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Der Israelit · 1895-01-07 · Heft 2 (7.1.1895) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 2 (7.1.1895)
Date
1895-01-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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äO Zeit genug gehabt habe, um sich zu überzeugen, daß Spanier kein Jude, sondern Katholik sei, und beantragte das höchstzuläsflge Stafmaß von 150 Mark. Nun setzte der Angeklagte Breitwisch dem AmtSanwalte auseinander, daß Spanier nichts als ein getaufter Raffenjude sei. Jeder Mensch, der Spanier sehe, erkenne schon an seinem Aeußern und an seiner Sprache unzweifelhaft den echten Juden. Ob er getauft sei oder nicht, thue gar nichts zur Sache, da ein Jude immer Jude b.'eibe; das Wort Jude sei eben ein Raffenbegriff, geradeso wie Sachse oder Bayer, aber niemals ein Religionsbegriff. Ist diese Definition nicht entzückend? — Das Schöffengericht sprach den Drucker frei und verurtheilte den Kaufmann Breitwisch zu einer Geldstrafe von 3 Mark, indem es ausführte, daß die Verhandlung keine Momente zu Tage gefördert habe, welche ein HivauSgehen über das geringste Strafmaß rechtfertigen. München, 28. Dezember. Auf Einladung der bayrischen antisemitischen Volkspartet wird der Reichstagsabgeordnete Rector Ahlwardt im Januar eine Reihe von Vorträgen sowohl hier, wie in anderen bayerischen Srädten halten. Würzbrrrg. Das Chanukka-Fest in seiner geschichtlichen und religiösen Bedeutung ist so recht geeignet, Israels Aufgabe zu Bewußtsein zu bringen, denn während die Geschichte uns zeigt, wie unsere heldenmüthtgen Vorfahren für unsere heiligsten Güter litten und stritten und wie ihnen der göttliche Beistand den endlichen Sieg verliehen, so stellt uns das Chanukka-Licht Israels Aufgabe und Israels Heil in der min vor; Licht ist die min, ist die höchste Wahrheit und dieses Licht sollen wir in unfern Häusern und in unserem Innern anzünden, daß es hell leuchte nach außen und in die Ferne. Im engen Zusammenhänge mit diesem Gedanken kann ich Ihnen von einer Feier berichten, die eben diesem Lichte galt und den obigen Gedanke» zum Ausdruck bringen sollte. Der im Jahre 5630 dahier gegründete Ohave- Emeth Verein verband am 5. Chanukka-Abend mit seiner 25. Jahresversammlung zugleich eine ent« sprechende Jubtläums-Feier, die einen außerordentlich schönen Verlauf nahm. Der Verein hatte ursprünglich nur den Zw.ck des gemeinsamen mm» Lernens, bildete sich aber bald als Fortbildungs- Verein aus mit der Aufgabe, rnm-Kenntniß und rnrn-Geist in der reiferen Jugend zu verbreiten und zu befestigen. Dieses hohe Ziel suchte er auf drei Wegen zrl erreichen, durch Lehren und Lernen, durch sabbatliche freie Vorträge und durch eine zweckentsprechende Bibliothek. Von all diesen Darbietungen wurde fleißig und ausgiebig Gebrauch gemacht, so daß man sagen konnte, der Verein hat nicht nur einem fühlbaren Bedürfniß abgeholfen, sondern er übte in seiner Thätigkeit einen sehr wohlthätigen Einfluß ans die reifere Jugend aus und bildete einen Concentrirungspunkt für wohl- und religiösgestnnte. wissensdursttge Jünglinge, namentlich auch solche, die nach der Geschäftszeit der Pflicht des min= Lernens genügen wollten. In diesem Sinne wirkt der Verein während seines fünfundzwanzigjährtgen Bestehens und erfreute sich so mehr oder weniger der wünschenswerthesten Erfolge. Warum sollte man stch am Schluffe eines solchen Zeitraumes der Arbeit schönsten Segens nicht freuen? Es wurde daher die Anregung zu einer Jubiläumsfeier von allen Betheiligten freudig begrüßt und auch von ehemaligeri und auswärtigen Mitgliedern gingen auf ergangene Mtttheilung bezw. Einladung Beweise der wärmsten Theilnahme dem Verein zu. Man meikte es allen Teilnehmern an, eS galt einer roso bw nnop und die Stimmung war eine gehobene. Dazu hatten wesentlich auch die Festreden beigetragen. Die Eröffnungsrede hielt der Vorsitzende, Herr Seminarlehrer I. Schlenker, in welcher er die Wichtigkeit des Vereins und dessen Tendenz in lehrreichen Worten nachwies, indem er betonte, daß in unserer mehr als zu jeder anderen Zeit es notwendig sei für mm iivH zu arbeiten, um damit dem herrschenden religiösen Jndifferentismus entgegen zu wirken, und kann sich der Verein sagen, hierin schon Manches geleistet zu haben. Mit Dankesworten an alle Mitwirkenden. unter denen so manche große und verdienstvolle Gelehrte, deren Andenken dankend erwähnt wurde, und mit dem Wunsche des ferneren Gedeihens und Wachsens des Vereins schloß der verehrte Redner. Der Casster, Herr Seminarlehrer I. Weißbart, schloß sich diesen Ausführungen in kurzen aber warmen Worten an uns fügte, noch eine geschichtliche Darstellung über das Vereinsleben in seinen materiellen wie intellektuellen Theile an. Die Rede endigte mit den besten Wünschen für den Verein unter Anwendung der Talmudstelle rrsö nany npHn niXD nwy nnm in dahin deutend, daß sowohl daS Anzündeu des göttlichen Lichtes als dessen Sicherstellung beide verdienstvoll, und unter Anspielung auf das Wort die Ruhe am fünfundzwanztgsten nach langem Kampfe, womit der Verein seine Lebensfähigkeit dargethan, und nun zur neuen und noch lebenskräftigeren Thätigkeit übergehe. Hernach sprachen noch der Secretair Herr Lehrer Oppenheimer, und die Herren Studierenden Jsakuna von hier und Karlebach von Lübeck in gelungenster

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