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Der Israelit · 1895-01-07 · Heft 2 (7.1.1895) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 2 (7.1.1895)
Date
1895-01-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVI. Jahrgang. Seiiage jtt M 2 des „Israelit^. Leitender Artikel. Kin posthumes Werk des FlaMners S. A. Kirsch b“2L 8. Wlit dem Hingange des Mannes, der für die Erklärung der biblischen Schriften neue Wege gewiesen und einer tieferen Auffassung des Bibeltextes die Bahn geebnet hat, war dessen literarische Thätigkeit für die Welt noch nicht abgeschlossen. Der rastlose denkende Geist mußte allerdings ruhen, die Hand, die unermüdet und kräftig die Feder für Gottes Gesetz und Lehre geführt, war erstarrt, aber es lag ein Werk druckfertig vor, die Uebersetzung und Erklärung der nten, das uns beweist, wie erst der Tod dem Schaffen jenes Mannes ein Halt gebieten konnte. Das Gebetbuch, die rfcen! Wie unscheinbar in den Augen so vieler — rövn-Uebersetzen! nun das ist doch etwas so Einfaches, die Elemente des Wissens, wie die Einen glauben, die noch nach alter frommer hergebrachter Weise beten und nicht ahnen, welch einen liefen Inhalt, welch einen vollwichtigen Gehalt die Worte des Gebets bergen. Da sind nun wieder Andere, die alle unsere Gebete für veraltet ansehen, sie in manchen Parthien für werthlose Wortspielere!en halten und nun glauben, neue Gebete an die Stelle der alten setzen, oder sie wenigstens abändern zu müssen. Da kommt nun der Meister, der aus dem tiefen Schachte das edle Metall hervorholt und allen zeigt, welch einen Schatz ethischen Gutes unsere Gebete enthalten, zeigt, wie das einfach erscheinende Wort so Großes ausspricht und lehrt, daß n^sri-Uebersetzen doch nicht so einfach ist, wie die Einen glauben, wenn mit dem Uebersetzen auch das Verstehen Hand in Hand gehen soll und zeigt jenen, welche eine neue Gebetordnung für nothwenbig halten und jenen, die sich zu Korrektoren der alten ,-6sn berufen hielten, wie wenig dieselben sie verstanden haben, wenn sie auch fähig waren die hebräischen Worte zu übersetzen. Als Text ist der von Heidenheim in besten ton nstp festgeftellte zu Grunde gelegt, an den sich Uebersetzung und Erklärung anschließen. Für die Psalmstücke hat der Schwiegersohn des Verf., Herr Rabb. Dr. Gugenheimer einen Auszug aus dem Psalmwerk des Verf. als Commentar hergestellt, da die Aufnahme der vollständigen Erklärung das Werk zu umfangreich gemacht hätte. Die Korrektur ist von den in Frankfurt wohnenden Söhnen des Verf., den Herren Dir. Dr. M. Hirsch, Jul. Hirsch und Rechtsanwalt Dr. N. Hirsch gemeinschaftlich besorgt. Was nun die Erklärung selbst betrifft, so bedarf ein Werk aus der Feder des Rabb. Hirsch ^sn keiner Anpreisung, und wir werden umso weniger Einzelnes hier hervorheben, weil es uns hier in erster Linie darum zu thun war, eine vorläufige Anzeige dem Publikum zu vermitteln. Wir sind nämlich von der festen Voraussetzung ausgegangen, daß wir dem großen Kreise der Männer und Frauen, die von der Bedeutung des Verstorbenen durchdrungen sind, und die der Lektüre seiner Werke manche erhebende und genußvolle Stunde verdanken, eine Freude bereiten, wenn wir diesem von dem Erscheinen eines neuen Werkes desselben Kunde geben, noch ehe es auf den Büchermarkt gelangt ist. Aber dies wollen wir noch htnzusügen, daß diese r£en Gegenstand des Studiums und ein Mittel wahrer Erhebung den Lesenden werden wird, die Überzeugung haben wir durch die Lektüre einiger Aushängebogen gewonnen, welche die Verlagsbuchhandlung (I. Kauffmann, Frankfurt a. M.), die alles aufgeboten hat, das Werk elegant auszustatten, die Güte hatte, uns zur Verfügung zu stellen. Das Werk wird gegen Ende dieses Monats erscheinen, und wir werden dasselbe alsdann zum Gegenstand einer ausführlichen Besprechung machen. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Köln, im Dez. Unsere Leser werden sich noch des vor einigen Monaten vorgekommenen Falles Spanier erinnern. Dieser hatte in nichtswürdigster Weise in einer htes. kath. Kirche ein Bild des Stifters der chr. Religion verunreinigt und war bei seiner Mtffethat abgefaßt worden. Der Kölner Antisemitische Verein glaubte, „diesen neuen Frevel eines Juden" durch Extrablätter bekannt machen zu müssen, die auch zum Theil öffentlich in Köln angeschlagen wurden. Es stellte sich jedoch alsbald heraus, daß Sp. kein Jude ist und auch nicht von Juden abstammt. Aus letzterem Grunde wurde gegen den Kaufmann Breitwisch und den Drucker Franz Greven Anklage wegen Vergehens gegen das Preßgesetz erhoben. Im Laufe der Verhandlung, welche am 4. d. Mts. vor dem Schöffengericht stattfand, bemerkte der Angeklagte Breitwtsch, daß der Thäter allerdings ein Jude sei. Ueber diese Bemerkung gerieth der Amtsanwalt in sichtliche Erregung. Er hielt dem Angeklagten vor, daß er wohl inzwischen

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