Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1895)
- Date
- 1895-01-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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SS wußten nicht warum. ES mußten Thränen der Freude und des Glückes sein, die sich ihnen hervordrängten beim Anblick der in hoher Schönheit und glücklicher Jugend strahlenden Tochter. „Wärst Du ein Sohn," sagte der Anwalt oft scherzend, „fr würde ich Dich noch lieber haben. So aber bist Du nur eine Tochter, die mich früher oder später verläßt, um ihrem Manne nachzufolgen." „Nur eine Tochter!" entgegnete dann regelmäßig mit Stolz die Mutter, „Gottlob nur eine Tochter, die mir Hilfe und Stütze im Hause ist und mir mehr Freude macht, als zehn Söhne eö könnten." „Ich bin ja auch zufrieden mit meiner Anny," sagte dann der Anwalt; „mir bangt nur vor der Zeit, wo ich sie hergeben muß." „Und hättest Du einen Sohn nicht noch früher hergeben müssen?" fragte die Mutter. „Was hast Du von Willy? Bereitet er uns nicht genug Kummer und Sorge? Nein, ich danke dem lieben Gott, daß mein Kind eine Tochter ist." Wie immer, wenn die Unterhaltung auf Willy kam, wurden die Eltern erregt, und Anny hatte daun zu thun, die aufgeregten Eltern zu beschwichtigen und den Abwesenden zu vertheidigen. Seit dem von Herrn von Gilsa erstatteten Bericht hatte Willy an Liebe und Ansehen sehr bet ihnen verloren, und der Anwalt wäre schon längst nach Berlin gereist, wenn er hätte abkommen können. Seine kränkelnde Frau drängte ihn fortwährend dazu, aber die Berufsgeschäfte ließen ihm keine Zeit, die fr wichtige Reife zu unternehmen. Anny stand jetzt an Stelle ihrer Mutter dem Haushalt vor. Zu ihrer Stütze hatte man ein junges Mädchen engagtrt, eine Tochter des Herrn Apolant, und diese und Anny waren bald die besten Freundinnen. Was Fanny Apolant an Wissen fehlte, ersetzte sie durch ihre Character- und Herzensbildung, durch ihr feines bescheidenes Wesen und ihren weiblichen Takt. Sie liebte den Anwalt und seine Frau wie ihre Eltern, Anny, wie ihre Schwester und trug Leid und Freud mit der Familie. Wo ein erwachsenes, hübsches junges Mädchen im Hause ist, finden sich Altersgenossen, männliche wie weibliche ein, und wenn die Eltern des Mädchens selbst noch die Frische und die Elasticttät des jugendlichen Geistes haben, da entwickelt stch ein lebhafter Verkehr, denn das Wesen der Jugend ist prickelndes Leben, das, in die richtigen Bahnen gelenkt, zu allem Schönen, Edlen. Guten begeistert. Die jungen Leute, die bet Dc. Pretorius verkehrten, entstammten alle den besten Häusern, und der Ton, der bei ihrem Verkehr vorherrschte, war ein höchst feiner und edler. Sie bildeten einen Verein, der den löblichen Zweck verfolgte, eine jüdische Volks- und Jugendbtbliothek zu gründen und die Kenntniß der heiligen Religion und der Geschichte unseres Volkes unter der Jugend zu verbreiten. Anny war ein eifriges Mitglied dieses Vereins und ihr lag es ob, aus den neueren Erscheinungen der Literatur das für die Zwecke des Vereins Passende auszuwählen und anzuschaffen. _(Fortsetzung folgt.)_ Wochen - Kalender. Freitag, 11. Januar, 15. Tebeth. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr 25 Min. (M. E. Z.) Gamstag, 12. Januar, 16. Tebeth. »riM. Sabbat-AuSgang in Mainz 5 Uhr 40 Min. (bl. E. Z.) Cck „3 t a e l i t" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstags, jedermal in mindestens zwei vage«. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 10 Reichs-Mark, für'» »«Aland 1« Reichs-Mark. Man abaanirt ganz, jährig, halbjährig mer vierteljährig. Alle Buchhandlungen »nd Postämter nehmen Ballungen au. — Durch de« Dnchtzandri M bt}U|ta ht E. /. Dlrinaürrr, Leipzig, Daßpiatz IS. — Inserate 26 Pfennig die viergefpaltene Petttzetle oder deren Raum. — Oesterretchisch« Banknoten laut Court. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland »ud Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'» Ausland IS Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. •tetMUtftttfcmc »•« au die Nedaetion eingesandten Manuskripte« stabet «icht statt, »an bittet deshalb stch im alle» Ginsendnngen eine Gopie znrAckznbrhatte». Inhalt (Hauptblatt): Leitender Attikel: Die Zeichen des wahren Erlösers. — Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen : Deutschland: Berlin. Preuß. Stargard. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. — England: London. — Frankreich: Paris. — Türkei: Konstantinopel. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Ein posihumeS Werk des Rabbiners S. R. Hirsch Vat. — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Köln. München. Würzburg. — Sprechsaal. — Vermischtes. Inhalt der Extra Beilage: Jnhaltsverzeichniß zum Jahrgang 1884 des „Israelit". Berantwottliche Redaktion: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit*, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage,,.