Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-01-10 · Heft 3 (10.1.1895) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 3 (10.1.1895)
Date
1895-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448563--39984-2488876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

41 in Kolin in Böhmen im Jahre rrypn. Die jüdischen Verhältnisse in Böhmen scheinen wohl zu jener Zeit anders beschaffen gewesen zu sein als heute; denn während heute dort nur von sehr Wenigen der Versuch gemacht wird, ihre Kinder zum min Studium heranzubilden, gab es zu jener Zeit — mit wenigen Ausnahmen — keinen jüdischen Vater, der sein Kind nicht von frühester Jugend auf mirf> nToyVi erzogen hätte. So auch wurde mein pson von seinen mit Nahrungssorgen kämpfenden gottesfürchtigen Eltern trotz ihrer Armuth zum rnin- Studium herangebildet. Er hatte unter dem Drucke so mancher großen Entbehrungen zu leiden, die ihm angeborene Tugend des Gottvertrauens jedoch half ihm sich immer den jeweiligen Verhältnissen zu fügen und jede Schwierigkeit zu überwinden. Und diese herrliche, beneidenswerte Gottesgabe des Vertrauens auf n"3pn, — ermuthigte icsn paan den bereits betretenen Pfad weiter zu wandeln, und seinen Beruf auch zur Ehre und zum Wohle seiner Glaubensgenossen zu vollenden. Im Alter von 31 Jahren lenkte er die Aufmerksamkeit der SurLnyer Gemeinde auf seine Person; aber nur nach vielem Zureden hervorragender Rabbinen war er zu bewegen, diese Wahl als Rabbiner anzunehmen. Im Laufe seiner Wirksamkeit verfaßte er auch seine bekannten Werke D«n p -pn 'uipH, in welchen jedoch der Name des Verfassers, ebenso der Ort seiner Wirksamkeit aus Bescheidenheit verschwiegen wurde. Das Werk zeigt von eminentem Fleiße und von durchdringendem Scharfsinne. Während seiner Tätigkeit hatte er auch so manchen Kampf zu überstehen, und war es erst im Jahre 1883, als sich in seiner Gemeinde eine Strömung geltend machte, die auf jeden ehrlichen Jehudi beschämend wirkte. Einige einflußreiche Mitglieder der benachbarten Gemeinde Neuhäusel versuchten ihre reformbestrebenden Ideen, in das Lager der orthodoxen Gemeinde Suräny zu verbreiten. Leider fanden sich sogar einige Mitglieder, die dies Unterfangen unterstützten und — der Verbreitung dieser unheilvollen Pläne Geltung verschaffen wollten, wenn dies nicht rechtzeitig von competenter Stelle vereitelt worden wäre. Die orthodoxe Durchführungscommisston entsendete zur Schlichtung der aufgetauchten Zwistigkeiten seinerzeit den vor einem Jahre verstorbenen Sekretär der Budapests aut. orthodox, isr. Gemeinde Simon Löffler b">, welchem es auch gelang durch umsichtiges, taktvolles Eingreifen die Gemüthcr zu beruhigen und die Ordnung und Ruhe in der Gemeinde wieder herzustellen. Die "iSn fand Donnerstag den 27. in Anwesenheit von an 2000 Fremden — außer den Einheimischen — statt. Laut nxns durfte ihm Niemand nvvn einen ibdh halten, man beschränkte sich daher vor der mne vor der versammelten Menge die sehr interessante, vor 10 Jahren verfaßte .im« zur öffentlichen Verlesung zu bringen. Mit der Verlesung wurde Sr., Ehrw. Herr Oberrabbiner Kopel Reich aus Budapest betraut; einige Bemerkungen des Rabbiners während des Vorlesens hatten eine solche Wirkung auf die Anwesenden, daß kein Auge thränenleer blieb und alles unter Schluchzen seiner Trauer Ausdruck verlieh. Die wichtigeren Punkte der rw« sind: daß ihn d>w vom Letchenhause bis in das pr^y np auf dem Rücken tragen sollen, ferner eine Mahnung an seine Gemeinde bei der Wahl seines Nachfolgers auf das orthodoxe Prinzip sehr zu achten, und schließlich daß sein ]dn aus seinem Tische, auf welchem er 40 Jahre hindurch mina poiy hat gewesen, verfertigt werde. Auch die städtischen Behörden waren corporativ erschienen; zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und zur Vermeidung von zu großen Ansammlungen waren seitens der Stadt Ehrenpolizisten entsendet. Der Verstorbene hinterließ eine Wittwe, — Kinder hatte er keine — welche über diesen herben Verlust untröstbar geworden. Möge uns der Allmächtige vor derartigen Schicksalsschlägen in der Zukunft schützen, und unseren Frommen und Gerechten ein langes Leben angedethen lassen. — n-awn. Heinrich Löffler. Italien ist von einer fürchterlichen Katastrophe heimgesucht. Die hervorragendsten Männer des Staates, ja selbst der Ministerpräsident Crispi stehen unter der schmählichsten Anklage, die Männer treffen kann, welche von dem Vertrauen des Monarchen und des Volkes ausgezeichnet, die Ehre des Landes und der Nation repräsentiren. Wer die Zügel des Staates lenken will, der muß reine Hände haben, Hände, die fleckenlos geblieben von Bestechung und unreinem Gewinn. Auch nicht der Schatten des Verdachtes dürfte an einen Crispk^> heranreichen, aber es ist mehr als ein Verdacht, es v ist fast eine Sturzfluth von Anklagen und Beweisen, die gegen ihn vorltegt und man nennt mit ihm noch eine lange, große Reihe von Persönlichkeiten, deren Name iu der compromittirendsten Weise mit den Geschäften der Banca romana vrrknüpt sind, jener Bank, welche dem italienischen Staate 80 Millionen — und die Ehre Crispi's kostet, der von diesen Millionen einen kleinen Bruchtheil für sich und seine jugendlich schöne, elegante, putzfüchtige Frau Lina erhalten haben soll. In dem Panamino, dessen Schaumwellen über die Ehre so vieler hervorragender Staatsmänner, Politiker, Journalisten und Finanzminister zusammenschlägt, hat auch kein einziger Jude eine irgendwie nennenswerthe Rolle gespielt. Kein Jude von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.