hartbedrängte Handwerker und kleine Geschäftsleute erfolgreich Sammlungen veranstaltete. Er hat im Laufe vieler Jahre hunderte Existenzen gegründet, hunderte von Verderben und Untergang gerettet. Bei seinem Leichenbegängnisse gab stch tzie allgemeine Liebe und Verehrung, deren stch der Verblichene erfreut hatte, in deutlicher Weise kund. Oberrabbiner Ehrenfeld, selbst tief ergriffen, hielt dem Verewigten einen ergreifenden Nachruf und dem Leichenwagen folgte eine zahlreiche Menge darunter die besten Männer der Gemeinde. Rafael Kauders hinterläßt eine trauernde Wittwe, die ihres Gatten würdig war und sich wie dieser an zahlreichen Liebeswerken betheiligte und stch hoffentlich noch recht lange betheiltgen wird. Krakau, 6. Jan. Ein seit mehreren Jahren hier bestehendes jüdisches Wohlthätigkeitskomite zur Speisung armer Schulkinder, welches seine Beiträge nurKvon unseren Glaubensgenossen erhält, beköstigt sämmtliche bedürftige Schulkinder seines RayonS, wo-