Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1895)
- Date
- 1895-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Rang und Ansehen erscheint durch all die Machenschaften compromittirt, welche die Ehre Italiens fortzuspülen drohten. Es gibt viele jüdische Politiker, Parlamentarier, Journalisten und Finanzmänner in Italien, aber auch kein einziger hat in diesem großen moralischen Banquerott feine Ehre eingebüßt. Was wir mit dieser Constatirung dieser Thatsache wollen? Nun, wir sagen es mit aller Ruhe: Es fällt uns keinen Augenblick ein, aus dem Umstande, daß kein Jude in diesem Pfuhl der Schande seinen Profit gesucht, einen Glorienschein für das Judenthum und seine Bekenner zu weben. Wir wollen nämlich nicht in den Fehler der Judenhasser aller Zeiten verfallen, die für die Fehler Einzelner die Gesammtheit verantwortlich machen, die für die Missethat des Einzelnen eine ganze Glaubensgenosseuschaft büßen lassen wollen. Wir wollen nicht rühmredig auf das Verdienst einzelner Juden Hinweisen, um alle Juden zu preisen und zu verherrlichen, wir wollen nicht alle Juden des Ecdenrundes als fleckenlose Catone und Bekämpfer der Corruption hinstellen, weil Panamino — judenrein geblieben ist. Das Generalifiren ist die gefährlichste und absurdeste Art der Beurtheilung. Wenn die St'mme der Vernunft und Logik die geringste Wirkung auf die Wortführer der Antisemiten üben könnte, dann würden wir hoffen dürfen, daß Panamino allein hinreichte, sie zu überzeugen, daß sie bisher nur auS blindem, gehässigen Vorurtheile die Juden verfolgten. Woraus besteht denn der ganze Antisemitismus? Wir können es nur wiederholen: Einfach darin, daß die Judenfeinde für Thaten und Gesinnungen eines einzelnen Juden, woferne diese ihnen verdammenwerth erscheinen, wahllos alle Juden verantwortlich machen. Müßten sie nicht bei einem Funken von Logik unter Umständen auch dazu gelangen, wegen der edlen That und Gesinnung eines einzelnen Juden, alle Juden zu verherrlichen? In den französischen Panama-Enthüllungen hat der Jude Cornelius Herz eine große Rolle gespielt. Flugs schrieen die Antisemiten: Panama ist daS Werk der Juden, Panama ist der Beweis für die Corruption aller Juden. Gelegentlich der italienischen Panamino-Enthüllungen traf kein schmutziger Tropfen einen Juden. Müßten die Antisemiten nun nicht logischermaßen schreien: Die Juden sind alle Helden der Moral, frei vom Schmutz der Corruption? Das ist aber die schmachvolle, verwerfliche, verdammenswerthe Moral der Antisemiten, so schreibt die „Neuzeit", daß sie ungerecht genug sind, lieber für die schlechte That eines Einzigen Tausende zu Haffen, als für die guten Thaten Tausender auch nur einen milder zu beurthetlen. Die Antisemiten generalifiren, aber nur im bösen Sinne. Sie versündigen sich dadurch im gleichen Maße gegen Logik und Vernunft, wie gegen Gerechtigkeit und Humanität. > Vermischtes. Mannheim, im Januar. Vor einigen Tagen starb hier der 82 Jahre alte einer. Lehrer Salomon Hil polstern er. Derselbe war früher jin und Lehrer in Dü rarstem (Rheinpfalz) an der Elementarschule und lebte hier bei seiner Tochter, Frau Baum, sorgenlos, geachtet und allgemein geehrt. Er eignete sich in seiner Jugend auf einer rD’ttf’ in seinem Heimathlande Altbayern viel jüdisches Wissen an und als Lehrer später pädagogische Disciplin, wodurch er die Anerkennung seiner Vorgesetzten Schulbehörde sich erwarb. Er war ein gewissenstreuer Lehrer, aufrichtiger College, in Thun und Lasten ein guter Hin’ und ehrenhafter Charakter. jon nstPD dpieo ndi QHitf v p 'm lDt? nvw. Wie wir hören, erscheint bei Gergonne u. Cie., Berlin W. 35, in allernächster Zeit von dem durch seine Real- Encyclopädie für Bibel und Talmud bekannten Oberrabbiner Dr. I. Hamburger eine Broschüre, die eine „geschichtliche, objektive Darstellung des Lebens, Wirkens und Todes des Stifters der christlichen Religion," enthalten wird. Der gelehrte, durch große Objectivität ausgezeichnete Verfasser, wird in dieser Schrift den Nachweis erbringen, daß der Stifter der christl. Religion nicht auf Veranlassung der Juden gekreuzigt worden ist, sondern daß diese That einzig dem römischen Prokurator Pontius Pilatus zur Last fällt. Petersburg, ö. Januar. Die Judenfrage soll demnächst entschieden werden. In erster Linie ist es der Finanzminister, der auf ihre Regelung drängt, indem er geltend macht, daß der russische Handel durch die Maßregeln gegen die Juden schwer gelitten habe. Wie es heißt, würden demnächst neue Bestimmungen in Kraft treten, nach denen es den Juden gestattet sein soll, überall in Rußland ungestört zu wohnen. Aus OstfrieSlaud, 2. Januar. Es verdient in heutiger Zeit hervorgehoben zu werden, wenn ein Nicht jude sich bemüht, öffentlich und aus eigenem Antrieb das Vorurtheil gegen Juden und Judeuthum in Wort und Schrift zu bekämpfen. Ein solch' edler und selbstloser Mann ist der Volksschullehrer van Jindels in Ditzum-Hammrich, welcher in dem zu Weener erscheinenden Blatte „Rheiderland", das ihm von desten christlichen Verleger hierzu bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurde, seit einiger Zeit unter der Ueberschrift „Perlen aus dem Talmud" Sittensprüche und Parabeln aus dem Talmud und Midrasch in poetischer Bearbeitung und Darstellung erscheinen läßt. Herr Landrabbiner Dr. Löb in Emden, an den er sich nach dem Erscheinen der ersten Serie um Mittheilung von weiteren Sprüchen rc. aus dem Original gewendet hat, wird dem wackeren Manne dieselben selbstverständlich zur Verfügung stellen und ihn auch auf die vorhandenen Anthologien Hinweisen. Feuilleton. Nur eine Tochter. K» Erzählung von H. Berger. 9.) (Alle Rechte Vorbehalten. In ihrer Mutter fand Anny einen schätzenswerthen Beirath bei dieser Arbeit und gar manchen