Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1895)
- Date
- 1895-01-10
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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kennt das Wichtigste aus der Erdkunde aus den Naturwiffenschaften und hat sich Kenntniffe aus dem Leben der Völker der alten und neuen Zeit erworben. Dieses große Gebiet in der verhältntßmäßig kurzen Zeit ihm zu erschließen, wird nur dadurch möglich, daß alles, was unwesentlich und entbehrlich scheint, ausgeschieden wird. Die hervorragenden Methodiker unserer Zelt find es, die bei der Bearbeitung der Leitfäden Mer rM,t oft bjtya im Auge haben. Dieser Grundsatz der Nützlichkeit kann sehr wohl, muß sogar, wenn wir nicht mithelfen wollen unser ererbtes Gut, die mm preiszugeben, auch im jüdischen Religionsunterricht unsere Richtschnur sein. Vielleicht, so wagen wir zu behaupten, würde es mit unserm religiösen Leben — und zu diesem ist ja Kenntniß der min Vorbedingung — in vielen Kreisen weit besser bestellt sein, wenn wir etwas weniger zu andersgläubigen Methodikern hinübergeschaut und uns Rath bei unfern Pädagogen, an denen wir gar nicht so arm sind und die noch den Vorzug haben, daß ihre Unterrichtsgrundsätze nicht ihrer Zeit, sondern allen Zetten gelten, geholt hätten. Wenn sie auch in grauer Vorzeit gelebt und gerade keine pädagogischen Werke geschrieben haben, so finden stch doch zerstreut Brosamen, die des Auflesens werth sind und uns aus der Verlegenheit retten könnten. Greifen wir darum nur einen Satz heraus, dessen Autor Rambam ist, in seinem mm nt^m niaVn ist er zu finden und lautet: vrbvn anaatp mina trb«' . mi'v^ pr n« a"kii inwio lan.v'in« ^'2L"i ns tya» mma .n-idj «apn «in nm pyi '*.ai Theile deine Zeit in 3 Theile, ein drittel sei der schriftlichen, ein drittel der mündlichen Lehre und das letzte drittel der Gemoroh gewidmet. Während dieser Meister nur kurz die ersten beiden benennt, giebt er erst, bevor er das dritte nennt, dem Gedanken der durch dieses zu erreichenden „formalen" Bildungssette Ausdruck. Und in solch prägnanter Kürze mag niemals ein anderer Pädagoge Stoff und Ziel eines so großen Unterrichtsgebietes angegeben haben. Auch erscheint auf den ersten Blick, daß Rambam in anaatp mm und in B'yar mm nur die Vorstufen und in jobj den Abschluß findet. Die ersten beiden drittel werden im allgemeinen in den meisten Schulen zur Geltung kommen und zwar im «rnm-Unterricht und in der Belehrung über die nw&. Aber auch das letzte drittel muß und kann seine Pflege finden und wenn auch, was wir uns nicht verhehlen wollen, nur sehr wenig darin geschehen kann, so ist es jedenfalls besser, als wenn gar nichts darin geschieht. Sein Vorzug besteht aber, abgesehen davon, daß durch diesen Unterricht das religiöse Leben gefördert wird, hauptsächlich darin, daß die Fortsetzung des Studiums auch nach dem Verlassen der Schule nicht ausgeschlossen bleibt. Wir können aber die bestehenden Verhältnisse, mit denen doch schließlich gerechnet werden muß, nicht mit einem Griff beseitigen, und bevor wir daran denken, dem Gemoroh Unterricht in der Volksschule das Wort reden zu wollen, dürfte es anzuziehen. In fast allen Uiterrtchtsgebteten sind wir bestrebt, den Schüler zum Denken anzuregen und in dieser Hinsicht bietet der jetzt gebräuchliche Religions-Unterricht sehr wenig. Das Übersetzen des Pentateuch ist meist mechanische Arbeit seitens des Schülers, die systematische Reltgionslehre steht noch zuviel auf die Wiedergabe auswendig gelernter Definitionen und sie nimmt mehr das Gedächtniß als die Denkkraft in Anspruch. Dazu kommt noch, daß in der einklassigen Schule — und eine solche haben wir im Auge — die früheren Jahrgänge sich vieles aneignen, was für die späteren bestimmt ist. Wenn darin gerade ein Vorzug zu sehen ist, so ist andererseits der Nachtheil, daß die Stoffe den Reiz der Neuheit verloren haben, doch auch zu beachten. Diese Bedenken würden im Mischna-Unterrkcht leicht beseitigt sein. Gedächtniß und Denkkcaft werden durch denselben gefördert. Welche Fülle von Gedanken werden durch eine gründlich behandelte Mtschna geboten, welche Mittel zur „denkenden Verknüpfung", um ein modernes pädagogisches Schlagwort zu gebrauchen, werden da gereicht! Selbst die Disciplin, die bekanntlich im Religionsunterricht schwer zu handhaben ist, würde durch diesen neuen Unterrichtszweig nur gewinnen, da immer neuer Stoff geboten werden kann, und die Aufmerksamkeit sich von selbst einstellt. Zu diesen Vortheilen kommt noch ein weit größerer. Das Heranwachsende Geschlecht wird doch etwas mehr mit der rabbinischen Literatur vertraut. Wenn heute ein Privatmann noch im Stande ist, eine unpunktirte hebräische Schrift zu lesen und zu verstehen, so wird er fast als ein neues Weltwunder angestaunt und das, was sonst Gemeingut aller Juden war, ist heute nur noch im Besitze einzelner Auserlesener. Wie viele, oder eigentlich, wie wenige gibt es heute noch, die Traktate iwn nam «dvi rmn und die miern-Briefe im »an mip^> kennen und diese waren doch sonst der jüdischen Männer Lektüre in dem großen Gottesmonat Tischrt. Diese auf dem Aussterbe-Etat stehenden Güter zurückzuerobern, darin sollte der heutige Religionsunterricht den Schwerpunkt seiner Aufgabe erblicken