Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1895)
- Date
- 1895-01-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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24 welcher er besonders auf das Vertrauen der Eltern zur Schule hinwies, das sich darin äußerte, daß sie mit 60 Schülern eröffnete und jetzt 450 Zöglinge zählt. In wehmüthigem Schmerze gedachte er seines „theuren, für die Schule unsterblichen verblichenen Freundes" Dr. Nathan Deutschlaender, der die Arbeit getragen, aber das Fest nicht geschaut hatte; zur Ehre seines Andenkens erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. Die Festrede war vom Direktor dem Lehrer Herrn Dr. Josef Wohlgemuth übertragen worden. Er zeigte, wie in der Entwickelung der Religionsschule in ihrer jetzigen Gestalt aus dem alten Cheder das jüdische Leben unseres Jahrhunderts sich widerspiegele, daß nur eine solche Schule gedeihen könne, die, nach dem Wahrspruche „Wissen ist Macht", nicht nur auf das Gemüth, sondern auch auf den Verstand des Kindes einzuwirken sich bemühe, und legte dar, in welcher Weise die Eltern an diesem Streben der Schule theilzunehmen berufen seien. Ansprachen, Deklamationen und Gesang der Kinder beschlossen, wie die Z. d. I. berichtet, die Feier, die trotz ihrer schlichten Einfachheit einen nachhaltigen Eindruck auf die Anwesenden hervorrief. Berlin, 23. Dec. Die antisemitische Einigkeit geht bereits wieder in die Brüche. Die „Staatsbürger Ztg." nimmt von vornherein Stellung gegen das von Ahlwardt am Donnerstag entwickelte Bundschuh-Programm, von dessen Annahme Ahlwardt seinen Beitritt zur geeinten antisemitischen Partei abhängig machen wollte, und erklärt, daß dieses Programm auch in seinen Grundzügen nun und nimmer mit dem Programm einer auf nationalem, monarchischem und christlichem Boden stehenden Reformpartet in Einklang zu bringen sei. Die ganze einige Herrlichkeit wird nächstens wohl wieder aus dem Leim gehen. Preutz. Stargard. Hierselbst verschied Dienstag d. 25. Dezember Nachts nach kurzem Krankenlager im Alter von 73 Jahren Herr Rabbiner Dr. Brann. Um dem verewigten Kollegen die letzte Ehre zu erweisen, waren außer seinem Bruder dem greisen und ehrwürdigen Herrn Rabbiner Brann-Schneidemühl, die Herren Rabbiner Dr. Grabowski Könitz, Rabbiner Dr. Janowttz- Dirschau und Rabbiner Dr. Pick-Marienburg erschienen. Donnerstag Nachmittag um 5 Uhr fand in der stimmungsvoll geschmückten Synagoge die Trauerfeierlichkeit statt. Nachdem Herr Kantor Rabbinowttz die entsprechenden Gebete in erhebender Weise vorgetragen, hielt als intimer Freund des Heimgegangenen Herr Dr. Grabowskt die Trauerrede, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. In beredten Zügen entwarf er ein lebenswahres Bild von dem Entschlafenen, der als Seelsorger wie als Mensch durch seine edlen Geistes- und Herzensgaben und durch seine unermüdliche Pflichttreue eine segensreiche Wirksamkeit entfaltete und so ein ehrendes, unvergeßliches Andenken in allen Kreisen, besonders in seiner Gemeinde, deren religiöser Führer er 32 Jahre lang war, sich gesichert. Hierauf widmete Herr Rabbiner Brann mit thränenerstickter Stimme seinem Heimgegangenen Bruder einige Worte, die alle Herzen aufs tiefste erschütterten. Alsdann erfolgte die Überführung der Leiche nach dem Bahnhofe, da sie in Neumarkt (Schlesien), wo die Gattin des Verewigten ruht, betgesetzt werden wird. Welche allgemeine Verehrung und Liebe der Verklärte genossen, das bewies die überaus zahlreiche Betheiligung aller Stände und Konfessionen, der Spitzen der Behörden und der Geistlichkeit an der Trauerfeier. n*awn. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 4. Januar. Der niederösterreichische Landtag war heute der Schauplatz stürmischer Auftritte. In der Debatte über die Erhöhung der Spitalverpflegungsgebühren nannte der Antisemit Gregorig die Wiener Universität ein an einem Nothnagelhängendes „Mauscholeum". Der Rector Magntficus, Professor der Theologie Müller, trat mit aller Entschiedenheit den Angriffen auf die Universität und Professor Nothnagel entgegen und nahm, als katholischer Gelehrter, die jüdischen Gelehrten in Schutz. Die Antisemiten ergingen sich hierauf in gehässigen Angriffen auf den Rector und riefen ihm zu: „Ehrenrabbt!" Er soll sich beschneiden lassen!" und begleiteten ihre Zurufe mit Gebrüll und Toben. Budapest, 2. Januar. Der auch in diesen Blättern durch seine gesch. Beiträge in den früheren Jahren rühmlichst bekannte Herr Rabbiner I. H o r o v i tz aus Btstritz, wurde in Also-Rubin, dem Hauptsitz des Arwaer Komitatcs zum Oberrabbiner gewählt. Herr Rabbiner Horovitz, ein Abkömmling einer hervorragenden Rabbinerfamilie in Ungarn, gehört der orthodoxen Richtung an, ist als Gelehrlehrter und ausgezeichneter Kanzelredner in weiten Kreisen bekannt und hat sich durch die Veröffentlichung zahlreicher wissenschaftlicher Abhandlungen einen Namen erworben. Im ungarischen orthodoxen Organ „Zidö hiradö“ erscheint auch aus seiner Feder derzeit etn größerer Arttkelcyclus über „Orthodoxie und Reform", der in Fachkreisen fehrbeifällig ausgenommen wurde. Auch außerhalb seines engeren Wirkungskreises erfreut sich Herr Rabbiner Horovitz der allgemeinen Hochachtung und Wertschätzung und wurde auch von nichtjüdischen Behörden und