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Der Israelit · 1895-01-14 · Heft 4 (14.1.1895) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 4 (14.1.1895)
Date
1895-01-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Joft erlangen. bib ivixi m'.v nn min ins in diesem Sinne lehren ja auch unsere Weisen: *?": "QV Vl-U ]HDÖ 3l»n D3H *VÖ^>n "17DÖ „Dkl gst gestellte Mann von jüdischer Gelehrsamkeit V vorzuziehen dem Höchstgestellten, der auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft Ignorant ist." Denn Unwissenheit auf religionswissenschaftlichem Gebiete gilt als der größte Schandfleck im Judenthume. Dies sollte unfern Cultusgemeinden zur Norm und Richtschnur dienen und sie sollten ihre Ehre und ihren Stolz darin finden, sich durch die Krone der jüd. Wiffenschaft zu zieren, welche ihren legalen Vertreter der Religion schmückt. Denn steht schon ein unwiffender „Hohepriester" einem hob an Würde und Ansehen nach, um wie viel mehr der bewährte Fachmann und Vertreter der jüd. Wissenschaft dem Unwiffenden gegenüber im Amte der Gemeinde als Rabbiner und Seelsorger. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondeuze«. Deutschland. Wiesbaden. Von einem Dreh fuß, jedenfalls nicht dem delphischen, berichtet das hiesige Tagblatt, daß er Rentner, Stadtverordneter und Dr. sei und daß ihm die Genehmigung ertheilt wurde seinen Namen in Dreher umzuändern. Ein Berliner antisemitisches Blatt verräth, daß dieser Herr ein getaufter Jude sei. Ein getaufter Jude? Nach dem jüdischen Religtonsgesetz kann Jemand, der als Jude geboren ist, durch kein Mittel dieses Judenthum fortspülen. Er bleibt ein Jude, vielleicht ein fahnenflüchtiger, bundesbrüchiger und . daher minderwerthiger Jude, aber es dürfte ihn Niemand z. B. veranlassen durch jüdisches Gesetz verbotene Speisen zu genießen, am Sabbat zu arbeiten und d. gl. Der Apostat bleibt Jude. Nach Auffassung des Christenthums, welches durch das Sakrament der Taufe seine Bekenner aufnimmt, ift heute der Herr Dreyfuß Dreher mit nichten ein getaufter Jude, sondern ein getaufter Christ. Die antisemitischen Blätter, welche Herrn Dr. Dreyfus-Dreyer die Ehre erweisen sich mit ihm zu beschäftigen, verfallen dabei auf wunderlich logische Sprünge, von welchen wir die am meisten grotesken hier vorführen wollen. Die „Staatsbürger-Zeitung" erinnert zunächst an den Fall Götze-Schmuhl und meint die Dreher oder Dreier hätten nun Anlaß ein ebenso beharrliches Kesseltreiben zu beginnen, wie vor kurzem die Träger des Namens Götze. — Das ist gewiß richtig. Aber wenn auch jeder verfassungsmäßig das zweifellose Recht hat, sich so gut zu blamiren als er eben kann, er möge auf den Namen Götze oder Dreier hören, so glauben wir doch nicht, daß die Lorbeeren, die jener Götzen-Cultus davon getragen hat, zu einem solchen Dreier-Cultus zu begeistern geeignet sind. — Doch das sind nur untergeordnete Sächelchen, über die es sich nicht verlohnte ein Wort zu verlieren, wenn wir nicht zwei Aussprüche des genannten Leibblattes der Antisemiten niedriger hängen wollten, die unter den zahllosen Platidüten und Gedankenlosigkeiten, die dasselbe täglich vroducirt, sonst leicht unbeachtet bleiben dürften. Die erste äußert sich sehr despektirlich über das Taufwasser: „Wie die Judenfrage jetzt allge- „mein bei uns empfunden wird, „macht das Taufwasser keinen Juden „zum Deutschen." Also, die Wirkung des Taufwassers hängt von demjenigen ab, was die Staatsbürgerzeitung als allgemeine Empfindung ausgiebt. Und unter einer anderen Empfindung hätte das Taufwaffer die Fähigkeit aus Inden Deutsche zu machend Das Taufwasser und die ganze Taufe ist wie der Stifter des Chrlstenthums semtischen Ursprungs, wie sollte es Deutsche »lachen könnend Wer hat ihm je diese Kraft zugesprochen, daß sie ihm von der Staatsbürgerzeitung aberkannt zu werden brauchte? Wenn das Taufwasser die Kraft hätte Deutsch zu machen, wie könnten dann die französsischen, russischen und alle anderen außerdeutschen Christen die Taufe an sich und ihren Kindern vollziehen lassen? — Doch wie hoch oder nieder die Staatsbürgerzeitung und ihre Gesinnungsgenossen von der Taufe denken, das können wir ihnen füglich selber überlassen. Aber, nun folgendes naive Geständntß einer schönen Antisemiten-Seele: „Also dürfen wirauchnichtdulden, „daß ein Jude durch deutsche Ver- „kleidung seine Maske entfernt, „durch die er für uns bisher kennbar war." Also, die Juden sollen auch außer der Faschingszeit Masken, Namen - Masken tragen. Während sonst die Masken ihre Träger unkenntlich machen, kennt die Staatsbürgerzeitung ihre Juden erst, wennjfie ihre Masken tragen. Auch diesen lyrischen Sprung schenken wir ihr. Aber merkt sie in ihrer Beschränktheit wirklich nicht, wie sie mit dieser Maskerade ganz aus ihrer bisherigen Rolle fällt? Sie, die den Juden in Folge seines Gebahrens, seine Gestchtszüge, seiner Schachergeistes und aller anderen möglichen und unmöglichen Liebenswürdigkeiten, sogar auf hundert Meterdistanz zu erkennen vorgibt, gesteht nun in einer schwachen Stunde unbedachtsamer Weise ein, daß das alles blauer Dunst ist. Wenn der Jude nicht Schmuhl

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