Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1895)
- Date
- 1895-01-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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22 zx ist somit das eigentliche Ich; 'ajx ist das Ich, wie dasselbe durch das Medium des Körpers in die Erscheinung tritt. Auf Gott angewendet, macht sich dieselbe Unterscheidung geltend. Wenn Gott sein unmittelbares Eingreifen in die Geschicke der Menschen manifestiren will, so führte er sich als ’jx, als das absolute, von allen Mächten unabhängige Wesen ein, und spricht: 'J x »a nny wo. *x pxi xin ' j x" Seht nun, daß Ich, Ich es bin und keine Macht ist neben mir, ich tödte und ich belebe, schlage Wunden und bringe Heilung, aus meiner Macht giebts kein Entrinnen." Läßt aber Gott sein Walten durch das Medium der Natur, der Menschen und wie sonst auf immer mittelbar in die Erscheinung treten, dann spricht er: »ba x*siöi dhb rxa nsj rin ’nxna » d j x;n„ :ban!> nwD ’rxna »djxi in^pvb Siehe ich habe den Künstler gebildet, der die Kohlengluth anhaucht und sein Werkzeug producirt, und ich bin es, der den Verderber geschaffen, um alles zu zerstören." (Jesaja, Cap. 24. V. 16.) Der schaffende Künstler und der alles verheerende Zerstörer, sie stehen in meinem Dienste, sie sind das von Gottes Hand aus der Höhe geworfene Loth, das allein die Menschen unten sehen, sie sind: 'ajx. Das Zutreffende dieser Unterscheidung ergiebt sich besonders aus solchen Stellen, an welchen die beiden Ausdrücke ’jx und ojx unvermittelt neben einander stehen. So heißt es z. B. II. B. M. Cap. 7, V. 7. nao »ajx run 'i 'Oft »a jnn nx:a '1 ncx na . d-6 irDnn nx'a iox D’on by 'Ta -wx naoa ^So hat Gott gesprochen: durch folgendes sollst du erfahren, daß Ich Gott bin, siehe ich schlage mit dem Stabe, der in meiner Hand, auf das Waffer, welches im Fluß ist, und es wird verwandelt in Blut." Wenn hier dem Pharao das Bewußtsein von einer alle Mächte überragenden Gottesmacht vermittelt werden soll, so verläßt der Fluß, dessen stetiges Steigen und Fallen die Existenzbedingung des ganzen Egypterlandes bildet, seinen Lauf, seine seit Jahrtausenden bekannte und berechnete Etgenthümlichkeit und wird allen sogenannten Naturgesetzen zum Trotz zu Blut. Hier tritt Gott als ’jx, in seiner ganzen Unabhängigkeit auf. Moscheh mit seinem Stab ist dagegen nur das Mittel in Gottes Plan, nicht Moschlh und sein Stab verwandeln das Waffer in Blut, Moscheh ist nur das aus der Höhe göttlicher Wallung auf Egypten niederfallende Senkblei Gottes: ^x Eine ganze Fülle überraschender Lösungen von Aussprüchen des Gotteswortes und der es deutenden Weisheit unserer Weisen ergiebt sich aus dieser Scheidung zwischen »jx und 'ajx. Für denjenigen, welcher diesen Gegenstand eingehender behandeln will, verweisen wir hiermit auf das Werk: nun' 'p'sx □'•'tyyi njmx nnn. Für uns dürfte das bisherige genügen, um das Zeichen zu würdigen, das der sterbende Ahn als erstes Charakteristikum des wahren Erlösers hinterließ. Er fübrt das Wort »ajx im Munde. Je mehr derselbe von der alle Gewalten der Erde überwindenden, freien Persönlichkeit Gottes, je mehr derselbe von der Wahrheit durchdrungen ist, die sich in dem \jx Gottes ausspricht, desto williger, fügsamer und demüihiger begreift er sich nur als Werkzeug in Gottes Hand, als ’ajx. Deshalb war Moscheh durch sein »ajx »d, wer bin ich schwaches hinfälliges Wesen, daß ich vor die Majestät des egyptischen Königs hintreten, daß ich ein Volk erlösen sollte, gerade durch diese Bescheidenheit, die dieses ojx ausspricht, war Moscheh wie kein anderer prädestinirt das 'n ’jx zur Geltung zu bringen. Deshalb durfte der Erlöser des Gottesvolkes nicht einmal die Fähigkeit einer geläufigen Sprache besitzen, um das Recht seines geknechteten Volkes vor deffen Tyrannen zu vertreten, damit die Geschichte und das Geschick seines Volkes, damit die Thora, die Moscheh vermittelte, damit jeder Schritt und Tritt dieses Volkes für alle Zeit als das weithin leuchtende Denkmal des freien Waltens und wundermächtigen Eingreifens Gottes in die Geschicke der Menschen dastehe. Als dann die Stunde der Erlösung gekommen war und Moscheh vor sein Volk hintrat und ihm die Gottesbotschaft seiner Freiheit brachte, vertraute das Volk seinem Führer, obwohl Moscheh, der Stotternde, Schüchterne, Bescheidene seinem äußeren Auftreten nach wohl zu allem eher als zu einem Volksbefreier qualificirt erschien. Sie ließen sich durch den äußeren Schein nicht schwankend machen, sie verbeugten sich vor Moscheh und warfen sich vor dem von Gott berufenen Erlöser nieder; denn die Art und Weife seines ersten Auftretens entsprach dem Zeichen, das ihnen aus dem Vermächtntß des sterbenden Vaters bekannt war. Welche Lehre und Mahnung liegt aber in diesem ersten Kennzeichen des wahren Erlösers für alle diejenigen, die unter socialem und politischen Druck sehnsüchtig nach Erlösung ausschauen! Nicht das Selbstbewußtsein, nicht das Geltendmachen unseres Rechts, nicht das ausgesprochene und unausgesprochene Hervortreten unseres Ich, wird uns auch heute noch die Erlösung bringen. Das sind unsere Erlöjer nicht, die ihr liebes Ich bet jeder geeigneten und ungeeigneten Gelegenheit in den Vordergrund drängen, welche von der Selbsthilfe, und der Betonung ihrer Rechte die Verwirklichung ihrer schönsten Hoffnungen und heißesten Wünsche