Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1895)
- Date
- 1895-01-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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28 erwarten. Wohl macht der Erlöser auch sein Ich geltend, aber es ist »djk, es ist das Ich, das den Körper und seine Interessen abhängig von dem Geiste und seinen Anliegen weiß. Es stellt die Ansprüche unseres geistigen, seelischen Theils immer und überall in den Vordergrund, und ordnet ihm die Anforderungen des Körpers als ganz selbstverständlich unter. Deshalb wird auch unser Erlöser, der uns die Last des Lebens abnehmen wird, vy man by aam arm sein und auf friedlichem Thiere seinen Einzug halten. Wenn er heute käme, die Frage lösen, die Kämpfe schlichten und die widerstreitenden Interessen versöhnen wollte, würde er Verständntß, würde er Glauben und Vertrauen, würde er auch nur Gehör finden, in einer Zeit, die das „Hils' Dir selbst" auf ihre Fahnen geschrieben, die von sich alles und von Gottes Beistand gar nichts erwartet? &lne Welt, in der das Ich eine so große Rolle spielt, daß „Egoismus" und Selbstsucht die Triebfedern fast alles Handelns und Wirkens sind, die Kinder einer solchen Welt, sind eben Weltkinder, die noch nicht reif sind des Erlösers, welcher der Menschheit wartet. In dem Kampf um das liebe Ich, der früh und spät, von Jung und Alt, von Hoch und Nieder gekämpft wird, in welchem das Edlere und Bessere, das Göttliche im Menschen hingegeben wird, um den brutalen Forderungen des Lebens zu genügen, in einer solchen Zeit haben die Bedrücker und die Bedrückten kein Ohr für die Stimme des Erlösers. Die einen hörten ihn nicht nn mnpa, wegen der Unzulänglichkeit des Geistes und Gemüthes und die anderen nicht nwp muj/a wegen der schweren Last, die wie ein unerträglicher Alp auf ihnen ruht. In einer Zeit, deren Kinder fast ausschließlich darauf bedacht find, soviel als möglich aus sich selbst zu machen, die in erster, zweiter und unendlicher Reihe an sich und nicht einmal zuletzt, die gar nicht an andere denkt und in der Ausbeutung des Selbsttnteresses den Beruf des Menschen erblickt, in einer solchen Zeit beugt man sich nicht vor dem Erlöser, der aus sich nichts zu machen versteht, der mit seinem verzagten 'djx t> : Wer und was bin ich, nur allenthalben einem mitleidigen Achselzucken begegnet. Eine solche Zeit erwartet ihre Hilfe von einem Crösus, der mit seiner Wünschelruthe einen Goldregen in jede Hütte leitet, aber den Menschen, der sich als Diener Gottes begreift, der für sich nichts, nicht einmal den Namen will, der n'Bff otc6 im Namen und Auftrag Gottes, sein ’djn spricht und seine Sendung erfüllt, für den hat sie nur ein geringschätziges Lächeln, aber als ihren Erlöser würde sie ihn nimmer erkennen und anerkennen wollen. Deshalb hat Vater Jakob seinen Kindern das Zeichen anvertraut, das sie festhalten mögen, wenn auch die ganze Zeitrichtung dasselbe von sich wiese, und hat ihnen das Vermächtntß mit hinaus gegeben: Allen Constellationen, einer machtstolzen Zeit gegenüber, wird derjenige die Erlösung bringen, der nicht mit einem selbstbewußten »«, sondern mit einem selbstlosen 'sä* die neue Zukunft anbahnen wird. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpoudeuzen. Deutschland. Berlin, 2. Januar. Ju der vergangenen Woche waren, wie wir in unserem Artikel „Eine Doppelfeter" bereits mitthetlten, 25 Jahre vergangen, seitdem die hies. Jsr. Synagogengemeinde (Adaß Jisroel) gegründet worden war. Dieses Ereigniß wurde von der Gemeinde durch einen Festgottesdienst am Sabbat Chanukah in der festlich geschmückten und erleuchteten Synagoge gefeiert. Außer den am Sabbat üblichen Gebeten wurde noch durch den Chor Psalm 150 zum Vortrag gebracht und seitens des Rabbiners Herrn Dr. Israel Hildesheimer von der Kanzel herab ein hebräisches Gebet gesprochen, das, in meisterhaftem Hebräisch, die Errungenschaften der Gemeinde klarlegte und ferneres Gedeihen für dieselbe erflehte. Besonders weihevoll gestaltete sich der Augenblick, als der greise Rabbiner der Gemeinde, der nun schon 25 Jahre Leiter derselben ist, den Segensspruch über die Thora sprach; in einem hieran sich schließenden “pus* ’o wurden die Verdienste des Genannten um die Gemeinde sowohl, als auch um die Gesammtheit Israels gefeiert und die heißen Wünsche seiner Verehrer für sein ferneres Wohlergehen zum Ausdruck gebracht. Die Festpredigt, der er als Text Zach. 3.7 zu Grunde legte, hielt Herr Meier Hildesheimer, der die Verdienste der Gemeinde und ihre Hoffnungen ktarlegte. — Gleichzeitig mit dem Jubiläum der Gemeinde konnte die Religionsschule derselben auf 25 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Um auch diesen Abschluß eines Vierteljahrhunderts reicher Arbeit festlich zu begehen, versammelten sich am Sonntag Vorm, in der Aula der Sophtenschule die Gemeindebehörden, die Eltern der Kinder, die Mitglieder des Schulvereines, die ehemaligen und jetzigen Lehrer und die Zöglinge der Anstalt, damit sie sich durch Reden, Deklamationen und Gesang die Ziele der Schule und ihre Erfolge vorführten. Nach einem stimmungsvollen Eröffnungsliede, das, wie alle anderen Gesänge, von Herrn Dr. Ackermann gedichtet, komponiert und eingeübt worden war, gab der Direktor der Schule Herr Rabbiner Dr. I. Hildesheimer einen Ueberblick über die geschichtliche Entwickelung derselben, in