Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1895)
- Date
- 1895-01-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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-^ v r Bl lehrreichster Weise unter Bezugnahme auf Talmudstellen im Chanuka-Abschnitt und würzten so das Festmahl mit ihren geistreichen Worten. Eine herrliche Festgabe widmete Herr stud. Jsac Unna in einem pcetischem Festgruße, in welchem er, auf den Namen Ohave-Emet anspielend, in hochbegeisterten Worten die Aufgabe Israels, seine Leiden und seine Zukunft feiert. Es wechselten dann noch kleinere humoristische Vorträge und Toaste mit einander ab, in welch letzteren die Sympatien für den Verein und die Anerkennung für die Leistungen in demselben zum Ausdruck gelangten. Als die angebrochene Mitternacht zum Schluffe mahnte, brachte man das pv'ni rcna zur Auktion nach amerikanischem System, wobei ein Erlös von M. 40 zu Gunsten des Vereins erzielt wurde, welcher Akt noch viel zu Erheiterung beitrug. Man trennte sich in dem Bewußtsein ein schönes Fest gefeiert zu haben, und mit dem Wunsche, solcher noch viele theilhafttg zu werden. Sprechfaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) In Nr. 47 und 48 der Jdnth-Zeitung finden wir eine große Jeremiade von Dr. W. über die selig oder unselig entschlafene Synode. Ob dies nur ein isrm sein soll oder ein Appell an die jüdischen Gemeinden, diesen Hokuspokus noch ein Mal zu veranstalten, vermögen wir nicht zu entscheiden. Wiewohl nun gegen einen Verstorbenen die Pflicht besteht, de mvrtuis nil nisi deue, so sind wir hier außer Stande, diesem Grundsätze nachzukommen, da wir leider gar nichts Gutes von derselben wissen. Jedoch wollen wir eigentlich auch nicht von der Synode reden, sondern nur einige Randgloffen zu deren Seligsprechung durch Herrn Dr. W. machen. Als Tugend wird es derselben angerechnet, daß die Reformen, welche die Synode erstrebte, keiner Gemeinde aufgedrängt wurden. Hatte die Synode etwa Polizeigewalt, dies thun zu können? Und, fragen wir, hätte sie diese gehabt, würde sie etwa keinen Gebrauch davon gemacht haben? Wir führen nur Frankfurt a. M. und Fürth als Beispiele an. Wie wurde in Frankfurt a. M., ehe das Jahr 1848 Luft schaffte, förmlich gegen die dem Gesetze treu gebliebenen gewüthet. Wie hat in Fürth Dr. Lörvy gehandelt? Mit welcher Berfolgungswuth hat er seine Reformen eingeführt, mit welcher Dreistigkeit trat er gegen den berühmten R. Wolff Hamburger b"rn auf! Mit der angeblichen Großmuth der Reformhelden ist es also nicht weit her. — „Es bedürfe keiner Synoden, um das Ueber- „flüssige, Mißverstandene, Verkehrte und Schädliche „in der religiös-ceremoniellen Praxis zu beseitigen, „die Zeit thut es." Herr Wist andrer Meinung, die Zeit allein genügt nicht. Aber mit den 4 Epitheta ist er völlig einverstanden. Nun sage noch einer, unser Zeitalter sei kein erleuchtetes! Die größten Geister der Vorzeit haben dies nicht in unsrer Religionsübung gefunden, die Synode hat es glücklich herausgebracht, denn „was selbst der Verstand der Verständigen nicht steht, das übet in Einfalt ein „kindisch (?!) Gemüth." Und hier nehmen wir noch Gelegenheit den Ausdruck „religiös-ceremoniell", mit dem so viel Unfug getrieben wird, zu beleuchten. Er ist nicht blos entschieden falsch, sondern auch von den Reformhelden schlau ersonnen. Wir haben in der nun keine Ceremonien, sondern nur göttliche Befehle, Gebote und Verbote. Wenn z. B. mrfrn oder die Opserhandlungen in ganz genauer Weise vorgeschrieben find, so ist dies nicht minder Gesetz, als irgend ein anderer göttlicher Befehl. Es ist ja leicht zu merken, wozu die Verquickung dieser beiden Begriffe dienen soll. Ceremonien glaubt man mit vornehmen Achselzucken leicht abschaffen zu können; gesteht man jedoch zu, daß eS ein Gesetz ist, so ist das nicht mehr so leicht. Man braut sie daher zusammen und tischt diesen Hexenbrei dem Publicum auf. Man vergleiche die Dreistigkeit der synodalen Gesellschaft mit der Bescheidenheit der Alten! Diese sagten: wenDim-w oder mm 122 oder irw »np ,ib. Unsre Neuerer, die an Geist und religiösem Charakter diesen auch nicht die Schuhriemen zu lösen werth sind, donnern ein quv8 ego, und par ordre de mufti ist alles Misltebtge weg dekretirt. — Aber H. W. findet auch abgeschmacktes in unserer bisherigen Religions- Uebung. Da möchten wir doch fragen, „warum hat er sich denn als Rabbiner einer Gemeinde, die abgeschmackten Gebräuchen huldigt, wählen lassen?" Es ist dieselbe Erscheinung, die wir bei dem HeroS der Reformer und Gesetzesleugner sehen, bei Geiger, der bekanntlich in seiner Urschrift der min jeden göttlichen Charakter absprach, und dennoch, wenn er zur 'n aufgerufen ward, höchst salbungsvoll sein nvn mm sprach, da das Amt dies erforderte! — Zur Berechtigung der durch die Synode angestrebten Reformen wählt H. W. ein unglückliches Beispiel, das gerade gegen ihn spricht, eS ist nämlich Deut. 4, V. 6 „wohl ein wetseS und vernünftiges Volk ist diese große Gemeinschaft." In diesem Vers — und das ist wohlweislich von H. W. weg gelaffen — ist gerade von den o’pm, den uns erem Verstände unbegreiflichen Gesetzen die Rede (stehe den S. m d r pr£ mni 2"). Wenn diese als Inhalt der höchsten Weisheit bezeichnet werden, so möchten wir die meisten Reformer thöricht und unvernünftig nennen.