Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1895)
- Date
- 1895-01-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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41 Hand so leicht widerstehen und in nicht zu langer Zeit stand ein Gotteshaus da, dessen zweckmäßige und architektonisch schöne Einrichtung ein leuchtendes Beispiel für jüdische Opferwllligkeit bietet. ^^Die Fürsorge des.Jubilars erstreckt stch nicht nur auf die religiösen Interessen seiner Gemeinde, überall, wo es die hehren Güter mtsertt heil^ mivn gilt, steht Rabbiner Dr. Kahn rrttf in der ersten Reihe. Besonders ist es die religiöse Wohlfahrt der« jentgen Glaubensgenossen, welche stch bei der Fahne befinden, die stch Herr Dr. Kahn angelegen sein läßt. Die rituelle Verköstigung derselben, ihre Dkenstbefreiung an den jüdischen Festtagen 2c. sind der rastlosen Thättgkeit des Jubilars zu verdanken. Die Militärverwaltung, welche wiederholt Gelegenheit nahm, dem Herrn Rabbiner für feine rastlose Thätigkeit im Interesse eines intrigirenden Theils der Garnison zu danken, hat in Würdigung dieser Thätigkeit Herrn Dr. Kahn mit den Vorbereitungen zu dem Diensteide der jüdischen Rekruten betraut. Der Umstand, daß bei aller Festigkeit der religiösen Ueberzeugung Herr Dr. Kahn trotz der erbittertsten Kämpfe, welche die erste Zeit seiner Thätigkeit begleiteten, sich niemals zu leidenschaftlichen Handlungen und Aeußerungen verleiten ließ, seine bezwingende, wett und breit bekannte Herzensgüte, die Toleranz und Friedfertigkeit der Gesinnung haben ihni auch in den Kreisen der religiösen Gegner die höchste Zuneiguttg errungen. Diese Toleranz der Gesinnung, welche selbst dem Verblendetsten die Augen öffnen mußte, ob dem Märchen von „der fanatischen^Orthodoxte" hat der gesetzestreuen Sache mehr genützt, als mancher ahnen wird. Wir haben versucht einen knappen Ueberblick über die Entwickelungsgeschichte der Gemeinde zu geben, deren Jubiläumsfeier am künftigen Sabbat »rm begangen wird, versucht auf die unsterblichen Verdienste ihres genialen Leiters hinzuweiseu. Möge der Erfolg der Wiesbadener Separatgemeinde alle die zum ungesäumten Handeln ermuntern, die auch in ihrer Mitte die angestammte Lehre gefährdet sehen. Diejenigen,kwelche Gesundheit, Zeit und Geld in die Schanze schlugen für die Ehre der Thora und heute zum großen Theile unter dem grünen Rasen schlummern; sie werden den himmlichen Lohn finden, daß sie ihre Kräfte in den Dienst der heiligen Sache gestellt. Der Wiesbadener alt-israelit. Gemeinde aber, und ihrem wackren Vorstand rufen wir ein kräftiges posi p:n zu. Mögen sie nie das hohe Ziel aus den Augen verlieren, für das ihre Gründer unter Hintansetzung ihres persönlichen Jchs gekämpft, gestritten und gelitten. Möge jedem Einzelnen stets dieses hohe Ziel der gemeinsamen Sache vor Äugen schweben und möge im Hinblick auf dieses Z el nie ünd nimmer kleinliche Zänkereien in der Gemeinde Eingang finden, wie fie leider so oft in jüdischen Gemeinden zu finden sind. Und schließlich noch ein Wort an den ehrwürdigen Jubilar. Eine bet früherer Gelegenheit von ihm kundgegebene Bitte „von jeder Referirung über seine Thätigkeit abzusehen", hatuns bestimmt, nur das von seinem verdienstvollen Wirken hervorzuheben, was Mit dem Jubtläumsbertcht der Gemeinde in untrennbaren Eonnex steht; dagegen von den zahllosen Verdiensten VeS Juatlars um das Ges ammtw o h l zu schweigen. E r aber, der über den Wolken thront, der D^y >vyv tot, er wird dieser Verdienste gedenken. Möge Er den wackeren Gottesstreiter seiner Gemeinde und dem ganzen Judenthum noch lange lange ungezählte Jahre erhalten, und ihn in ungestörter Gesundheit und in ungetrübtem Glücke die 50. Wiederkehr des Gedenktages erleben lassen! Zeitungsnachrichten «ud Gorrespoubeuzen. Deutschland. AuS Giessen. Wir werden um Ausnahme folgender Zuschrift ersucht: Indem ich mich hiermit als den Verfasser und Einsender des Artikels „ans Gießen" in Nr. 101 des verwichenen Jahrganges bekenne; liegt es mir ferne, mit Herrn Kaufmann, dem Lehrer der neumosaischen oder neuen mosaischen Gemeinde Schotten, wie er corrigirend schreibt, wegen der von ihm in Nr. i des neuen Jahrganges bezüglich meiner geschehenen Aeußerungen rechten zu wollen: noch weniger werde ich mich herbeilassen, mit ihm wegen der mir fälschlicherweise zugeschrtebenen Aeutzerung zu rechten. Ich halte das, geradezu gesagt, unter meiner Würde, und beschränke mich darauf wiederholt zu erklären: Einen Reltgionslehrer, der auf den ihm gemachten Vorhalt, warum er trotz geschehener kreisamtlichen Verwarung, keine Trauung zu vollziehen, dennoch eine solche in der Synagoge zu Schotten verrichtet habe, zu Protokoll erklärt: (ich citire ipsissima verba) „Bei der hier gestern stattgefundenen Trauung! „sei eine rituelle Trauung ganz unterblieben, „er habe da nur eine Ansprache gehalten und „einige Segenssprüche gesprochen," einen Lehrer, der stch das erlaubt, erachte ich für unwürdig, das Amt eines Religionslehrers, VorbeterS und Schächters zu bekleiden. Rabb. Dr. Levi. Berlin. Ehren-Ahlwardt ist im Gefängnis nicht klüger und besser geworden, er redet und schreibt noch immer in Hausknechtsmanier. Wie er seinen Anhang bearbeitet, dafür liefert der Artikel „Der Reichstag — eine Komödie!" in Nr.