Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1895)
- Date
- 1895-01-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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„Und ihn habe ich gebeten, Willy aufzusuchen und ihn zu veranlassen, seine diesjährigen Ferien doch im Elternhause zu verbringen," klagte Anny. „Dann hast Du Dich wirklich an eine falsche Adresse gewandt," sprach lächelnd der Anwalt. „Willy und Kurt Sänger stnd verschieden von einander wie Tag und Nacht." ^lÜ68 extremes se touellent," warf die Mama ein; „vielleicht ist er dazu bestimmt, Willy auf den rechten Weg zurückzuführen." Bald war der junge Sänger und sein Besuch vergessen, denn wichtigere Dinge .beanspruchten das Interesse Annys. Die Mutter war sehr krank geworden und bedurfte der sorgfältigsten Pflege. Der Anwalt wollte eine Krankenpflegerin nehmen, aber Anny ließ es nicht zu. Im Vereine mit Fanny pflegte sie die Mutter und stand dem Haushalt vor, so daß sie täglich abwechselten. Das Leiden der Mutter war ein sehr schweres, schmerzhaftes und mit Engelsgeduld ertrug sie die Schmerzen ohne zu klagen, damit der Kummer ihres Kindes und ihres Mannes nicht noch größer werde. Die Aerzte schlugen endlich eine schwere, lebensgefährliche Operation vor, und der Anwalt war ganz gebrochen, als er vor die schwere Entscheidung gestellt wurde. Er vermochte es nicht, Anny den Bescheid der Aerzte mitzutheilen und bat seinen alten Hausarzt, dies an seiner Stelle zu thun. Anny war gefaßt, als ihr der Arzt die Nothwendigkeit auseinandersetzte, die Mutter einer Operation zu unterziehen. Sie war stark im Gottvertrauen und wußte sich in das Unvermeidliche zu fügen. Als sie an der Hand des Arztes zum Vater in das Zimmer trat und das bleich/abgehärmte Gesicht desselben erblickte, traten ihr doch die Tbränen in die Augen und den Vater umschlingend, sagte sie: „Gott wird helfen, lieber Vater. Er wird die Hand des Arztes führen, daß sie meinem Mütterchen Heilung und volle Gesundheit bringe." „Aber Kind, die Gefahr! Hat Dir der Arzt auch mitgetheilt, wie gefährlich die Operation ist." „Gewiß mein Vater; aber ist unser Leben nicht stets in Gottes Hand, und ist es nicht unsere Pflicht zu thun, was in unserer Macht steht, um der tückischen Krankheit Einhalt zu thun. Der liebe Gott wird unsere Mutter die Operation glücklich überstehen lassen. Mama selbst wünscht die Operation und der Arzt hofft das Beste von derselben." „Aber wenn Deine Mutter an der Operation sterben würde. —" „Denke nicht daran, mein Vater. Unser aller Leben steht in Gottes allmächtiger Hand — was Er thut, ist wohlgethan." So tröstete das tapfere Mädchen, trotzdem sein Herz schwer und beklommen war gleich des Vaters. War sie alleine, so ließ sie ihren Thränen freien Lauf und warf sich vor ihrem Gotte nieder und flehte ihn an um Hilfe, Heilung und Genesung für die kranke Mutter. Der Anwalt hatte Willy mitgetheilt, daß sich die Mutter einer schweren, lebensgefährlichen Operation unterziehen müsse, und ihm den Wunsch derselben, ihn zuvor einmal sehen zu können, mitgetheilt. Aber er erhielt keine Antwort, und Willy kam nicht. (Fortsetzung folgt.) Der ,L I r a «l i t" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstags, jede»mal in mindesten» zwei Vogen. Preis de» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich IS ReichS-Mark, für'» Ausland 1» Reichs-Mark. Man abmmirt ganzjährig, halbjährig »der vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Dnchhandrt M kqtchr» dri E. /. Dtrtuackrr. Lripflg, Daßplatz IS. — Inserate SS Pfennig die virrgespaltene Pctttzeile »der deren Rau». — Vcsterreichtsche Banknoten laut Courö. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. 91m fHbffenfcttst v»« au die Redaktion eingefandte« Maarrscripte« findet nicht statt, »an dittet daOhald sich v»u alle» Einfendnngen eine Copie znrückznbe halte». Inhalt (Hauvtblatt): Leitender Artikel: Die Zeichen des wahren Erlösers. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Mannheim. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Italien. — Vermischtes. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der erste« Beilage: Leitender Artikel: Zum Jubiläum der Alt-Israel. Eultusgemeiude in Wiesbaden zugleich AmtS-Jubiläum ihres Rabbiners Dr. L. Kahn. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Gießen. Berlin. Breslau. Hamburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Inhalt der zweite» Beilage r Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Dresden. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: HalaS. — Rußland. — Vermischtes. Inhalt der Pädagog. Beilage: Der Mischna-Unterricht in der jüd. Volksschule nebst einer Lehrprobe von Lehrer M. Schweitzer-Norden. — Zur Lebensversicherung israelitischer Lehrer. Von Moses Katz in Hagenbach. — Conftituierende und erste Generalversammlung deS Vereins der Rabbiner u. jüd. Lehrer in Rheinland u. Westfalen am 26. Dez. 1894. — Berlin. verantwortliche Redaktion: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage».