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Der Israelit · 1895-01-10 · Heft 3 (10.1.1895) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 3 (10.1.1895)
Date
1895-01-10
Page
– (sequence 21)
Language
German
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JBer ^Jspaefii. Ceittral-Organ für das orthodoxe Judenthum. Alätter für die israel. Schule. 1«. Jan. 1895.] lNr. 1. Der Mischna-Dnterricht in der jiid. Volksschule nebst einer Lehrprobe von Lehrer M. Schweihei>Dor-eri. „Religionsunterricht und kein Ende" möchte man ausrufen, wenn man einen Ueberbltck hält über die zahllosen Konferenzvorträge, die Fluth von Schriften, die alle dieses in der jüdischen Schule zu pflegende Gebiet zum Gegenstand ihres Nachdenkens machen. Eine Fülle von beachtenswerthen Winken, von gediegenen Vorschlägen zur Besserung findet sich in diesen aus der Praxis hervorgegangenen Arbeiten, und sie bieten dem strebsamen Lehrer eine Handhabe in der Beherrschung'des Religionsgebietes und können nur zur gedeihlichen Förderung der isr. Schule beitragen. Andrerseits kann es aber nicht weggeleugnet werden, daß wir mit all den Reformen, und wenn sie auch die Prüfung, ob sie in den Rahmen allgemein gellender pädagogischer Grundsätze passen, bestehen, nicht durch den gebräuchlichen Religionsunterricht die Erziehung unserer Schüler zu tüchtigen gesetz. streuen Juden erreichen können. Darum wird auch dem daraus resultierenden Schluß, daß die Lehrstoffe im Religionsunterricht vielleicht nicht so beschaffen sind, um dieses Bedenken beseitigen zu können, eine gewisse Berechtigung nicht abzusprechen sein. Woran liegt es, daß des Lehrers beste Kraft und seine tiefste Ueberzeugung dessen, was er lehrt, es nicht hindern können, daß bei einem großen Theil seiner der Schule entwachsenen Schüler das Interesse für alles, was mit Religion zusammenfällt, theilweise, wenn nicht gar vollständig verloren geht? Es liegt einfach daran, daß zu wenig gelehrt wird, was bleibenden Werth hat. Wenn an biblische Erzählungen sich auknüpfende Belehrungen den Schüler mit gespannter Aufmerksamkeit aufhorchen lassen, wenn die in noch so farbenreichen Schilderungen dargestellten Lebensbilder großer Männer des jüdischen Volkes zur Begeisterung wecken, und wenn alles, was mit der Pfltchtenlehre zusammenhängt, in einer Weise den Schülern zu Gemüthe geführt wird, daß man glauben sollte, solche Lehren müßten für die Ewigkeit dem empfänglichen Kinderherzen etngeprägt sein: so lehrt uns doch die Wirklichkeit ein ganz anderes Bild kennen. Diese Eindrücke reichen gar oft nicht weiter, als bis der Vortrag beendet ist. Vergessen wird alles, weil neue Nahrung nicht zugeführt wird, und in späteren Jahren hört man oft die nichtssagende Phrase: ja, im Religionsunterricht sprach mein Lehrer großartig, die Stunden werden mir unvergeßlich bleiben. Fragt man aber darnach, wie cs bei diesen Schwärmern mit der praktischen Betätigung des Gelernten bestellt ist, so bekommt man eine Antwort, die zu jener Aeußerung im graffen Widerspruch steht. „Lehrer sein" heißt aber, um mit einem bekannten Pädagogen zu sprechen, „sich entbehrlich machen;" mit andern Worten: den Schüler so zu fördern, daß er später sein eigener Lehrer sein kann. Und das kann in der bislang üblichen Weise des Religionsunterrichts nicht erreicht werden. Die Jünglinge werden zu zählen sein, die, wenn sie nicht gerade durch ihren Beruf veranlaßt, später eini:ri zur Hand nehmen, um ihr Wissen zu bereichern, noch weniger junge Leute wird es geben, die über Reltgionsvorschr-sten Nachlesen, und schließlich gar keinem wird es einfallen, hebräische Grammatik zu studircn. Und diese machen doch den Hauptbestandtheil des Religionsunterrichts in der Schule aus. Vergleicht man dagegen die Resultate, die im profanen Wissen erzielt werden, so kommt das Gegenteil zum Vorschein. Ein mittelmäßig begabter Schüler nimmt heute ein abgerundetes Wissen mit ins Leben hinaus, so daß ihm die weitere Fortbildung ohne fremde Hilfe möglich ist. Er versteht den richtigen Gebrauch seiner Sprache, beherrscht das Zahlengebtet in seinen fürs practtsche Leben anwendbaren Beziehungen,

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