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Der Israelit · 1895-01-14 · Heft 4 (14.1.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 4 (14.1.1895)
Date
1895-01-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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UM-^!«W my .id^W^ur.M^MWSdMWWMWMWWjWWMMWMPMHHD 66 unS zu vergegenwärtigen, an den sich die anderen naturgemäß fügten: das treue Festhalten an den jüdischen Namen. Viele von uns denken darüber heute anders. Nicht von dem Bei» behalten, sondern von dem Ablegen und Verleugnen der jüdischen Namen erhoffen sie die Erlösung von allem, was sie bedrückt. Aber dieser Namenwechsel, däh -w», zählt nicht unter die Dinge iu )Vi?üw dun bv wh, welche den Unstern abwenden können, unter dem jüdische Menschen nun einmal leiden. Wie sich der Träger einer schweren Last eine momentane Erleichterung zu verschaffen sucht, indem er dieselbe von der einen Seite auf die andere und von der anderen wieder auf die eine nimmt, ohne damit die Last selbst los zu werden, so ist es hier. Es steht uns frei heute jüdische, christliche, germanische und teutonische Namen zu führen, es wird auch ein sehr ausgiebiger Gebrauch von dieser Freiheit gemacht, hat dieser Umstand das Vorurthetl gegen die Juden beseitigt? Gegen die Juden! An den Namen „Jude" hat sich die uns feindliche Welt zu allererst geklammert, um ihn zum Hohn und Spott zu machen. Wenn sie alles Schlechte, Verworfene, Listige, Verschlagene, Charakterlose in einem Laut zusammenpreffen will, so nennt sie die Vereinigung aller dieser sittlichen Defekte jüdisch und ihren Besitzer Jude. Wird diese Verachtu.ng aufhören, wenn wir unS statt Juden, Israeliten, Hebräer, Bekenner der mosaischen Religion nennen? Es wäre nicht nur eine Feigheit, deshalb den jüdischen Namen zu wechseln, es ist noch mehr, es ist eine lächerliche Thorheit von einem solchen Experiment einen derartigen Erfolg zu erwarten. Man würde die Last nur auf eine andere Schulter und hier auf einen anderen Namen übertragen. Man würde dann allerdings nicht mehr die Juden verachten, aber dafür die Israeliten und Hebräer, oder wie man sie sonst nennen würde. Die Verachtung, die sich an den Namen „Jude" knüpft, ist alt. In der Einleitung zum Midrasch Echa hat Rabbi Abuha eine ganze Sammlung von Stich- und Spottreden, die seine Zeit an den Namen Jude knüpfte, anlehnend an den Psalmvers uns erhalten: Es unterhalten sich über mich, die am Thore sitzen, (d. h. diejenigen, welche die Gerichtsbarkeit tune haben, also die höchsten Spitzen der Gesellschaft) und ebeuso die Lieder derjenigen, welche Berauschendes trinken, (somit die Säufer im Wtrthshause, die Hefe der Gesellschaft). (Psalm 69, V. 13). — Aber gerade diesen in den höchsten und niedersten Gesellschaftsschichten nicht erst seit heute und gestern verfehmten Namen hebt das Prophetenwort mit besonderem Nachdruck hervor, wenn es das heranbrechende Morgenroth der Menschheit und den Anthetl schildert, den gerade Juden und Judenthum daran haben. Nicht den israelitischen, nicht den hebräischen, sondern den jüdischen Mann, den hvi» ff’« wird man dann aufsuchen, um sich ihm anzuschließen. „So hat der Gott Zebaoth gesprochen: Es werden noch Völker und die Bewohner vieler Städte kommen; und es werden gehen die Bewohner der einen m den andern und sprechen, wir wollen ohne Unterlaß wandern, um das Antlitz Gottes zu erflehen, den Gott Zebaoth aufzusuchen, gehe auch ich. So kommen viele Völker und mächtige Na'ionen den Gott Zebaoth in Jerufcholajtm aufzusuchen und das Antlitz Gottes zu erflehen. — So hat Gott Zebaoth gesprochen: in jenen Tagen wird es geschehen, daß sich zehn Männer von allen Sprachen der Völker iu festem Zusammenhalt vereinigen und sich festhalten an dem Gewandzipfel eines jüdischen Mannes mit den Worten: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, Gott ist mit euch. (Secharjah. Cap. VIII. V. 20, 23.) Diese Aussicht ist trostreich und beseligend genug, um dem jüdischen Namen treu zu bleiben, wenn sich auch Spott und Hohn daran knüpft. Ist es füglich nicht besser, der Spott und Hohn, den man dem Juden entgegen bringt, knüpft sich an seinen Namen, als an seinen Träger? Wenn alle Schmul und Jtzig erst Götze und Isidor heißen, wird mau diese Namen allerdings nicht mehr zum Gespötte und Gelächter machen können, weil man sonst auch die Germanen und Teutonen mittrifft, die denselben Namen tragen. Aberdas verrotteteVorurtheil, der verjährte Rassenhaß ist doch einmal da. Wenn er an den absonderlichen jüdischen Namen sein Müthchen nicht kühlen kann, so muß er die jüdischen Götze und Isidore selber zum Gegenstand der Verachtung machen, er muß ihnen Ausbeuterthum, Charakterlosigkeit, Schacherstnn, Krämergeist und alles Mögliche und Unmögliche andichten, um einen Vorwand für seine Berechtigung zu haben. Die Jtzig und Schmul sind durch ihre Namen gezeichnet; für diejenigen, welche ihn abgelegt haben, muß man Lüge und Verleumdungen ersinnen, um Abscheu gegen sie zu erregen. Wenn wir Juden nicht mehr Juden heißen, gibt es allerdings auch keine Judenfeinde mehr, sie nennen sich daher Antisemiten. Was ist den jüdischen Weitlingen damit gedient? Sie haben damit ihre Lage nicht verbessert, sondern verschlimmert. Den Juden kann man ausziehen, den Semiten nicht. Wer uns wegen unserer Religion als Jude haßt, glaubt mit diesem Haß sein Ziel erreichen und uns zum Aufgeben unserer Religion zwingen zu können. Der Judenhaß glaubt den Gegenstand seines Haffes durch einige Tropfen

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