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Der Israelit · 1895-01-10 · Heft 3 (10.1.1895) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 3 (10.1.1895)
Date
1895-01-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVD^Jahrgang. Erste feilngt ju M 3 des „Israelit^. Leitender Artikel. Zum Jubiläum der Att-Israetiti scheu Kuttus Gemeinde in Wiesbaden zugleich Amts-Jubiläum ihres Rabbiners Dr. L. Kahn. Fünfundzwanzig Jahre sind vorüber. Es ist behauptet worden, daß innerhalb derselben die äußere Stellung des Judenthums keine Förderung erfahren hat. Dagegen können wir mit stolzer Befriedigung konstatiren, daß das letzte Vterteljahrbnndert eine wesentliche innere Erstarkung und Festigung unsrer heiligen Religion im Gefolge hatte, daß das religiöse Leben in Schule und Gemeinde, sich einer Kräftigung erfreuen durfte, die vor 3 Jahrzehnten für schier unmöglich gehalten wurde. Schien doch damals — dank der Thätigkeit gewisser Herren — gar manchem Reformer die Zeit für gar nicht mehr fernltegend, wo der letzte tefillinlegende Jude sich als ein Schaustück aus Jahrmärkten zeigen konnte. Die Hoffnung der reformistischen Weltbeglücker sollte sich jedoch nicht erfüllen. Je mehr man das althergebrachte, einzigechte und unverfälschte Judenthum zu unterdrücken suchte — und dies durch Mittel, die gerade nicht immer legal waren, — desto eifriger wurde von den dem Alten treugebliebenen Glaubensgenossen, die Mittel und Wege erwogen, die zur Conservirung des Traditionellen geeignet waren. — Mit seltener Opferwilligkeit wurden von ihnen separate Synagogen gegründet, neue Religionsschulen eingerichtet und die verschiedenen Einrichtungen neu instttuirt, welche von einem echt jüdischen Gemeindewesen unzertrennlich sind. Die Reformer aber, welche in diesen orthodoxen Separat-Jnstitutionen das Ziel gefährdet sahen, welches sie mit der Reformirung der Gemeinde erstrebt hatten, bemühten sich nun auch diese mit großen Opfern gegründeten Separat- Jnstitutionen unter ihren nivellirenden Einfluß zu bringen. Sie suchten die Benutzung dieser neu gegründeten orthodoxen Einrichtungen zu verhindern, oder doch zu erschweren. Erst das sogenannte „Austrittsgesetz" v. I. 1876 entzog die orthodoxen Separatgemeinden dem unheilvollen Einfluß ihrer reformwüthigen Bedränger. Die erste preußische Gemeinde, welche unter dem Druck der Verhältnisse von diesem Austrittsgesetz Gebrauch machte, ist diejenige, deren fünfundzwanzigjähriges Jubiläum diese Zeilen gewidmet sind. Dem hochverdienten Jubllar aber, der als der geistliche Hüter dieser Gemeinde sungirt, verdanken wir nicht zum Wenigsten das Zustandekommen des qu. Gesetzes, welches eine Existenzfrage für das orthodoxe Judenthum bildete, und' welches auf die Wtedererstarkung deS gesetzestreuen Judenthums von so hervorragender Wirkung sein sollte. Die kühle Erde deckt den größten Theil jener Wackeren, die auf Veranlassung des Heimgegangenen Begründers dieser Blätter sich zusammen schloffen, um den reformirenden Absichten des damaligen Wiesbadener Bezirksrabbtners entgegenzutreten. Nur wenige Personen waren es, die den Grundstein zu dem großen Gotteswerke legten: die Herren Abraham Stein, Vorsitzender, Gers. Mayer, Hofagent Löb, A. Liebmann, Mos. und Jos. Wolf, Jak. und Ad. Strauß, Jask Baer, Abr. Kahn 'v □ rfcy und D’Ti i'2 b^irb, die Herren M. S. Löwenthal, Jsr. Strauß, M. und S. Baum, Mos. Sulzberger, S. Blumenthal, H. Callmann u. a. Als ihren Führer beriefen diese Herren: Herrn Rabbiner Dr. Kahn, der, nachdem er lange Jahre zu Füßen des Heimgegangenen Oberrath Altmann und des seligen „Würzburger Raws" i,"8i gesessen hatte, z. Zt. bei Herrn Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer rrwri vd* tijt h und bei den nun ebenfalls Hingeschiedenen Rabbtnatsaff^fforen Michael Landsberg und Elchanan Rosenberg sein talmndischeS Wissen erweiterte. Der ausgesetzte Anfangsgehalt für den Rabbiner konnte freilich nur wenige hundert Gulden betragen. Wer aber bedenkt, daß die paar Leute, die s. Zt. die altgläubige Gemeinde bildeten, nicht nur für die gesammten Kosten eines selbstständigen KultuS aufzukommen hatten, sondern auch noch ihren pekuniären Verflichtungen gegen die Reformgemeinde Nachkommen mußten, dem gelten diese paar 100 Gulden als ein eben so glänzender Beleg für den Opferstnn der kleinen Gemeinde, wie für die Selbstverleugnung ihres Rabbiners. — Dr. Kahn suchte nicht, wie so mancher College vor und nach ihm unter Opferung seiner Ueberzeugung durch eine fette Pfründe sich ein Equivalent zu verschaffen für die gehabten Opfer an Zett und Geld eines jahrzehntelangen Studiums. Als Borbild eines echten 2^ im alten Sinne, galt es ihm in erster Linie Dtfn vnpv zu sein und n i e, wie wir nebenbei bemerken wollen, während seiner langen Amtsdauer hat er die Gehaltsfrage zum G-egenstand einer Erörterung gemacht. Neben den gediegenen talmudischen? und pr 0

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