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Der Israelit · 1895-01-03 · Heft 1 (3.1.1895) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 1 (3.1.1895)
Date
1895-01-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5 Oder sollte daS hohe Alter des Herrn sein Gedächtnis so sehr geschwächt habend Fast scheint es so; sonst müßte er doch noch wissen, daß die israel. Gemeinde Schotten im Jahre 1848 mit Zastimmung der Regierung aufgelöst wurde und daß sich dann im Jahre 1849 hier eine neue Gemeinde bildete unter dem Namen: „Neue Mosaische Gemeinde" und nicht neumosaische Gemeinde, wie Ihr Correspondent fälschlich angtbt. Die Statuten dieser Gemeinde sind vom Großherzl. Ministerium genehmigt und können von jedermann auf ihre Kuriosität untersucht werden; unsere religiösen Satzungen aber, das sind die Satzungen unserer hl. Thora, was für den Herrn aus Gießen natürlich nicht selbstverständlich war, da man in Gießen andere religiöse Satzungen hat, die ja weit und breit bekannt sind. Die Neue Mosaische Gemeinde dahier ist eine selbstständige, unabhängige Gemeinde, die weder unter der Aufsicht des Kreisamtes, noch unter derjenigen des Gießener Rabbtnates steht. Dieselbe kann ihren Rabbiner, Lehrer u. s. w. beliebig wählen und kann die religiösen Funktionen ausüben lassen von demjenigen, der ihr gefällt. Zu den religiösen Funktionen gehört aber auch die rituelle Trauung Der neologe Standpunkt des Herrn Dr. Levy sagt dem größten Thetle der hiesigen Gemeindemitglteder nicht zu und deshalb verzichten sie darauf, von ihm getraut zu werden. — Die religiösen Einrichtungen unserer Gemeinde, wie Synagoge, Religionsschule, ranr und rrpo befinden sich in so guten Zustande, daß sie für manche Gemeinde als Muster dienen können. A. Kaufmann, Lehrer. Oesterr.-Ungar. Monarchie. J. Wien, 20. Dezember. Nachdem die Antisemiten in der Dienstag abgehaltenen Gemeinderathssitzung die Rathstube zum Schauplatz überaus wüster Scenen gemacht, welche mit der erfolgten Ausschließung eines Mitgliedes dieser Partei endeten, unternahmen diese höchst sonderbaren Volksvertreter in der am selben Tage stattgehabten Sitzung des Abgeordnetenhauses abermals einen Vorstoß gegen die Juden, der aber, Dank der Umsicht des Präsidenten, Baron Chlumecky, nicht vollständig gelang, so daß sich die „Erretter des Volkes" nur mit einem Pyrrhussieg zufrieden geben mußten, natürlich zum größten Schmerze derselben. Zum Schluffe der öffentlichen Sitzung erklärte der Präsident, daß ihm noch eine Interpellation übergeben worden sei, die aber einen solchen Inhalt habe, daß er sie in öffentlicher Sitzung zu verlesen Anstand nehme und nach Schluß derselben eine geheime Sitzung behufs Verlesung der Interpellation beantragen werde. Diese letztere wurde nun nach erfolgter Räumung der Galerien vorgenommen und gelangte in der geheimen Sitzung eine von Abgeordneter Schneider und Genossen an den Justizminister gerichtete Interpellation zur Verhandlung, in welcher die Interpellanten die Anfrage richten, wie der Justkzmtnister die kürzlich erfolgte Confiscation einer Nummer der antisemitischen Zeitschrift „der Volksfreund" zu rechtfertigen gedenke. Dr. Lueger bestreitet die Zulässigkeit der Geheimeiklärung und verlangt, daß der Inhalt dieser Interpellation in öffentlicher Sitzung bekannt gegeben werde. Abgeordneter Dr. Kramarz (Jungczeche) beantragt zunächst die Verlesung des Artikels in geheimer Sitzung. Der Präsident läßt auch den Schriftführer die Interpellation verlesen, welche den von Jnvkciiven gegen die Inden strotzenden Artikel im Woitlaute wiedergibt. Sodann läßt der Präsident über den Antrag Lueger abstimmen, und das Haus entscheidet, daß die Wiedereröffnung der öffentlichen Sitzung und dir Verlesung der Interpellation in derselben nicht zulässig sei, womit die Sitzung endete. Zur Charakterittk diene die Bemerkung, daß der „Volksfreund" ein ganz obscures Blatt ist, das nur ungemein in Antisemitismus arbeitet. Leser und Abonnenten zählt es nicht gar viele. — In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde der Antrag Dr. Byk, den Juden in Galizien und der Bukowina zu gestatten, wegen der von ihnen gehaltenen Sabbatruhe die Sonntagsheiligung nicht zu bemüfftgen, mit einem kleinen Zusatzantrag mit 95 gegen 34 Stimmen angenommen. Emil Jelinek. England. London, im Dez. Die Mitglieder der Großen Synagoge (Great Synagogue) hielten kürzlich eine General-Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stand, wie bereits kurz berichtet, ein Antrag des Schul - Vorstehers, die Scheidewand, die die männlichen Betenden von den weiblichen trennt, zu entfernen. Der Antrag wurde mit einer Mehreinnahme, die ein durch Entfernung der Scheidewand gesteigerter Zuspruch von Frauen herbeiführen werde, motivirt. Das Vorstandsmitglied Herr Franclin protefttrte aus ästhetischen Gründen gegen diesen Antrag, Andere mehr aus religiösen, Alle jedoch stimmten darin überein, daß durch Entfernung dieser Wand auch der schöne Bau des Tempels erheblich einbüßen würde. Schließlich wurde der Antrag mit großer Majorität abgelehnt. Wie „Jew.Chronicle" meldet, fand sich unter den diesen Antrag befürwortenden Stimmen auch die der Frau Ober-Rabbiner Dr. Adler. — In der letzten Sitzung des Wohlthättgkeits-Vereins „Board ot Guard“ in London thetlte der Vorsitzende mit, daß das zum Bau eines Veretnshaufes, welches

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