Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1895)
- Date
- 1895-01-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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84 aus den Reihen derer, die etwas gelten, enthüllt, der hoffentlich auch den Vertrauensseligsten aufrütteln und zur pflichtgemäßen That spornen wird. Danach wäre an den Oberrath daS Ersuchen gestellt worden das Bogelstetn'sche Gebetbuch — jenes erbärmliche Machwerk, bei dessen Herstellung Strebungen, die richtig zu bezeichnen Rücksicht auf das Preßgefetz mir verbietet, thätig waren — in Baden einzuführen, wie es denn thatfächlich in einem Bezirke des Landes bereits als Lehrbuch „mit Nutzen" Verwendung finde. Der Oberrath aber habe es abgelehnt, auf den Antrag zur Zeit einzugehen, da derselbevoraussichtlich die Synode beschäftigen und damit Gelegenheit gegeben sein würde, später zu demselben Stellung zu nehmen. Welcher Art diese Stellung — die Annahme des Antrages in der Synode vorausgesetzt — sein würde, wird keinem Kundigen zweifelhaft sein; sehen wir von Staudecker-Mannheim ab, so dürfte kein ernster Gegner desselben dort zu finden sein. Und wir hätten zu schwarz gemalt? Wie, wenn das Gerücht sich erhält, es habe ein bekannter Geistlicher des Landes im Religionsunterricht seine Schüler auf die „Bedeutung" der Synode hingewiesen und als deren Berathungsgegenstände die „Reform" der Speisegesetze und der Sabbatruhe angekündigt? Sollten wir auch dann noch schweigen, den Oberrath einen guten Mann und die Synode das ersehnte Ideal einer Gesammtvertretung des badiscben Judenthums sein lassen? Fürwahr nicht umsonst hatten s. Z. die Herren Bezirksältesten D. M. Wertheimer-Bühl und Genossen — Männer, denen „faktiöse Opposition" wahrlich niemand mit Recht wird Vorhalten dürfen — in ihrer Bezirksversammlung vom 19. November 1893 zu § 16 S. O Eingang den Zusatz verlangt: „Gedachte Beschlüsse der Synode dürfen jedoch den Prinzipien der Thorah und den Vorschriften des Ritualkodex nicht widersprechen," und selbst dem blödesten Auge muß doch wohl klar werden, wohin der Kurs geht, wenn dieser Zusatz seitens des Obberraths kurzweg abgelehnt wurde! Er handelte nur korrekt von seinem Standpunkte aus; denn, um Beschlüsse, die den Prinzipien der Thorah konform sind, zu extrahiren, dazu hätte es der Generalsynode nimmer bedurft! Die stehen schon wohlvorbereitet und durchgearbeitet im Talmud, Decisoren und Respoucen; nur muß man sie auch richtig lesen können, was nicht Jedermannes Sache ist. Und eS ist zwar eine Binsenwahrheit, aber darum bleibt sie doch wahr; man setzt sich um so leichter über ernste Dinge hinweg, je weniger man fie durchschaut. Und die Lehre, die wir aus dieser trübseligen Erkenntniß für unsere Genossen ziehen? Sie lautet kurzweg: „Sammelt Euch', um zu retten, was zu retten ist." Wir wollen die Laiensynode nicht, wir bestreiten ihre Competenz und erhoffen ihr baldiges Dahingehen, von dannen es für sie kein Auferstehen giebt. Aber wir wollen über abstrakter Prinzipkentreue die Forderungen des Moments nicht übersehen, und diese gehen dahin, möglichst viele Männer von Rückgrat, die neben dem Herz auch die Zunge auf dem rechten Fleckhaben, und denen ihr Glauben Alles ist, in die Synode htneinzuwählen, damit sie die Anschläge der Gegner zu Schanden machen, ihre Prätensionen auf ihres Nichts durchbohrende Bedeutung zurückführen und dem rücksichtslosen Feinde mit unerbittlicher Festigkeit entgegentreten können. Mögen unsere Genossen draußen im Lande bedenken, daß es immer nur der erste Schritt ist, der Mühe kostet. Wird nicht gleich beim Zusammentritt durch die Anwesenheit, wenn auch weniger, charakterfester Männer das Gewissen der Synode geschärft, dann dürfte spätere Arbeit als zu spät sich erweisen. Zeitnngsnachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. Schotten, 14. Jan. Herr Rabbiner Dr. Levy aus Gießen bekennt sich in Nr. 3 dieses gesch. Blattes als Verfasser und Einsender des gegen mich gerichteten Artikels und wiederholt seine anmaßenden und unmaßgeblichen Aeußerungen, die aber, wie mir allseitig versichert wird, ihren Zweck ganz und gar verfehlt und gerade so wirken, wie die Steine, die derjenige wirft, der in einem Glashause sitzt. Ich begreife sehr wohl, daß es sich mit der Würde eines Rabbiners nicht verträgt, sich auf derartige Dinge einlaffen zu müssen; es ist aber auch eine Seltenheit, daß ein Rabbiner hierzu selbst Veranlassung gibt. Es geziemt sich auch nicht für eineu Rabbiner, dessen Pflicht und Aufgabe es ist, zur Hebung und Förderung des Lehrerstandes nach Kräften beizutragen, sich über diesen Stand in einer Weise zu äußern, welche geeignet ist, denselben herabzuwürdtgen. Am allerwenigsten aber ist es mit der Würde eines Rabbiners zu vereinbaren, wenn derselbe das, was er gethan hat, zu leugnen versucht, da er sich nicht anders zu helfen weiß. Die Eingabe des H. Dr. L. mit der von mir angeführten Stelle über die Unwissenheit der Judenlehrer, die keine Bildung haben u. s. w. wurde mir auf dem hies. Großh. Kreisamte vorgeleseu; wenn der H. Rabbiner immer noch zweifelt und an Gedächtnisschwäche leidet, so möge er sich nur an das hies. Großh. Kretsamt wenden, da wird man ihm die Wahrheit schon sagen. Ueber die von H. Dr. L. wiederholt angeführte, angeblich von mir