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Der Israelit · 1895-01-10 · Heft 3 (10.1.1895) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 3 (10.1.1895)
Date
1895-01-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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fanen Kenntnissen des junqen Rabbinen, neben seinem edlen, innig religiösen Charakter und seiner bedeutenden oratorischen Kraft war cs hauptsächlich die glänzend erprobte pädagogische Tüchtigkeit, die s. Zr. hei der Wahl Kahn's ausschlaggebend war. Galt es doch vor allen Dingen den so arg darniederliegenden Religionsunterricht zu heben. Wochen und Monate lang hatte in Wiesbaden jeder geregelte Unterricht gefehlt. Man hatte in gewissen Kreisen ganz richtig kalkulirt, daß da, wo Thora ist, die Reform keinen Eingang finden kann, da „der kleinste Knabe mit dem Mischnafis in der Hand den Spitzfindigkeiten des größten Reformrabbtners entgegenzutreten vermag". Mit Eifer und Fleiß ging Herr Dr. Kahn an's Werk, und was er in diesen 25 Jahren für die jüdische Schule geleistet, wie er eS verstanden hat die unverfälschten Ideen des väterlichen Vermächtnisses in die Herzen seiner Schüler zu träufeln, das bekunden uns jene hunderte und aberhunderte seiner Schüler, die heute zum Theil einen intregirenden Bestandtheil der Gemeinde bilden, zum Theil in den verschiedensten Weltgegendrn im Sinne ihres hochverehrten Lehrers wirken. Auch zahlreiche Mitglieder dcr Rcformgemeinde vertrauten thre Kinder der orthodoxen Schule an, was ebenso das Zutrauen, das man dem jungen Rabbiner entgegenbrachte, bezeugt, wie cs für die erfreuliche Thatsache spricht, daß selbst in den Kreisen der Wiesbadener Judenschaft, die äußerlich nicht mehr mit dem angestammten Glauben verbunden schienen, der Sinn für die hehren Ideen unserer betl. Lehre noch nicht ganz ausgestorben war. — Dem Wiesbadener Reformrabbiner war diese orthodoxe Schule ein Dorn im Auge. Sich auf das naffautfche Gesetz berufend, das dem Bezirks-Rabbiner das Recht der Religionsinspcctton zusteht, suchte er die Schule des Privatlehrers Leo Kahn" (wie er den Jubilar in seinen Zuschriften an die Regierung titulirte) unter seinen reformirenden Einfluß zu bringen. Herr Dr. Kahn erfuhr aber von den Süßktnd'schen Eingaben und erlangte Sistirung der durch den Reformrabbiner eingeführten Schulinspection. Aber nicht allein gegen die Schule, sondern auch gegen die andern Institutionen suchte man von reformrabbinatlicher Seite anzustürmen, wie denn überhaupt die ersten Jahre der Kahn'schen Thätigkeit einer fortgesetzten Reihe erbitterter Kämpfe ausgesetzt waren. Um die orthodoxe Sache zu dtscreditiren wurde in öffentlichen Blättern der Schochet der jungen Genossenschaft verdächtigt und verleumdet. AuS der Flut von Zeitungsstimmen, welche s. Zt. zu diesen Denunctattonen Stellung nahmen und welche sonst ausnahmslos die traurigen Machinationen beleuchten, die sich die Reform ehemals gegen die Orthodoxie gestattete, wollen wir hier nur zweier Aeußerungen kurz gedenken. Da diese beiden Aeuß.rungen die einzigen, christlichen Ursprungs sind, geben sie Kunde, wie das kleine orthodoxe Gemetndewesen in dcr kurzen Zeit seines Bestehens es verstanden hatte, bei der christlichen Mitwelt die lebhaftesten Sympathien zu erobern, während die blinde Berfolguogswuth der Reform trotz deS liberalen Mäntelchens bei der nichtjüdischen Mitwelt sich von Tag zu Tag verächtlicher machte. Auf die von reformrabbinatlicher Seite ausgegangencn Denunciationen gegen den orthodoxen Schauchet hin erklärten nämlich fast sämmtltche Metzger Wiesbadens, (die rituelles Fleisch führten) „daß sie gerade in der Aechtung des qu. Schauchet von Seiten des Reformrabbiners die beste Gewähr für die Vertrauenswürdigkeit desselben sähen", und ein heute noch lebender bekannter Salyriker benutzte den Vorfall, um seine Lauge des ätzendsten Spottes über den verfolgungssüchtigen Rcformrabbtner zu gießen. Auch die sämmtlichen rabbinatlichen Funktionen des jungen orthodoxen Rabbiners sollten von der Gegenseite soviel als möglich gehindert werden, und wenn die Regirung auf die ihr zahlreich zur Verfügung gestellten Pläne zur Unterdrückung der orthodoxen Sache, sowie auf die Pläne, welche die Rabbtnen der orthodoxen Separatgemeinden in der Ausübung ihrer rabbinatlichen Funktion hindern sollte, nicht einging, so ist die Schuld daran in keiner Weise den damaligen Organen HerWcform zuzuschreiben. Das Austrittsgesetz, welches die orthodoxen Gemeinden der Bevormundung der Reformrabbiner entzog und an dessen Zustandekommen, wie erwähnt, Herr Dr. Kahn thätigsten Antheil hat, machte endlich den jahrelangen Bedrückungen und Quälereien ein Ende mit denen die Reform von damals die orthodoxen Rabbinen und ihre Gemeinden, Schulen und Einrichtungen zu unterdrücken suchte. Nachdem durch dieses Gesetz die äußere Stellung des jungen Wiesbadener Gemeinwesens gesichert war, galt es die Festigung des inneren Ausbaues. „Durch den Austritt" war die Beschaffung eines neuen Begräbnißplatzes nothwendig geworden. Die stetig wachsende Mitgliederzahl machte den Bau eines neuen Gotteshauses nothwendig und mit des Himmels Hilfe gelang es beiden Bedürfnissen in^vorzüglicher Weise Rechnung zu tragen. Was den Bau der Synagoge betrifft, die für die Gemeinde eine Existenzfrage bildetet so hatte Herr Dr. Kahn mit bekannter Selbstverleugnung sich persönlich den Mühen und Beschwerlichkeiten einer großen Collectenreise unterzogen. Der beredten Bitte des gefeierten Rabbinen konnte keine

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